Samstag, 18. November 2017

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Geist trifft Geld Weckruf für Machos

Streitgespräch: Topmanagerin vs. Männerrechtler
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Dieter Mayr für manager magazin

5. Teil: "96 Prozent der Toppositionen nehmen Männer ein"

mm: Wollen Sie jetzt das eine durch das andere rechtfertigen und sagen, Frauen verdienen zwar weniger, aber dafür werden sie älter?

Bönt: Wir haben einen sehr einseitigen Diskurs über Männlichkeit und auch über männliche Körperlichkeit. In den Unterhaltungsmedien, vorneweg im Krimi, wird der Mann immer als der potenzielle Vergewaltiger dargestellt. Dieses Bild führt uns in die falsche Richtung und bringt fatale Situationen mit sich. Etwa dass Mütter die Polizei rufen, wenn ein Vater auf dem Spielplatz seiner Tochter die Strumpfhose zurechtrückt, oder dass Eltern drohen, ihre Kinder aus dem Kindergarten zu nehmen, falls ein männlicher Erzieher eingestellt wird.

Gifford: Verzerren Sie die Situation nicht gewaltig? In Wahrheit gibt es doch gar keine Erzieher, weil das ein klassischer Frauenberuf ist, total unterbezahlt und ohne jedes Sozialprestige. Der Mann in seiner klassischen Rolle als Familienernährer kann sich auch gar nicht "leisten", diesen Beruf zu ergreifen.

Bönt: Das ist das andere Problem. Dabei müssten Jungs wie auch Mädchen von klein auf die Männer als fürsorgliche Persönlichkeiten erleben. Wenn sie nie sehen, dass ein Mann ein heulendes Kind tröstet, werden sie das später selbst auch nicht machen, weil sie glauben, das sei nicht ihre Funktion.

Gifford: Wir haben im Bereich der Bildung ein Riesenproblem. In die Kitas und Grundschulen, wo mittlerweile auch überwiegend Frauen unterrichten, fließt das wenigste Geld. Erst ab dem Gymnasium steigt die Investitionskurve an, das muss sich schnellstens ändern.

Bönt: Bisher war das Problem, dass Mädchen und Jungs im Kindergarten und in der Grundschule von Frauen erzogen werden. Mit der fünften Klasse, wo Leistung verlangt und geprüft wird, traten dann Männer als Lehrer auf. So lernen Kinder Männer nur als leistungsorientierte Menschen kennen und entwickeln ein einseitiges Männerbild. Das kann nur durchbrochen werden, indem wir Männer auch in den versorgenden Berufen beschäftigen, etwa als Pfleger in Krankenhäusern oder als Helfer in Arztpraxen.

mm: Sie sprechen Empathie an und emotionale Intelligenz, die für ein erfolgreiches Berufsleben als unabdingbar gelten und als Qualitäten den Frauen zugeschrieben werden. Andererseits hat sich das ganze Feld der Kommunikation, in denen diese Fähigkeiten ausschlaggebend sind, als Domäne der Frauen entwickelt. Trotzdem sind auch hier in der Regel Männer die Chefs.

Bönt: Die ganze Diskussion über Rollenverteilung ist mir viel zu sehr an Karriereverläufe gekoppelt ...

mm: ... Karriereverläufe sind nun mal gesellschaftliche Oszillografen.

Bönt: Mir kommt es so vor, als ob im Moment zwei gleich starke Mannschaften Fußball gegeneinander spielen ohne Abseitsregel. Die Männer führen noch, stellen sich hinten vors Tor und verteidigen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Frauen auch treffen, aber alle sind von diesem Spiel sehr müde mittlerweile. Es wäre wichtig, dass die Männer auch mal in die andere Spielhälfte kommen und sich Positionen erobern, die dort angenehm sind.

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