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09.11.2012
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Roberto Colombo
Der Luxusweber

Von Klaus Ahrens

Feinste Stoffe: Der Luxusweber Roberto Colombo
Fotos
Guido Clerici für manager magazin

Der Edelweber Roberto Colombo produziert die feinsten Stoffe der Welt. Seine Kaschmirpreziosen gehen an Prada und Hermès, Gucci und Armani, Karl Lagerfeld und Hugo Boss. Ein Ortstermin im Piemont.

Borgosesia - Beiläufig, fast zögerlich, betritt der schlanke, dunkelhaarige Unternehmer den Raum: Roberto Colombo (53) trägt sanfte Züge, melancholischen Blick und am Handgelenk eine stählerne Rolex. Zusammen mit seinem Bruder Giancarlo führt er die vom Vater Luigi begründete Edelweberei Lanificio Luigi Colombo. Und er treibt sie in immer lichtere Höhen.

Es ist nicht gerade das Dolce-Vita-Italien, das sich am Firmensitz in Borgosesia an die piemontesischen Alpen schmiegt. Eine Industriegegend, die geprägt ist von mausgrauen Zweckbauten - Möbel, Metallwaren, Textilien.

Spezialisiert auf edelste Stoffe aus feinsten Fasern, verarbeiten die Colombos hier die Wollen von Kaschmirziege und Yangir, von sibirischem Steinbock, Guanaco, Kamel und Vicuña, teils gemischt mit Chinchilla, Hermelin und Nerz, woraus sie die wohl teuersten Tuche der Welt produzieren. Das ist das Kerngeschäft der Weber, und sie beherrschen es nahezu konkurrenzlos. Zu ihren Kunden zählen die wichtigsten Adressen der internationalen Modewelt, Prada und Hermès, Gucci und Armani, Karl Lagerfeld und Hugo Boss.

Besonders den einstigen Boss-Vormännern Jochen und Uwe Holy sowie ihrem Statthalter Werner Baldessarini fühlt sich Colombo bis heute verbunden. "Wer weiß, wo wir stünden, wenn die nicht gewesen wären", erzählt er freimütig. "Gemeinsam haben wir sehr leichte Kaschmirprodukte verwirklicht. Die Deutschen haben an uns geglaubt." 25 Jahre währt die Verbindung inzwischen.

Eigene Läden an mediterranen Luxusstandorten

Den Zweifeln der frühen Jahre sind die Piemonteser entwachsen. 70 Millionen Euro Umsatz haben sie vergangenes Jahr gemacht, ein Plus von 15 Prozent gegenüber 2010, rund 340 Mitarbeiter, die rund 500.000 Tonnen Rohwolle im Jahr verarbeiteten. Und inzwischen tritt Colombo nicht nur als Weber an, man verarbeitet die Materialien auch in einer eigenen Manufaktur im nahen Ghemme.

Die kostbaren Produkte werden in eigenen Läden an mediterranen Luxusstandorten angeboten: Cannes, St. Tropez, Porto Cervo, Mailand. Inzwischen auch in Korea: Seoul, Daegu, Busan. Denn in der Luxusklasse der Textilindustrie bewegen sich Firmen wie Colombo, Loro Piana, Brunello Cucinelli oder Ermenegildo Zegna zwar in dünner Luft, aber unangefochten. Auch in Fernost.

Gerade China werde als Markt immer wichtiger, sagt Roberto Colombo. Dort würden "die teuersten Stoffe der Welt" gekauft. Doch bislang schafften es chinesische Anbieter nicht, etwa bei Kaschmir auch nur annähernd die Qualität italienischer Tuche zu erreichen. Der Grund dafür sei - das Wasser. Für die Herstellung eines Meters Kaschmir, erläutert Colombo, benötige man drei Liter sauberes Wasser, wie es aus den Alpen komme, nicht die Brühe aus Chinas Flüssen.

Am Anfang steht bei Colombo die Wertschätzung des Rohstoffes. In einem separaten Lagerraum, der Fibrothek, sind Proben verschiedener Materialien, nach Faserstärke und Farbton geordnet, in Wandregalen mit Hunderten von Plastikdosen untergebracht, behütet von zwei Angestellten, die jede Faser und ihre Eigenschaften akribisch registrieren. Darunter finden sich wahre Schätze, die teuerste Wolle überhaupt: der weiße Flaum des Vicuña-Albinos - der auf Versteigerungen um 2000 Dollar das Kilo gehandelt wird. Zum Vergleich: Der Kaschmirpreis liegt bei 160 Dollar.

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Roberto Colombo

  • Der Mann
    Nach einem abgebrochenen Wirtschaftsstudium trat Roberto Colombo Mitte der 70er Jahre in die väterliche Weberei ein. Zusammen mit seinem Bruder Giancarlo, der für den Rohstoffnachschub um die Welt reist, führte er das Unternehmen an die Weltspitze.
  • Das Unternehmen
    Die Lanificio Luigi Colombo, benannt nach dem Gründer, erwirtschaftet mit edlen Tuchen und Luxuskleidern, verkauft in neun eigenen Shops, rund 70 Millionen Euro Umsatz.

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