Montag, 27. April 2015

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Daimler Falling Star

Falling Star: Was läuft bei Mercedes schief?
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5. Teil: Ein selbstmörderischer Erfolg

Doch was passierte? Nichts. Der Chef delegierte das Thema, eine Gruppe Stuttgarter Strategen rechnete die Sache schön. Und die real existierende Kostendifferenz von 20 Prozent? Bleibt erhalten.

Daran änderte auch der als ewiger Hoffnungsträger gehandelte Spätheimkehrer Bernhard nichts. Die Produktivität fiel unter seiner Obhut schnell auf ein Niveau weit unterhalb dessen, was sein Vorgänger Rainer Schmückle erreicht hatte. Die Einkaufskosten brachte er noch nicht auf das gewünschte Level; im Management wundern sich viele, wie häufig er sich im Alltags-Klein-Klein verliert und die große Linie vernachlässigt. Auch dass er seinen Wohnort Wien behalten hat, schürt Misstrauen.

Bisweilen wirkt Bernhard bereits, als habe er seine Ambitionen auf den Vorstandsvorsitz aufgegeben. Als es darum ging, wer das milliardenschwere Effizienzprogramm "Fit for Leadership" steuern sollte, hielt er sich zurück. Er wolle "nicht den Schmückle machen", tat er in kleiner Runde kund. Sein Vorgänger hatte das ähnliche Programm "Core" mit brachialer Gewalt umgesetzt. Sieben Milliarden Euro Ergebnisplus registrierten die Controller anschließend.

Es blieb indes ein selbstmörderischer Erfolg. Schmückle, ohnehin alles andere als ein Diplomat, hatte sich als Obersanierer allzu viele Feinde gemacht, vor allem im Vorstand und unter den mächtigen Entwicklungsingenieuren. Zetsche drängte ihn aus dem Konzern.

Wer jetzt noch da ist, eckt nicht an

Bodo Uebber (53), Vorstand seit 2003, Finanzchef und für Daimler Börsen-Chart zeigen im Aufsichtsrat des Rüstungskonzerns EADS Börsen-Chart zeigen? Investoren attestieren ihm Mittelmäßigkeit und werfen ihm vor, er habe nicht einmal die Finanzkommunikation im Griff. Wenn Uebber die Dreimonatsergebnisse präsentiert, stürzt der Daimler-Kurs ab. Diese Formel galt lange als eine Art Börsengesetz. Geblieben ist ein profundes Misstrauen der Märkte.

Thomas Weber (58), im Konzernvorstand auch schon seit acht Jahren für Entwicklung zuständig? Operiert ohne Fortüne. Gemeinsam mit Zetsche verantwortet er den Mangel an guten neuen Modellen. Ihm wird die Innovationsschwäche angelastet, genauso der Öko-Rückstand auf BMW und die hohen Entwicklungskosten. Auch die aktuell auf drei Monate taxierte Verzögerung des Starts der S-Klasse buchen interne Kritiker auf sein Konto.

Truckchef Andreas Renschler (54) und Personalvorstand Wilfried Porth (53) ragen ebenfalls nicht heraus. Warum sollten sie auch? Selbst die Bonusregelung im Gehaltssystem verlangt der Konzernspitze wenig ab. Zetsche kassiert die volle langfristige Vergütung, sobald er den gemittelten Gewinn einer Gruppe von neun Konkurrenten im Dreijahresvergleich um mindestens 2 Prozentpunkte übertrifft. Das klingt anspruchsvoll.

Doch die Gruppe enthält zwar gewöhnlich schwächere Massenanbieter wie Fiat Börsen-Chart zeigen, Renault Börsen-Chart zeigen und PSA Börsen-Chart zeigen, aber weder Audi Börsen-Chart zeigen noch Porsche Börsen-Chart zeigen - und BMW Börsen-Chart zeigen als einziger Premiumkonkurrent fällt regelmäßig aus der Berechnung heraus. Denn der beste und der schlechteste Wert werden gestrichen.

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