Freitag, 22. September 2017

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Geist trifft Geld Weckruf für Machos

Streitgespräch: Topmanagerin vs. Männerrechtler
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Dieter Mayr für manager magazin

2. Teil: "Es ist wichtig, keine fixen Rollenbilder mehr vor Augen zu haben"

mm: Frau Gifford steht als Topmanagerin von Microsoft Börsen-Chart zeigen sozusagen ihren Mann im Berufsleben. Sie, Herr Bönt, verweigern lautstark, die klassische Rolle zu bedienen. Was ist falsch daran?

Bönt: Falsch ist auf jeden Fall die viel zu geringe familiäre Integration des Mannes. Wir können gern über Frauenbeteiligungen in Dax-Vorständen diskutieren und darüber, dass wir zu einem weiteren Ausgleich kommen müssen. Aber das kann nicht alles sein. Die Kehrseite der Medaille ist doch, dass Männer die weiblichen sozialen Funktionen für sich erobern müssen.

mm: An was außer der Kindererziehung denken Sie da?

Bönt: Vor allen Dingen an den Respekt vor der eigenen Gesundheit. Wir wissen, dass Männer kürzer leben und dass es dafür so gut wie keine genetischen oder körperlichen Gründe gibt, sondern nur Gründe in der Lebensführung. Seit Marc Luy die Klosterstudie vorgestellt hat, ist bekannt, dass in Sozialsystemen, in denen Frauen und Männer quasi gleich leben, die Lebenserwartung nur ein Jahr auseinanderliegt.

mm: Die Lebenserwartung hängt auch am sozialen Status. Männer in Führungspositionen etwa gelten als besonders glücklich, gesund und leben demzufolge auch länger. Sie werden im Durchschnitt 83,4 Jahre alt und leben damit ein knappes Jahr länger als der Durchschnitt der Frauen und über sechs Jahre länger als der der Männer.

Bönt: Neu ist nun, dass es Männer gibt, die ihre Grenzen respektieren und sagen, bis hierhin und nicht weiter kann ich für meine Fußballmannschaft oder meine Firma eintreten.

mm: Sie behaupten in Ihrem viel diskutierten Buch "Das entehrte Geschlecht", der Mann stecke von Tag eins seines Lebens an in einer Uniform, die Sie nun zerfetzen wollen. Warum fühlen Sie sich so eingeengt, ist der Mann jetzt, und Sie allen voran, in der Trotzphase angekommen?

Bönt: Nein. Die Trotzphase hat es jahrzehntelang gegeben, sie muss dringend aufhören. Der Mann hat unter dem Feminismus versucht, sich zu ducken und zu sagen, er helfe den Frauen, was oft geheuchelt war. Er hat sich nicht weiterentwickelt in die Bereiche hinein, die den Männern in der klassischen Aufteilung verwehrt sind.

Gifford: Verwehrt - wovon reden Sie?

Bönt: Von der emotionalen Geborgenheit in der Familie zum Beispiel. Es ist ein völlig unterbeleuchteter Aspekt in Partnerschaften, dass der Mann sich, sobald ein Baby in die Beziehung kommt, zurückgesetzt fühlt.

Gifford: Es ist auch eine Tatsache, dass viele Männer, sobald ein Baby da ist, abends viel länger im Büro bleiben.

Bönt: Das hängt auch mit der Ernährerrolle für die Familie zusammen.

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