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04.12.2012
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Touristikkonzern
Ein Angriffskrieger übernimmt die Tui-Führung

Von Michael Machatschke

Zerrissene Ferienwelt: Der Machtkampf bei Tui
Fotos
[M] Tui ; Corbis

Fritz Joussen, der im Februar Michael Frenzel als Tui-Chef ablöst, muss die zwischen London, Hannover, Moskau und Oslo zerrissene Ferienwelt in den Griff bekommen. Der ehemalige Vodafone-Topmanager kündigt harte Zeiten für die oft verschlafenen Manager des Touristikkonzerns an.

Drei junge Chinesinnen kommen fröhlich plaudernd von der Mittagspause, ein paar hemdsärmelige Burschen stärken sich an der Kaffeebar, ein knallroter Handyshop gleich daneben schreit seine Angebote förmlich heraus - es geht munter zu im Foyer des Mobilfunkkonzerns Vodafone in Düsseldorf. Im geplanten Neubau werde Vodafone einen ganzen Campus Quirligkeit aufbieten, sagt der ehemalige Hausherr, Friedrich Joussen. Schade nur, dass Bauherr Joussen das nicht mehr erleben wird.

Denn der Arbeitsplatz des ehemaligen Vodafone-Topmanagers liegt seit Oktober in Hannover, an einer menschenleeren Büromeile. Der Pförtner merkt bei jedem der seltenen Besucher auf. Wie ausgestorben liegt die Empfangshalle da. Den einzigen Farbklecks bildet ein frei stehendes Tui-Logo. Ein Mahnmal wider Willen - so trist kann Touristik sein.

Es ist eine Kollision der Kulturen, wenn Friedrich Joussen (49) auf Tui Chart zeigen trifft.

Da kommt dieser fast zwei Meter große, schlaksige Joussen, ein Mann mit energischem Kinn, breitestem Lächeln und kleinen, listigen Augen. Kennt aus seiner Karriere vor allem Aufbruch, Dynamik und Milliardengewinne. Und soll ab Mitte Februar, wenn der ewige Tui-Chef Michael Frenzel seinen Abschied genommen hat, ein Unternehmen führen, das außer einer immer noch schönen Marke wenig zu bieten hat - kein Geld, keine Vision, kein Selbstvertrauen.

Das Aufeinandertreffen zwischen Tui und Joussen begann Mitte Oktober, dann fing Joussen als Vorstand an. Am 13. Februar, nach der Tui-Hauptversammlung, soll er den Vorsitz übernehmen. Vermutlich steht bereits dann fest, ob seine Bestellung zum Tui-Lenker nichts als ein bedauerliches Missverständnis war. Oder - was wahrscheinlicher ist - dass Tui genau so einen gebraucht hat.

"Ich bin kein Konsolidierer"

Bei Vodafone Chart zeigen hätten sie ihn - trotz gelegentlicher Auseinandersetzungen mit Konzernchef Vittorio Colao (50) - gern behalten. Zu Jahresbeginn hat er die Marktführerschaft im Mobilfunk vom Erzrivalen Telekom zurückerobert. Doch seine Karriere schien ausgereizt.

Der Gedanke an Jahre der Routine quälte ihn schon länger. Headhunter wussten von seinen Nöten, er tauchte diverse Male als Kandidat für Topämter auf, so für den Düsseldorfer Nachbarn Henkel Chart zeigen. "Ich bin kein Konsolidierer", umreißt Joussen seinen Arbeitsstil, "sondern ein Angriffskrieger."

Gemächlichkeit erträgt er nicht. Schon sein Vorname "Friedrich" ist ihm zu langwierig. Lieber hört er auf den zackigen "Fritz", inzwischen unterschreibt er auch so. Ferien im Liegestuhl wären ihm ein Graus; er bevorzugt das Surfbrett oder mischt beim Beachvolleyball mit. Was zur geselligen Seite Joussens überleitet, einer wesentlichen Eigenheit.

Mag er äußerlich wie ein gescheitelter Primus daherkommen - Dünkel geht ihm völlig ab. "Ich kenne keinen Manager, der so nahbar ist wie Fritz Joussen", schwärmt ein Berater, der ihn schon lange beobachtet. Joussen duzt seine Topleute, mischt sich ohne Scheu unter die Mitarbeiter; spricht, wie man in seinem Heimatort Duisburg so spricht, mit einigem "wat" und "dat".

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