Sonntag, 9. Dezember 2018

Anno August Jagdfeld Alles nur Fassade

Jagdfelds Stolperfallen: Heiligendamm, Adlon und Co.
dapd

2. Teil: Viele Prominente haben mit Fundus viel Geld verloren

Der Mann - Abkömmling einer Schreinerfamilie aus der Kleinstadt Jülich - zahlt jetzt den Preis für seinen Größenwahn. Jagdfeld hat seine Geschäfte ins schier Uferlose diversifiziert. Er sah sich als Multitalent, das zugleich Klinikbetreiber und Biobauer sein kann, das Einkaufszentren entwickelt und Hotels leitet. Eine Selbstüberschätzung, an der man nur scheitern kann.

In Leipzig musste er das Städtische Kaufhaus, das er für 125 Millionen Euro sanierte, an eine Tochter der Landesbank Sachsen abtreten. Auf dem 24.000 Quadratmeter großen Tacheles-Gelände im Osten Berlins wollte Jagdfeld einen ganzen Stadtteil errichten, heute steht die Brache unter Zwangsverwaltung. Das Cumberland-Haus am Berliner Ku'damm plante er in ein Luxushotel zu verwandeln. Da aber der vorgesehene Betreiber absprang, wurde die Immobilie mit Millionenverlusten wieder an den Verkäufer zurückgegeben.

Für neue Bauten kommt kein Geld mehr zusammen. Weder Kreditinstitute noch Privatanleger sind noch auf Geschäfte mit der Jagdfeld-Gruppe erpicht. Jagdfeld gelte "in weiten Teilen des deutschen Geldadels als Persona non grata", meint Thomas Fritsch, ein Rechtsanwalt, der etliche Fundus-Anleger vertritt.

Zu viele Investoren haben bei gescheiterten Fundus-Projekten ihre Einlagen verloren, darunter Prominente wie die Unternehmerfamilien Haub (Tengelmann) und Oetker. Sie hatten Millionenbeträge in die Heiligendamm- und Adlon-Fonds eingezahlt.

Pleite ist nicht zu erwarten - das Reich ist geschickt organisiert

Jagdfeld scheint am Ende. Eine Pleite à la Schlecker ist aber nicht zu erwarten. Denn der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer hat sein Reich geschickt organisiert. Es gibt keine Übergesellschaft, die den Fortbestand des Ganzen gefährden könnte. In dem verschachtelten System von rund 100 Einzelfirmen - darunter viele sogenannte Ein-Zweck-Gesellschaften - haftet jede Einheit meist für sich allein. Zudem fließen nach wie vor Einnahmen auf die Konten der Gruppe - dies allerdings nur noch in bescheidenem Umfang.

Unter anderem generiert Jagdfeld Erlöse aus dem Management der Fundus-Immobilien. Doch die schrumpfen rasant. Einiger Fondsbesitz, wie etwa das Bürohochhaus Pyramide in Berlin, wurde verkauft. Andere Objekte, wie das "Grand Hotel Heiligendamm", fielen durch Insolvenz aus dem Portfolio. Und die Auflage neuer Fonds - die letzte Anlegergemeinschaft hat Fundus 2005 zusammengebracht - ist versperrt: Geschlossene Immobilienfonds sind in Deutschland als Anlagevehikel nicht mehr attraktiv. Einziger Lichtblick: Kempinski und Jagdfeld haben Ende Oktober die Verlängerung des Pachtvertrags für das Berliner Hotel Adlon Kempinski um 20 Jahre vereinbart. Vorbehaltlich der Zustimmung der entsprechenden Gremien werden dem Fundus Fonds Nr. 31 dadurch Einnahmen von rund 300 Millionen Euro garantiert.

2007 wies die Firma Fundus Fonds-Verwaltungen noch Umsätze von 9,6 Millionen Euro aus, ein Jahr darauf waren es nur noch 6,2 Millionen Euro. Dem Geschäftsbericht der Gesellschaft von 2008 ist zu entnehmen, dass man künftig noch "geringere Einnahmen aus der Immobilienverwaltung" erwarte. Inzwischen gibt die Fundus Fonds-Verwaltungen den Umsatz nicht mehr an. Jagdfeld selbst aber räumt ein, dass nahezu das gesamte Eigenkapital in Höhe von ehemals 10,2 Millionen Euro aufgezehrt ist.

Jagdfeld mag rechtlich vor einem Totalausfall gesichert sein, dennoch zerbröselt zusehends sein Vermögen, das zu Hochzeiten in den 90er Jahren auf bis zu eine Milliarde Euro geschätzt wurde.

Beispielsweise steht in der Bilanz einer Fundus-Gesellschaft, die sich mit der Verwertung von Einkaufszentren befasst, ein nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag von 7,7 Millionen Euro, bei einer beinahe gleich hohen Bilanzsumme. Eigentlich wäre die Firma 2010 überschuldet gewesen, hätte sie nicht von der Familie Jagdfeld ein üppiges Gesellschafterdarlehen erhalten, auf das Rangrücktritt erklärt wurde.

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