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14.11.2012
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Geist trifft Geld
Weckruf für Machos

Von Gisela Maria Freisinger

Streitgespräch: Topmanagerin vs. Männerrechtler
Fotos
Dieter Mayr für manager magazin

Eine Frau steht ihren Mann. Ein Mann will weibliches Terrain erobern. Ein Streitgespräch zwischen Microsoft-Topmanagerin Angelika Gifford und dem Schriftsteller und Männerrechtler Ralf Bönt über künftige Rollenverteilung.

mm: Frau Gifford, Herr Bönt, wir erleben gerade, dass sich die gesellschaftlich definierten Rollen von Frau und Mann wieder einmal grundlegend verändern. Die alten Modelle liegen in Trümmern, aber die neuen sind noch nicht geformt. Wohin geht die Gender-Reise?

Bönt: Auf jeden Fall befinden wir uns in einer Zeit großer Chancen. Männer, die in der Öffentlichkeit stehen, verlassen aus familiären oder gesundheitlichen Gründen ihre Jobs. Der berühmte Radfahrer Fabian Cancellara etwa ist mitten in der Tour de France nach Hause gefahren, weil seine Frau ein Kind erwartete. Da gab es unter den Radsportfans eine Menge Spott: "Was für eine Memme!". Oder Ralf Rangnick, der öffentlich seinen Burn-out zugegeben und sich eine Auszeit genommen hat. Womit er seinen Marktwert erst einmal stark beschädigt haben dürfte. All das sind neue Entwicklungen ...

Gifford: ... und gute. Denken Sie auch an Frank-Walter Steinmeier oder an Franz Müntefering. Beide nahmen eine Auszeit von der Politik. Der eine, um seiner Frau eine Niere zu spenden, der andere, um seine krebskranke Frau zu pflegen. Ich kenne auch viele junge Männer, die flexible Arbeitszeiten fordern, um mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Das gesellschaftliche Bild des Mannes ändert sich, aber es geht mir immer noch viel zu langsam. Der Mann, der am Stammtisch von seiner Beförderung erzählt, der Gehaltserhöhung, der S-Klasse, die er nun fährt, wird immer noch beklatscht, während der Vater, der Erziehungsurlaub nimmt, eher belächelt wird.

mm: Die Herren Rangnick, Steinmeier, Müntefering konnten sich im Applaus der Öffentlichkeit baden. Das Bild des Mannes, das sich in der Metapher "Tough guys don't dance" widerspiegelt, hat sich offensichtlich überlebt.

Bönt: Es ist interessant, dass Frank-Walter Steinmeier in den Medien seither mit einem Respekt behandelt wird, den man jedem Menschen nur wünschen kann. Man geht ihn nicht mehr so hart und kompromisslos an, wie das mit Männern immer getan wird und woran wir uns gewöhnt haben.

Gifford: Es ist gut, dass Männer neue Rollenvorbilder schaffen.

Bönt: Es braucht aber eine Menge Härte gegen sich selbst, wenn ich mich dazu entscheide, mir eine Niere herausnehmen zu lassen oder der krassen Fußballwelt meine fragile Gesundheit zu zeigen.

Gifford: Für mich ist das eher Mut, dass sich jemand hinstellt und seine wahren Gründe nennt und nicht immer nur Vorwände präsentiert. Dieser Mut ist schon in ganz banalen Situationen gefordert. Etwa wenn Sie in einem Meeting sitzen und da sagt ein Kollege um 17 Uhr, er müsse zu einem Kundengespräch. In Wirklichkeit muss er seine Tochter vom Kindergarten abholen, alle wissen es, und trotzdem traut er sich nicht, das zu sagen.

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Zur Person

  • Copyright: Dieter Mayr für manager magazin
    Dieter Mayr für manager magazin
    Angelika Gifford (47) hat in der IT-Branche, einer Männerdomäne par excellence, ihren beruflichen Aufstieg gemeistert. Fünf Jahre lang war sie Mitglied der Geschäftsleitung von Microsoft Deutschland. Als ihr Sohn sechs Jahre alt wurde und vor der Einschulung stand, beschloss sie, den lange geplanten "Erziehungsurlaub" zu nehmen und mit der Familie um die Welt zu reisen. Nach dem einjährigen Sabbatical kam sie im Juli in ihre Firma zurück und ist nun als Senior Director zuständig für Europa, den Mittleren Osten und Afrika. Lange bevor sie 2009 "Managerin des Jahres" wurde, setzte sie sich für Vielfalt im Unternehmen ein. Als Mentorin coacht sie Nachwuchsmanagerinnen.

Zur Person

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    Dieter Mayr für manager magazin
    Ralf Bönt (49) absolvierte eine Schlosserlehre, ehe er Physik studierte und über Quarks promovierte. Trotz einer Forscherkarriere, die ihn unter anderem nach Brookhaven/New York und ans Genfer CERN brachte, entschloss er sich, Schriftsteller zu werden. Ausschlaggebend war auch die Sorge, die akademische Nomadenexistenz würde kein zufriedenstellendes Familienleben erlauben. Er prangert an, dass Männer sich nur über ihre Arbeitsleistungen definieren und ständig über die Grenzen des Zumutbaren hinausschießen, dabei ihren Körper ruinieren und ein emotional erfülltes Leben erst gar nicht entfalten. Bönt hat einen 16-jährigen Sohn aus erster Ehe und einen einjährigen mit seiner zweiten Frau.

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