Samstag, 22. Juli 2017

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Geist trifft Geld Weckruf für Machos

Streitgespräch: Topmanagerin vs. Männerrechtler
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Dieter Mayr für manager magazin

4. Teil: "Es herrscht eine absurde Rechtfertigungskultur"

mm: Auch im Beruf wird bekanntermaßen von den Frauen verlangt, besser zu sein als die Männer, erst recht wenn sie Karriere machen wollen. Es herrscht eine absurde Rechtfertigungskultur.

Bönt: Sie sind doch auf vielen Ebenen schon besser, weil sie sich mehr anstrengen. Die Männer hingegen lehnen sich zurück und glauben, wir sind Männer, das läuft schon. Erst wenn es entscheidend wird für die Beförderung, sind sie voll da. Was vermutlich ein Grund dafür ist, dass sich in den ganz hohen Positionen die Frauen nicht durchsetzen, weil Männer, wenn es darauf ankommt, einen Leistungspeak hinlegen.

Gifford: Was Sie "Leistungspeak" nennen, ist in Wahrheit oft der Gipfel der Inszenierung, sich im entscheidenden Moment in den Vordergrund zu spielen. Ansonsten überlassen die Männer den Frauen gern die Fleißarbeit.

Bönt: Das fängt schon sehr früh an. Bei Lesungen in Schulen wird mir berichtet, dass es unter Jungs äußerst uncool ist, in der Schule gut zu sein. Weil die Mädchen die guten Noten schreiben, gilt Büffeln als weiblich und wird abgelehnt.

mm: Die Hochschulabgänger in der EU sind heute zu 60 Prozent Frauen, die in der Regel einen besseren Abschluss vorweisen. Trotzdem sind in Deutschland nur etwa 4 Prozent aller Top-Führungspositionen mit Frauen besetzt. Wir hören immer wieder, dass im deutschen Wohnzimmer die Hölle los ist, sollte sich die Frau erlauben, den Mann beruflich zu überholen. Frauen einen Posten im Ausland anzubieten scheint unmöglich, weil die Männer nicht bereit sind, hinterherzuziehen. Mit Auslandserfahrung aber empfiehlt man sich für höhere Aufgaben. Haben wir hier noch ein Tabu auszuleuchten?

Gifford: Auf jeden Fall. Da komme ich wieder auf die tradierten Muster in Deutschland, deren Fallen wir bisher einfach nicht entkommen sind. Vorneweg die berufstätige Mutter, die vom Rabenmutter-Image erschlagen wird ...

mm: ... sitzen wir hier nicht einem riesigen Bluff auf? Wir haben in Deutschland weder Führungsfrauen noch Kinder. Unsere Geburtenrate gehört zu den niedrigsten der Welt.

Gifford: Diese Kulturdogmen müssen aufgebrochen werden. Dass das nicht konfliktfrei passieren kann, sehen wir an den Diskussionen zu wichtigen Fragen wie der einer Quote für Aufsichtsräte oder Vorstände; dass Frauen besser sein müssen als Männer, dass wir obendrein einen sogenannten Pay Gap haben und Frauen im Durchschnitt 23 Prozent weniger verdienen ...

Bönt: Für gleiche Arbeit liegt der Pay Gap bei 8 Prozent. Der Gap in der Lebenserwartung liegt hingegen ein bisschen höher als 8 Prozent.

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