Freitag, 22. Mai 2015

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Anno August Jagdfeld Alles nur Fassade

Jagdfelds Stolperfallen: Heiligendamm, Adlon und Co.
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dapd

Grandhotel Heiligendamm, Hotel Adlon, Quartier 206: Erst verloren seine Anleger viel Geld. Jetzt büßt auch der Immobilienkrösus Anno August Jagdfeld für seinen Größenwahn.

Hamburg - Die Sache erforderte höchsten Einsatz. Anno August Jagdfeld musste zwingende Argumente liefern, Zweifel ausräumen, mitreißende Worte finden. Erst nach zehnstündiger Bearbeitung knickten seine Widersacher ein. Mehrere Hundert revoltierende Anleger ließen davon ab, Jagdfeld als Chef des Fundus-Fonds Nr. 31 abzusetzen - jenes Vehikels, das das Berliner Nobelhotel "Adlon" finanzierte. Mr. Big ("Bild") hatte in brenzliger Lage einmal mehr seine Klasse unter Beweis gestellt.

Rund ein Jahr später ruht der Mann, der mit seiner Fundus-Gruppe zum wohl prominentesten (und umstrittensten) deutschen Immobilienkrösus aufgestiegen ist, mit ausdrucksloser Miene in einem tiefen Fauteuil im siebten Stock des Berliner Prachtbaus Quartier 206.

Erneut tobt das Chaos um ihn herum. Doch diesmal hat der 65-Jährige kaum mehr etwas entgegenzusetzen. Er wirkt, als hätten ihm die Fehlschläge und Querelen der vergangenen Jahre die Luft genommen. Der früher gern bemühte Lehrsatz, wonach "Optimismus die einzige sinnvolle Lebensart" sei, kommt nicht mehr über seine Lippen.

Jagdfeld, für den Bauvorhaben nicht spektakulär, luxuriös und gewagt genug sein konnten, ist in einer ganz und gar nicht himmelstürmenden Realität angekommen. Fast alle größeren Projekte, die er zuletzt angepackt hat, sind ihm entglitten. Anfang 2012 schlitterte das seit dem G-8-Gipfel 2007 weltberühmte Fundus-Hotel "Heiligendamm" in die Pleite, und das Berliner "Adlon" schüttet schon seit Jahren nichts oder nur minimale Beträge an die Anleger aus.

Quartier-Anleger beantragten Zwangsversteigerung

Besonders augenfällig wird die Misere im Quartier 206, wo Jagdfeld seine Besucher im ehemaligen Büro von Ehefrau Anne Maria (57) empfängt - zwischen afrikanischen Holzskulpturen und Wänden, die mit Schwarz-Weiß-Werken renommierter Fotografen zugehängt sind.

Der Weg vom Eingang an der Friedrichstraße hier herauf führt durch eine pompöse Marmorhalle und lange Ladenzeilen. Es ist ruhig, selbst zur besten Einkaufszeit. Nur wenige Flanierer sind unterwegs, im Café mit mehreren Dutzend Stühlen verspeisen gerade mal zwei Gäste ihre Nudeln.

Mieter mit bekannten Namen wie der Couturier Gucci sind ausgezogen oder werden wie Louis Vuitton demnächst das Weite suchen. Ein Fünftel des Gebäudes steht leer. Etliche der übrigen Räume sind an Jagdfeld-Firmen vermietet.

Nun wollen Heuschrecken das Haus an sich reißen, das zu den wichtigsten Stücken des Vermögens der Jagdfeld-Gruppe zählt. Die Gläubiger haben die Zwangsversteigerung beantragt, weil seit mehr als zwei Jahren das 145-Millionen-Euro-Darlehen nicht mehr bedient wird, mit dem die Jagdfeld-Sippe die Errichtung der Immobilie zum Gutteil bestritten hatte.

Den Niedergang hat Jagdfeld vor allem mit seinen privaten Projekten herbeigeführt. Mit Vorhaben also, die, wie das Quartier 206, nicht mit dem Kapital von Fundus-Anlegern finanziert wurden, sondern mit Krediten, die sich Jagdfeld-Gesellschaften liehen.

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