Donnerstag, 2. Juli 2015

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Florian Jaenicke für manager magazin

4. Teil: Direkt vom Ergometersattel in den OP

Wie bei allen Anbietern spricht ein Arzt zu Beginn zunächst ausführlich mit dem Klienten, beleuchtet dessen medizinisches Umfeld im Alltag, in Familie und Beruf. Viele Mediziner nehmen sich für das einführende Gespräch mindestens eine Stunde Zeit. Denn nicht selten verbirgt sich hinter dem Vorsorgewunsch ein konkreter, aber nicht eingestandener Krankheitsverdacht. Genaueren Aufschluss liefert die körperliche Untersuchung, mit Abhören der Lunge und Blutdruckmessung.

Daran schließen sich allgemeine Labortests mit Blut und Urin an. Mit Ultraschall "sonografiert" der Arzt Schilddrüse und Bauchorgane, in den Halsschlagadern sucht er nach Ablagerungen ("Verkalkungen").

Mit einer weiteren Ultraschalltechnik ("Echo") untersucht ein Kardiologe das Herz auf Strömungsunregelmäßigkeiten im Blutfluss. Das EKG schließlich, zunächst in Ruhe, dann unter Belastung ("Ergometrie", meist auf einem Fahrradtrainer) gibt Aufschluss über die Leistungsfähigkeit des Herzmuskels und ob dieser aus dem Takt gerät ("Rhythmusstörung").

Was kaum einer weiß: Aus Ruhe- und Belastungs-EKG lässt sich nicht verbindlich ablesen, wie nahe die "koronare Herzkrankheit" schon bevorsteht, die zu Angina Pectoris und Herzinfarkt führen, den Herzmuskel ruinieren kann. Gleichwohl berichtet jeder Kardiologe von Patienten, die er "direkt vom Ergometersattel in den OP" eingewiesen hat.

Nicht jeder Test ist sinnvoll

Beckenbauer etwa erzählt die Geschichte eines beschwerdefreien Managers, dessen Belastungs-EKG dem CPM-Kardiologen auffällig erschien. Der Patient kam sofort in die Uniklinik, wo ihm noch am selben Nachmittag per Herzkatheter drei Stents in die Kranzgefäße eingepflanzt wurden - um den drohenden Infarkt zu verhindern.

Jenseits solch eher seltener Dramatik verbringen Check-up-Teilnehmer die restliche Zeit mit Lungenfunktionstests ("Spirometrie"), der Suche nach Krebsvorstufen oder -frühstadien auf der Haut, in der Prostata oder den weiblichen Geschlechtsorganen. Ein Ophtalmologe kontrolliert schließlich noch Augeninnendruck und -hintergrund.

Einige moderne Anbieter wie die Fleetinsel-Ärzte setzen zudem Psychologen zur Burn-out-Prophylaxe ein. Oder einen Sportwissenschaftler, der Muskelaufbau und Fitness beurteilt, sowie einen "Brain-Check" zum Messen der Konzentrationsfähigkeit. "Die meisten kommen nicht her, weil sie Sorge haben, dass wir etwas Gravierendes finden. Sondern weil sie ihr Leben ändern wollen", sagt Fleetinsel-Chef Stein.

Manche Check-up-Programme schließen auch eine Darmspiegelung ein. Weil dafür eine Kurznarkose nötig ist, ist dies der wohl unbeliebteste Teil der Vorsorgepraxis. Doch kaum ein anderes Verfahren schützt so gut vor Krebs: Verdächtige Geschwulste und Schleimhautveränderungen kann der Arzt mit dem Endoskop abtragen, sobald er sie entdeckt hat - absolut schmerzfrei für den Patienten.

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