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30. November 2012, 07:17 Uhr

Das Duell

Apple gegen Samsung

Von Astrid Maier

Die beiden Tech-Riesen Apple und Samsung dominieren den Smartphone-Markt. Wer hat mehr Substanz? Von Finanz- und Innovationskraft bis zum Design - ein Vergleich der Konzerne in sechs Disziplinen.

1. Firmenkultur: Wer kann besser auf das Tempo der Branche reagieren? Wer zieht mehr Talente an? Und wer hat die bessere Kantine? Apple arbeitet trotz 62.000 Mitarbeitern flink wie ein Start-up. Kleine Teams und klare Hierarchien sorgen dafür, dass die Manager schnell umsetzen, was von oben angeordnet wird. Als Arbeitgeber hat die Firma im Silicon Valley einen guten Ruf. Das könnte auch am Café Mac, der Kantine, liegen: Ob Sushi oder vegan, es gibt alles - bis auf rotes Fleisch. Gründer Steve Jobs hatte es wegen Gesundheitsbedenken verbannt. Problem: Viele dank Aktienoptionen reich gewordene Führungskräfte machen sich selbstständig, junge Toptalente im Valley heuern derzeit lieber bei Start-ups an.

Samsung: 222.000 Mitarbeiter hat Samsung Electronics - und operiert ebenso agil wie der Rivale. Auch hier gelten strenge Hierarchien, gepaart mit einer asiatisch geprägten Kultur bedingungslosen Gehorsams. Trotz der militärischen Atmosphäre ist Samsung Koreas beliebtester Arbeitgeber. Die Firmenkultur stößt allerdings ausländische Manager, die für die Expansion gebraucht werden, ab. Immerhin: In den unterirdischen Gängen zwischen den vier Verwaltungstürmen in Seoul gibt es fast jede Küche dieser Welt. Kulinarische Vielfalt, Monokultur im Management: Frauen und Ausländer gibt es im Vorstand - wie bei Apple - keine.

Punktestand: 1 :1 unentschieden

2. Finanzkraft

1. Finanzkraft: Nur mit viel Geld sind Marketing- und Innovationsfeldzüge zu schaffen.

Apple: Über 117 Milliarden Dollar Barreserven hat Apple angehäuft und ist damit Spitzenreiter der Branche. Der US-Konzern hat annähernd so viel auf die Seite gelegt, wie Samsung Electronics im Jahr umsetzt. Auch die Bruttomarge ist bei Apple am größten.

Samsung: Mag Samsung zuletzt fast doppelt so viele Smartphones verkauft haben wie der Erzrivale, die Koreaner erwirtschaften mit dem Geschäft weit weniger Gewinn. Entsprechend zurückhaltend sind die Anleger: Die Aktie reicht an das Apple-Papier nicht heran. Die Analysten sind indes zuversichtlich und raten mehrheitlich zum Kauf beider Aktien


Punktestand: 2:1 für Apple

3. Innovationskraft

Wer ist erfindungsreich und schnell auf dem Markt?

Apple: Apple ist in der Disziplin Kreativität kaum zu schlagen. Mit iPod, iPhone, iPad definierte es neue Produktkategorien, beherrscht Geräte, Software und App-Store: Unabhängigkeit und maximale Gewinnabschöpfung garantiert. Dabei investiert Apple vergleichsweise wenig in Forschung. Risiko: So könnten die Ideen ausgehen.

Samsung: Nur IBM meldete zuletzt mehr US-Patente an; die Koreaner haben dennoch kaum eigene echte Innovationen kreiert. Aber: Die Geräte sind oft technologisch besser als die des Rivalen. Zudem stellt der Konzern alles selbst her. Bei der Softwareexpertise sind die Koreaner auf Partner wie Google angewiesen.

Punktestand : 3:2 für Apple

4. Anwälte

Die Rivalen bekriegen sich in 50 Patentverfahren in 10 Ländern. Topverteidiger sind zum strategischen Gut avanciert.

Apple: Apple hat eine wichtigen Patentprozess im heimischen Kalifornien klar gewonnen - Samsung soll nach dem Urteil des US-Gerichts in San Jose von Ende August rund eine Milliarde Dollar Schadenersatz an Apple zahlen. Doch Samsung wehrt sich gegen das Urteil, der Patentkrieg geht weiter. Apples Rechtsposition vertritt Harold McElhinny (Kanzlei Morrison & Foerster). Der Staranwalt hat sich einen Namen gemacht, als er in den 90er Jahren den japanischen Konzern Fujitsu gegen IBM in einer legendären US-Patentschlacht verteidigte. Seine Strategie: die Geschworenen mit möglichst einfachen Argumenten überzeugen.

Samsung: Auf Samsungs Seite steht Charles Verhoeven (Kanzlei Quinn Emanuel Urquhart & Sullivan). Verhoeven gilt als Junger Wilder und setzte darauf, mit möglichst vielen Detailangaben die Geschworenen zu beeindrucken. Eine Fehleinschätzung in der ersten Runde: Apple bekam zunächst recht. Doch Details könnten in den nächsten Runden entscheidend sein.

Punktestand : 4:3 für Apple

5. Topmanagement

Wie stark sind die Vorstände?

Apple: Tim Cook führt Apple nach dem Tod des Gründers Steve Jobs erfolgreicher, als manche Skeptiker erwartet hatten. Das Führungsgremium ist ein eingeschworenes Team.

Samsung: Oh Hyun Kwon wurde im Juni zum Chef berufen, davor leitete er das Chipgeschäft. Zur Seite stehen ihm weitere Veteranen wie Mobile-Chef JK Shin. Über Kwon regiert Patriarch Lee Kun Hee, Sohn Jae Yong wird zum Thronfolger aufgebaut. Die Fähigkeiten des Juniors als Manager sind unbekannt - ein Risikofaktor.

Punktestand : 5:3 für Apple

6. Design

Gelungene Optik zahlt sich aus.

Apple: Chefdesigner Jonathan Ive war Jobs' engster Vertrauter im Konzern, ist einer der mächtigsten Manager. Es gibt weltweit keinen Designer, der so viel Einfluss auf Konsumenten hat. Wichtiger noch: Intern gelten Designer mehr als Entwickler. Das sieht man jedem einzelnen Produkt an.

Samsung: Eigene Formsprache? Sucht man vergeblich, ebenso wie Designkoryphäen. Der Vorstand besteht aus Ingenieuren und Technokraten, die bestimmen, was an den Geräten wichtig ist. Samsung unterschätzt bis heute die Bedeutung von Design. Und das ist seine größte Schwäche.

Punktsieg: 6:3 für Apple

Fazit: Bei Samsung gibt es für weniger Geld mehr Technik. Doch Apple steht finanziell und intellektuell besser da.

Interview mit Steve Wozniak: Der Apple-Gründer macht den Praxistest

Steve Wozniak über iPhone 5 und Samsung Galaxy

mm: Sie sind oft mit einem Rucksack voller Handys unterwegs. Welches ist das beste?

Wozniak: Ich habe schon immer das iPhone ein wenig den anderen Geräten vorgezogen. Mit Logik ist das allerdings nicht zu erklären, denn Samsung-Smartphones sind genauso gut. Dass iPhone sieht einfach am schönsten aus. Und die Standard-Apps, die Apple auf den Geräten vorinstalliert, sind sehr gut und leicht zu bedienen.

mm: Ist Apple innovativer als Samsung?

Wozniak: Viele iPhone-Nutzer wären überrascht, wie viele sehr schöne Innovationen Samsung auf seinen Geräten verwirklicht. Apple wird immer als führend wahrgenommen, aber das iPhone 5 beherrscht nun als letztes Smartphone überhaupt die schnellere Übertragungstechnik LTE. Apples Innovationen sind im Look der Geräte zu finden. Und darin, dass sie einfacher zu bedienen sind.

mm: Sie haben neulich ausdrücklich Samsung für die hohe Fotoqualität seiner Handys gelobt. Hält das neue iPhone 5 nun mit?

Wozniak: Ich habe zunächst getestet, ob das Gerät tatsächlich einen lila Farbstich produziert, wenn man damit Fotos im Gegenlicht schießt. Etliche Nutzer hatten das moniert. Der Effekt tritt auf, aber ich finde ihn nicht so schlimm. Er macht das iPhone 5 jedenfalls nicht unbrauchbar.

mm: Hat Sie noch etwas gestört am neuesten Apple-Handy?

Wozniak: Die Spracherkennungssoftware Siri wurde nicht verbessert. Sie hat mich wie immer einfach nicht verstanden. Jetzt frage ich mich, wozu das Gerät überhaupt drei Mikrofone hat. Den neuen Kartendienst habe ich auf einer Reise durch Australien getestet und hatte selbst keine größeren Probleme damit. Die vielen Beschwerden darüber machen mich aber traurig. Zum Glück kann man auf dem iPhone auch externe Kartendienste benutzen.

Samsung: Das aggressivste Unternehmen der Welt


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