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26.11.2012
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Anno August Jagdfeld
Alles nur Fassade

Von Ursula Schwarzer und Thomas Werres

Jagdfelds Stolperfallen: Heiligendamm, Adlon und Co.
Fotos
dapd

Grandhotel Heiligendamm, Hotel Adlon, Quartier 206: Erst verloren seine Anleger viel Geld. Jetzt büßt auch der Immobilienkrösus Anno August Jagdfeld für seinen Größenwahn.

Hamburg - Die Sache erforderte höchsten Einsatz. Anno August Jagdfeld musste zwingende Argumente liefern, Zweifel ausräumen, mitreißende Worte finden. Erst nach zehnstündiger Bearbeitung knickten seine Widersacher ein. Mehrere Hundert revoltierende Anleger ließen davon ab, Jagdfeld als Chef des Fundus-Fonds Nr. 31 abzusetzen - jenes Vehikels, das das Berliner Nobelhotel "Adlon" finanzierte. Mr. Big ("Bild") hatte in brenzliger Lage einmal mehr seine Klasse unter Beweis gestellt.

Rund ein Jahr später ruht der Mann, der mit seiner Fundus-Gruppe zum wohl prominentesten (und umstrittensten) deutschen Immobilienkrösus aufgestiegen ist, mit ausdrucksloser Miene in einem tiefen Fauteuil im siebten Stock des Berliner Prachtbaus Quartier 206.

Erneut tobt das Chaos um ihn herum. Doch diesmal hat der 65-Jährige kaum mehr etwas entgegenzusetzen. Er wirkt, als hätten ihm die Fehlschläge und Querelen der vergangenen Jahre die Luft genommen. Der früher gern bemühte Lehrsatz, wonach "Optimismus die einzige sinnvolle Lebensart" sei, kommt nicht mehr über seine Lippen.

Jagdfeld, für den Bauvorhaben nicht spektakulär, luxuriös und gewagt genug sein konnten, ist in einer ganz und gar nicht himmelstürmenden Realität angekommen. Fast alle größeren Projekte, die er zuletzt angepackt hat, sind ihm entglitten. Anfang 2012 schlitterte das seit dem G-8-Gipfel 2007 weltberühmte Fundus-Hotel "Heiligendamm" in die Pleite, und das Berliner "Adlon" schüttet schon seit Jahren nichts oder nur minimale Beträge an die Anleger aus.

Quartier-Anleger beantragten Zwangsversteigerung

Besonders augenfällig wird die Misere im Quartier 206, wo Jagdfeld seine Besucher im ehemaligen Büro von Ehefrau Anne Maria (57) empfängt - zwischen afrikanischen Holzskulpturen und Wänden, die mit Schwarz-Weiß-Werken renommierter Fotografen zugehängt sind.

Der Weg vom Eingang an der Friedrichstraße hier herauf führt durch eine pompöse Marmorhalle und lange Ladenzeilen. Es ist ruhig, selbst zur besten Einkaufszeit. Nur wenige Flanierer sind unterwegs, im Café mit mehreren Dutzend Stühlen verspeisen gerade mal zwei Gäste ihre Nudeln.

Mieter mit bekannten Namen wie der Couturier Gucci sind ausgezogen oder werden wie Louis Vuitton demnächst das Weite suchen. Ein Fünftel des Gebäudes steht leer. Etliche der übrigen Räume sind an Jagdfeld-Firmen vermietet.

Nun wollen Heuschrecken das Haus an sich reißen, das zu den wichtigsten Stücken des Vermögens der Jagdfeld-Gruppe zählt. Die Gläubiger haben die Zwangsversteigerung beantragt, weil seit mehr als zwei Jahren das 145-Millionen-Euro-Darlehen nicht mehr bedient wird, mit dem die Jagdfeld-Sippe die Errichtung der Immobilie zum Gutteil bestritten hatte.

Den Niedergang hat Jagdfeld vor allem mit seinen privaten Projekten herbeigeführt. Mit Vorhaben also, die, wie das Quartier 206, nicht mit dem Kapital von Fundus-Anlegern finanziert wurden, sondern mit Krediten, die sich Jagdfeld-Gesellschaften liehen.

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Die Familie Jagdfeld

  • Seine Gattin
    ANNE MARIA JAGDFELD ist die Grande Dame der Jagdfeld-Gruppe. Sie führt ihre eigenen Unternehmen und spornte ihren Mann in der Vergangenheit zu immer größeren Projekten an. Ihre Firmen haben unter anderem das "Seehotel Überfahrt" und das renommierte "St. James’s" in London ausge stattet sowie die Fundus-Objekte "Heiligendamm", "Zingst-Darß" und "Adlon". Die gelernte Bauzeichnerin leitet zudem den Departmentstore im Berliner Quartier 206, außerdem gehört ihr die Privatklinik in dem Geschäftsgebäude an der Friedrichstraße.

    ANNO AUGUST JAGDFELD und seine stets perfekt gestylte Ehefrau stammen aus der kleinen Gemeinde Jülich bei Köln. Den Aufstieg in die High Society scheinen beide sehr zu genießen. Die luxusverliebte Gattin hat nicht unerheblichen Einfluss auf die geschäftlichen Entscheidungen ihres Mannes. "Ohne sie", bekannte er einmal, "hätte ich weder das ,Adlon‘ noch ,Heiligendamm‘ gekauft."
  • Die Kinder
    Das Ehepaar Jagdfeld hat fünf Kinder – allesamt Söhne, allesamt Linkshänder. Der Jüngste von ihnen ist erst 13 Jahre alt und trägt den ungewöhnlichen Namen Hannibal (Gnade Gottes). Die vier älteren Brüder Benedikt, Nikolaus, Julius und Maximilian haben die Schulzeit in Internaten verbracht und in Großbritannien Immobilienökonomie studiert. Sie haben alle einen Abschluss als Master. Zum Leidwesen des Vaters ist keiner in seine Fußstapfen getreten – kein Sohn wurde Steuerberater. Mittlerweile arbeitet jeder der vier Nachkömmlinge mehr oder weniger intensiv in den Unternehmen des Jagdfeld-Reiches. Zudem ist das Quartett Pächter zweier Restaurants, einer Discothek und des China Clubs in einem Anbau des Berliner Hotels "Adlon".

    BENEDIKT betreut zusammen mit seinem Onkel Helmut die Grundstücke und Gebäude. Er wurde sechs Jahre lang vom Vater eingearbeitet. Demnächst will er ein neues Dienstleistungskonzept für ein Geschäftsfeld der Gruppe vorstellen.

    NIKOLAUS wäre am liebsten Musiker geworden. Er leitet die private Meoclinic im Berliner Quartier 206, kümmert sich um die Adlon Holding und führt zusammen mit seiner Mutter den exklusiven Departmentstore im Quartier 206.

    JULIUS verantwortet die Reste des Bauträgergeschäfts, das insbesondere darin besteht, in der mecklenburgischen Gemeinde Wittenbeck eine Eigenheimsiedlung zu errichten.

    MAXIMILIAN hat erst vor Kurzem sein Studium beendet. Er schaut sich jetzt die einzelnen Unternehmen der Jagdfeld-Gruppe an, um herauszufinden, wie er sich nützlich machen kann.
  • Der Bruder
    HELMUT JAGDFELD tritt nach außen kaum in Erscheinung, hält aber Anno August im Alltagsgeschäft den Rücken frei: Von Düren aus kümmert er sich unter anderem um das Management der Immobilien. Zudem ist er Gesellschafter mehrerer Firmen der Gruppe.

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