Mittwoch, 2. September 2015

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Daimler Falling Star

Falling Star: Was läuft bei Mercedes schief?
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Daimler

Unter Daimler-Chef Dieter Zetsche wächst der Rückstand auf BMW und Audi. Die Marke Mercedes verliert an Glanz, Großinvestoren werden unruhig. Was läuft schief in Stuttgart?

Es ist eine große Show, die Dieter Zetsche (59) dieser Tage bietet. Egal wo er auftritt, beschwört der Vorstandschef die wunderbare Zukunft der Daimler AG, jenes Stuttgarter Konzerns, der sich von jeher als die Krone des Automobilbaus sieht. "Das Beste oder nichts" - im Slogan der Marke Mercedes hat Zetsche diesen Anspruch manifestiert; und hört man ihm zu, dann wird eines schnell klar: Er sieht sich voll auf Kurs.

2012 werde Mercedes wahrscheinlich mehr Autos verkaufen als je zuvor, kündigt der Konzernlenker an. Die kurze Phase, in der die Wettbewerber die Nase vorn gehabt hätten, gehe zu Ende. Mercedes werde sich bis spätestens 2020 wieder deutlich nach vorn schieben.

Die C-Klasse, das Mittelklassemodell, komplett überarbeitet, sei ein Renner. Die neue B-Klasse bereits jetzt ein Erfolg. Die kompakte A-Klasse löse gar einen Ansturm auf die Autohäuser aus. Und jetzt kommen auch eine generalüberholte E- und eine neue S-Klasse, angetrieben von sparsameren Motoren. All die guten Nachrichten presste Zetsche im Interview der "Bild am Feiertag" in einen Satz: "Der Stern hat lange nicht so hell gestrahlt wie heute."

BMW und Audi überholen

Nur ganz nebenbei, bei einem Termin mit Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, ließ er fallen, dass Mercedes die für 2012 avisierten gut fünf Milliarden Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern kaum erreichen wird. Alles bestens also in Stuttgart? Ist die Konkurrenz schon jetzt dazu verdammt, die Schwaben bald wieder zu bewundern?

Die Welt der Rekorde, der monatlichen Absatzsteigerungen, die Zetsche um sich herum aufgebaut hat, sie täuscht fast wie die Ostberliner Kulissen, die SED-Chef Erich Honecker einst bei seinen Fahrten ins Politbüro bestaunen durfte.

Daimler Börsen-Chart zeigen verdient zwar besser als die meisten ausländischen Autohersteller, doch den eigentlichen Rivalen fährt Zetsche hinterher. BMW Börsen-Chart zeigen, in Stuttgart lange als zweitklassig wahrgenommen, verkauft heute fast ein Drittel mehr Autos, hat Mercedes bei der Gewinnmarge abgehängt und ist an der Börse fast so viel wert wie der gesamte Daimler-Konzern - also Mercedes Benz Cars plus Daimler Trucks, immerhin weltgrößter Lkw- und Bus-Produzent. Selbst Audi überholt die Marke mit dem Stern.

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