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13.11.2012
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Kapitalismus in der Krise
"Wir sind Teil einer neuen Ökonomie"

Von Christoph Neßhöver

Management: Neue Aufklärung
Fotos
Michael Dannenmann

Seit fünf Jahren steckt der Kapitalismus in der Sinnkrise. Nun ziehen Manager und Verbraucher ihre Lehren. Einige Unternehmen erkennen in den tief greifenden Veränderungen neue Chancen.

Hamburg - Kaum war Klaus Engel (56) Anfang 2009 zum Vorstandschef von Evonik aufgerückt, ahnte er, dass seine Welt eine ganz andere werden würde. Knapp vier Monate zuvor war die US-Bank Lehman Brothers ins Grab gefahren. Nun standen Engels Kunden fast Schlange vor seinem neuen Büro in der Zentrale des Spezialchemiekonzerns in Essen. Sie sagten: Entweder wir brechen unsere Verträge mit Evonik, oder wir sind so tot wie Lehman, Herr Dr. Engel.

Nie zuvor war das Geschäft von Evonik so brutal eingebrochen wie in jenen Monaten, als die schwerste Wirtschaftskrise seit den 30er Jahren die Welt packte. Allerorten kollabierten Lieferketten, platzten Finanzierungen, verschwanden Jobs. "Man kam sich zeitweise vor wie ,Major Tom'", sagt Engel, "völlig losgelöst."

Der US-Immobilienkrise folgte die Bankenkrise, dann die Wirtschaftskrise, nun die Euro-Staatsschuldenkrise. Zwei Jahrzehnte nach dem Triumph über den Sozialismus zermürbt die Dauerkrise die Fundamente des freiheitlichen Gesellschaftsmodells.

Vertrauen ist verspielt: Vertrauen in den Markt, Vertrauen in Institutionen, Vertrauen ineinander - das Vertrauen in die Zukunft droht sich aufzulösen.

Aus den Trümmern sprießen erste Triebe einer neuen Ökonomie

Denker vermessen die Ausmaße des weltanschaulichen Trümmerfeldes. Ökonomen fahnden nach einer Wirtschaft ohne Wachstum. Soziologen befördern die Finanzmärkte zum neuen Souverän. Politologen weissagen der überforderten parlamentarischen Demokratie den Tod.

Und während der nächste globale Wirtschaftsabschwung an Fahrt gewinnt, sprießen aus den Trümmern der großen Krise erste Triebe einer neuen Ökonomie. Die Dauerkrise wird zur Normalität, Manager und Verbraucher passen Überzeugungen und Handeln an die neue Realität an. Sie warten nicht mehr ab, dass sich die Umstände ändern, sie fangen bei sich selbst an.

Umrisse einer gewandelten Marktwirtschaft zeichnen sich ab, die alte Tugenden mit neuen Lehren vereint. In einer Ära der Volatilität streben Bürger und Unternehmer nach Stabilität, nach Genügsamkeit statt Statussymbolen, nach Werthaltigem statt nach Wegwerframsch. Und sie misstrauen dem Anonymen und vertrauen dem Persönlichen.

"Wir sind auf dem Weg zu einer neuen Ökonomie", sagt Matthias Schmidt, Geschäftsführer des Instituts für wertorientierte Unternehmensführung in Berlin. Eine neue, aufgeklärte Wirtschaftsethik bilde sich heraus. Geldverdienen und Geldausgeben seien in Ordnung, aber bitte maßvoll und moralisch korrekt. Diese Transformation hat Folgen für Manager und ihre Unternehmen. Märkte wandeln sich, neue tun sich auf.

Indizien finden sich landauf, landab - bei Konzernlenkern wie Evonik-Chef Engel in Essen, bei Firmengründern wie Michael Minis in Aachen, bei Familienunternehmern wie Miele-Mitinhaber Reinhard Zinkann in Gütersloh.

Drei Werte treiben die Umdenker an: mehr Schlichtheit, mehr Stabilität und mehr Vertrauen. Die Sorge um das Gedeihen des eigenen Geschäfts paart sich dabei mit der um das Wohl des ganzen kriselnden Wirtschaftssystems.

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