Montag, 25. September 2017

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Geist trifft Geld Weckruf für Machos

Streitgespräch: Topmanagerin vs. Männerrechtler
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Dieter Mayr für manager magazin

6. Teil: "Die Ängste und das Konkurrenzgehabe sind omnipräsent"

mm: An welche Positionen denken Sie?

Bönt: Bei den Frauen ist die Familie, da ist emotionale Gesundheit, da ist körperliche Gesundheit, da sind die Kinder. Alles sehr attraktive Positionen ...

Gifford: Klingt wunderbar, ist aber nur die halbe Wahrheit. In der Frauenmannschaft sind auch die vielen Alleinerziehenden mit Hartz IV, die Altersarmut, die Doppelbelastung Beruf und Familie, die Geringschätzung der Familienarbeit, die strukturellen Hindernisse einer männlich geprägten Arbeitswelt, die gläserne Decke.

Bönt: Wenn Sie die gläserne Decke ins Spiel bringen, müssen wir auch über den gläsernen Keller reden, der mittlerweile ein Begriff geworden ist unter Andrologen. Wir sehen immer nur, dass Männer am oberen Ende der sozialen Skala überrepräsentiert sind. Es wird aber nie erwähnt, dass sie auch am unteren Ende überrepräsentiert sind. Die chronisch Kranken, die Wohnungslosen, die Drogensüchtigen, das sind alles Männer, die mit dem männlichen Rollenverständnis nicht klargekommen sind.

Gifford: Ich muss gestehen, dieser gläserne Keller ist mir neu, und ich möchte mehr darüber erfahren. Wenn ich rein intuitiv reagieren darf, erscheint es mir trotzdem zu kurz gegriffen, alle Probleme am unteren Ende der sozialen Skala auf die Bürde des männlichen Rollenverständnisses zu packen. Wir müssen uns als Gesellschaft endlich die Frage stellen, wie wir die Rollen zwischen Frau und Mann gerecht und zukunftsträchtig verteilen wollen, was uns wichtig ist, wie wir unsere Werte definieren und was uns weiterbringt. Ihr Bild vom Fußballfeld zeigt doch, dass wir uns in einer Einbahnstraße befinden; die muss aufgebrochen werden. Zum Beispiel über verbindliche Quoten, branchenspezifisch und zeitlich begrenzt. Das wäre ein neuer Weg zu mehr Fair Play auf dem Spielfeld.

Bönt: Ich war immer für eine Quote, weil wir uns offensichtlich so schwer daran gewöhnen, Frauen in mächtigen Positionen zu sehen. Aber je mehr ich darüber rede, desto klarer wird mir, dass die Quote ein patriarchales Instrument ist. Man schafft damit einen Schutzraum für Frauen. Wenn wir aber eine Quote einführen, dann auch in Kindergärten, in Mutter-Kind-Cafés oder in der Gesundheitsplanung.

mm: 96 Prozent der Toppositionen nehmen Männer ein. Haben wir also in Wahrheit einen Schutzraum für Männer?

Bönt: Einverstanden. Aber was Sie nicht sehen, ist, dass Sie den Männern etwas anbieten müssen oder dass Männer von sich aus, das wäre mir noch viel lieber, sagen, wir haben auch etwas zu erkämpfen, und das ist Punkt eins: Gesundheit. Wenn Sie sich die Statistiken angucken, dann sehen Sie, dass Männer total benachteiligt sind, sie sterben einfach früher. Warum? Weil ihr Rollenverständnis so veraltet ist. Sie werden ein Männerbild, das sich besser leben lässt für Frauen und für Männer, nur dann erreichen, wenn Sie Männern die Türen öffnen zu Bereichen, aus denen sie im Moment noch ausgeschlossen sind. Und das sind die familiären und gesundheitlichen Segmente.

mm: Ihre Argumentation klingt recht simpel, als müssten die Frauen den Männern nur endlich erlauben, sich an der Kindererziehung zu beteiligen und sie öfter zum Arzt schicken, dann stelle sich von selbst eine gerechtere Rollenverteilung ein.

Bönt: Nein. Der Mann darf nicht erwarten, dass die Frau die Befreiung aus seiner Rolle betreibt, das kann nicht funktionieren. Aber der Mann hat noch viel zu wenig daran geschnuppert, was außerhalb seiner Arbeitsleistung, außerhalb der Persönlichkeitsdefinition über den beruflichen Erfolg noch an Lebensqualität zu bekommen ist. Und Männer, die sich nicht mehr ausschließlich über Arbeit und Erfolg definieren, brauchen natürlich auch Frauen, die sie emotional in der Partnerschaft weiterhin mit genug Aufmerksamkeit versorgen, auch wenn sie nicht mehr auf der Trainerbank sitzen oder in jeder Pressekonferenz das wichtigste Interview geben. Das ist die Rückseite dessen, dass Männer Probleme haben, wenn die Frau mehr verdient, und auch ein großes Problem haben - das ist in der Kulturschickeria weit verbreitet -, wenn Frauen intelligenter und schlagfertiger sind als Männer. Diese Frauen finden keine Partner.

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