Sonntag, 31. Mai 2015

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Vorsorgekliniken Check me up!

Die Besten: Vorsorgekliniken für Führungskräfte
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Florian Jaenicke für manager magazin

3. Teil: Kein mündiger Mensch lässt sich Genuss verbieten

Doch auch wenn die überwiegende Mehrheit ohne Beschwerden ankommt, sieht Alscher in den Untersuchungen mehr als beruhigende Rituale, besonders in internationalen Konzernen: Häufige Zeitzonenwechsel, ungewohntes Essen, beinahe ausschließlich klimatisierte Räume, "das sind Beanspruchungen, die selbst einen Spitzensportler an seine Grenzen führen könnten", warnt der Chefarzt.

Längst werden Check-up-Programme daher bei fast allen Dax-Konzernen als Element betrieblichen Gesundheitsmanagements eingesetzt, wie eine aktuelle Umfrage des manager magazins zeigt. Infineon etwa betrachtet die Gesundheit seiner Mitarbeiter gar als "integralen Bestandteil der Unternehmenswerte". Und bei Volkswagen haben allein im Jahr 2011 mehr als 22 000 Mitarbeiter an einer Vorsorgeuntersuchung teilgenommen.

Für den Erfolg der medizinischen Prävention ist dabei nicht etwa die Größe und Modernität der eingesetzten Hightech-Apparate entscheidend. Wichtiger ist die Qualität der Beratung, die "sprechende Medizin", die sich an den Check-up anschließt. Beckenbauer vom bayerischen CPM etwa versucht, sich möglichst intensiv in die alltäglichen Abläufe seiner Klientel hineinzuversetzen, bevor er sie bei Ernährung, Sport oder Schlafverhalten berät. Seine Erkenntnis: "Kein mündiger Mensch lässt sich sinnliche Genüsse ausreden oder gar verbieten." Für den einen mag dies ein Stück Torte am Nachmittag sein, für den anderen ein zweites Glas Wein am Abend, für den dritten das sonntägliche Ausschlafen und Faulenzen.

Mit engem Blick auf Cholesterin- oder Leberwerte, auf Blutzuckergehalt und Hormonhaushalt ließen sich aus all dem leicht Gesundheitsgefahren ableiten. Erfahrene Präventionsmediziner zeigen den Betroffenen aber, dass einmalige, gezielte Wunscherfüllung besser ist als die gewohnheitsmäßige Flucht in Kompensationsmechanismen. "Wer sich das zweite Glas Wein bewusst gönnt, weil er damit ein echtes Bedürfnis befriedigt, gewinnt dadurch so viel Lebensqualität, dass seine Gesundheit langfristig mehr profitiert als vom Verzicht", sagt Beckenbauer.

Weißbier statt Rotwein

Natürlich ist das Ziel weniger Alkohol und Stress, mehr Bewegung und Entspannung. Doch das Zauberwort lautet nicht "Zwang", sondern "gesunder Genuss". Wie das geht, lernen CPM-Klienten gleich am ersten Abend im Hotel "Bachmair" beim Umtrunk im Panoramarestaurant. Wer am Tag darauf zur Darmspiegelung soll, darf zwar keinen Rotwein trinken, weil die dunklen Farbpigmente die Untersuchung erschweren. Weißbier ist aber willkommen.

Die sanfte Tour zeichnet auch die Programme selbst aus: Die meisten Angebote stellen Komfort und Schnelligkeit in den Mittelpunkt. Manager haben wenig Zeit und legen qua Beruf Wert auf Effizienz. Um für sie attraktiv zu sein, versuchen die Anbieter, alle notwendigen Untersuchungen in einen Tag zu packen.

Das Hamburger Diagnostik Zentrum Fleetinsel wirbt gar mit einer Uhr: Zwischen 8 und 14 Uhr ist alles erledigt, von der Blutentnahme bis zur Haut- und Augenuntersuchung, Frühstückspause im "Steigenberger"-Hotel gegenüber inklusive. Rund 1500 Euro kostet das Basisprogramm, durchgeführt in Wohlfühlatmosphäre: indirektes Licht, unaufgeregte Landschaftsfotografie an den Wänden. Nur im Zimmer mit dem Fahrrad fürs Belastungs-EKG hängen Aufnahmen von Autorennen.

Tomas Stein, der ärztliche Direktor, hat das Diagnostik Zentrum vor 15 Jahren aufgebaut. Mit 1300 Check-ups im Jahr zählt es heute zu den Brummern der Branche; mit rund 60 Unternehmen wie Hapag Lloyd, Jungheinrich oder Unilever gibt es Rahmenverträge.

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