Montag, 19. November 2018

US-Wahl Gott hilft Mitt

Mormonen in Top-Positionen: Mitt Romneys einflußreiche Helfer
AFP

Wie Mitt Romney gehören viele US-Manager der Mormonen-Kirche an. Sie sind perfekt angepasst an das Ökosystem Big Business - fleißig, tugendhaft und ehrgeizig. Nun will Romney US-Präsident werden. Kann das gutgehen?

Ende der 70er Jahre, eine Firma irgendwo im ländlichen Amerika, geführt vom Typus knorriger alter Unternehmer. Mitt Romney ist Anfang 30, es ist eines der ersten Projekte, die er bei Bain & Company leitet. Der Firmenpatriarch blickt entgeistert auf die jungen Kerle.

"Ich wollte Männer, und sie haben mir Buben geschickt", schimpft der Mann. Reihum fragt er jetzt das Alter ab. "28", sagt der erste von Romneys Mitarbeitern. "26". So geht es weiter, die Laune des Patriarchen ist im freien Fall, als er sich vor Romney aufbaut. "Und Sie?" "Ich bin 44." Das Projekt ist gerettet.

Es ist eine Episode, sie liegt lange zurück, doch sie sagt viel über Mitt Romney, den mormonischen Präsidentschaftskandidaten der Republikaner. Mormonen in Utah, die ihn schätzen und siegen sehen wollen, erzählen solche Geschichten gern. Auch die, wie Romney Bain Capital als Chef zumachte und 56 hoch bezahlte Private-Equity-Manager nach New York schickte, um die verschwundene Tochter eines Kollegen zu finden.

Die Episoden sollen ihn menschlicher machen, ihn, den Technokraten, den rund 250 Millionen Dollar schweren Doppel-Harvard-Absolventen, Erfolgsmanager und Ex-Gouverneur, Spross eines Erfolgsmanagers und Gouverneurs aus mormonischem Hochadel, dessen Aufstieg nicht wie ein Leben klingt, sondern wie ein zu glattes Drehbuch.

Permanente Perfektionierung: "Mormonen wollen Verantwortung"

Der, vor allem, einer Religion angehört, deren zentrale Doktrin die "eternal progression" ist, die permanente Perfektionierung des Menschen hin zum Göttlichen: Wer das Beste aus seinen Talenten macht, wird im Jenseits reich belohnt. Fleiß und Frömmigkeit als siamesische Zwillinge. Bisweilen aber ist der Ehrgeiz so ausgeprägt, dass er zur Mogelei verleitet - siehe Romneys kleine Alterslüge.

Eine Religion ist nicht haftbar für die Fehltritte jedes ihrer Schäfchen. Umgekehrt achtet Romney peinlich darauf, seinen Glauben aus der Politik herauszuhalten. Doch wenn sich einer derart auf sein Image als Wirtschafts-Troubleshooter reduziert, lohnt der Blick auf seinen Glauben, in dem viele den Motor seines Erfolgs ausmachen. Und auf die Frage, ob dieser Glaube Hilfe oder Hindernis ist im Kampf um die Präsidentschaft.

Mormonen bekleiden in den USA beeindruckend viele Führungspositionen, ihre Akademikerquote liegt weit über dem Durchschnitt. Viele Manager und Unternehmer bekennen sich zur "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage", darunter Multi-Airline-Gründer David Neeleman, Marriott-Chef Bill Marriott Junior oder Gary Crittenden, Ex-Finanzchef von American Express Börsen-Chart zeigen und Citigroup Börsen-Chart zeigen und künftiger Chef von Huntsman Gay Global Capital.

Anders als bei den Calvinisten sei der Erfolgsmaßstab zwar nicht materieller Natur, sagt Charles W. Dahlquist II., Anwalt in Salt Lake City und viele Jahre in hohen Kirchenpositionen tätig. Doch er betont: "Wir sind eine entscheidungsorientierte Religion, Mormonen wollen Verantwortung übernehmen."

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