Sonntag, 28. Mai 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Geist trifft Geld Weckruf für Machos

Streitgespräch: Topmanagerin vs. Männerrechtler
Fotos
Dieter Mayr für manager magazin

3. Teil: "Wir haben einen sehr einseitigen Diskurs über Männlichkeit"

mm: Machen Frauen wie Angelika Gifford, die dem Mann die Ernährerrolle abnehmen, ihm Angst?

Bönt: Leider ja. Als ich meine Wissenschaftlerkarriere aufgegeben habe, um Schriftsteller zu werden, hatte ich tatsächlich das Angebot einer Lebensgefährtin, mir die ersten Jahre zu finanzieren. Ich habe es nicht angenommen. Ich war einfach noch nicht so weit.

Gifford: Ich bin mit einem Amerikaner verheiratet, und in den USA wird wesentlich mehr Wert gelegt auf eine gleichwertige Partnerschaft. Angefangen vom Haushalt über die Kindererziehung bis zur Karriere ist es ein Miteinander auf Augenhöhe. Mein Mann ist in den letzten drei Jahren beruflich kürzergetreten, weil er unseren Sohn mehr erleben möchte. In meinem deutschen Bekannten- und Freundeskreis stehe ich mit diesem Modell allein da. Da gilt das tradierte Muster, der Mann muss tough sein, Karriere machen, Ernährer sein. Wir teilen uns diese Rolle.

Bönt: Er muss der Patriarch sein, der alle beschützt.

Gifford: Mein Mann wird häufig gefragt, wie er das "verkraftet", dass ich karrieremäßig den "Durchmarsch" vorexerziere, jetzt auch noch mit einem Aufsichtsratsmandat bei der Tui Börsen-Chart zeigen. Ich mache aber kein Hehl daraus und erzähle das auch immer den jungen Frauen, die ich coache: Es gibt Abende, da komme ich nach Hause und frage mich: "Warum tue ich mir das an?" Wer behauptet, es sei einfach, sich als Frau in einer Top-Führungsposition zu behaupten, ohne vom schlechten Gewissen, eine Rabenmutter zu sein, geplagt zu werden, gaukelt etwas vor. Ich habe diese Momente, überwinde sie aber, weil ich sehe, dass meine Familie glücklich ist und meine Arbeit mir Spaß macht.

mm: Wie sieht das im Alltag aus?

Gifford: Organisation, sagt man, sei alles, aber man braucht auch starke Nerven und ein Vertrauen, dass das Kind gut versorgt ist. Wir haben uns die ersten vier Jahre die Betreuung geteilt und es bei allem damit verbundenen Stress auch ganz gut auf die Reihe bekommen. Bis dann mein Mann gesagt hat, "Ich ziehe mich ein Stück weit aus dem Arbeitsleben zurück, und du hast freie Fahrt." Das ist derzeit unser Modell. Jedes Paar muss selbst herausfinden, wie es am besten läuft. Es wird keine Gesellschaft geben können, die Modell A, B oder C anbietet und sagt, such dir eins aus.

mm: Sie verkraften es also, dass Ihr Mann die Heldenrolle aufgegeben hat? Es gilt doch nach wie vor, auch wenn es selten eine zugeben würde: "Der Erfolg des Mannes ist das beste Parfüm der Frau." Der Traummann soll die Kinder ins Bett bringen, aber bitte sehr auch ein ganzer Kerl sein. Wissen die Frauen eigentlich, was sie wollen?

Gifford: Das muss jede Frau für sich selbst entscheiden.

Bönt: Es ist wichtig, keine fixen Rollenbilder mehr vor Augen zu haben. Wenn ein Paar die Rollen klassisch aufteilen will, und der Mann sagt, ich bin gern da draußen zwölf Stunden am Tag, dann soll das auch nicht verurteilt werden. Wir haben heute die Situation, dass viele Frauen von allen Seiten kritisiert werden, weil sie eigentlich alles machen und in allen Belangen gut sein sollen. Als ob es keine Partnerschaft gäbe, in der man sich die Aufgaben teilt.

Nachrichtenticker

© manager magazin 10/2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH