Mittwoch, 20. September 2017

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Frauenquote Mann über Board

Dax-Vorstände: Frauen in deutschen Topetagen
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Corbis

4. Teil: Eine Phantomdebatte

Und doch stieben gerade bei der Personalfunktion die Funken im Geschlechterkampf besonders heftig. Oft noch als "Gedöns"-Ressort im Sinne von Altkanzler Gerhard Schröder belächelt, muss der Posten nicht selten herhalten, wenn erstens dringend eine Frau in den Vorstand muss, man aber zweitens - leider, leider - gerade keinen Platz in einem der "harten" Bereiche frei hat. Diese Denke, schimpft ein hochrangiger Personalchef, "ist weder dazu angetan, das Standing des Personalressorts zu stärken noch die Sache der Frauen zu fördern".

Stattdessen verkomme die Position zum Feigenblattposten - während sich gleichzeitig brisante Monokulturen bilden: Hier die Diversitytechnisch gut aufgestellten Bereiche Personal, Recht, vielleicht noch Marketing - dort die Herrenfestungen Finanzen, Entwicklung und Vertrieb, wo sich die letzten Machos um ihre Motoren und Excel-Tabellen scharen.

Von derlei düsteren Prophezeiungen unbeeindruckt hat sich das Personalressort zum Paradeplatz von Pumps und Perlenkette entwickelt. Im vergangenen Jahr veröffentlichte das Karrierenetzwerk Linkedin eine Studie über die Vornamen von US-Topmanagern: CEOs heißen meist Peter, Bob, Jack, Bruce oder Fred - und Personalvorstände am häufigsten Emma, Katie, Claire, Jennifer oder Natalie.

Unwahrscheinlich, dass sich daran auf absehbare Zeit etwas ändert. Beispiel Bayer: Der Vertrag des jetzigen Personalvorstands Richard Pott läuft 2013 aus, CEO Marijn Dekkers hat mehrfach erklärt, er wolle mehr Frauen im Vorstand. Als Kandidatin für die Nachfolge wurde immer wieder Sandra Peterson gehandelt, doch die Leiterin des Teilkonzerns Crop Science wechselt Ende November zu Johnson & Johnson.

"Komfortzone jenseits der gläsernen Decke verletzt"

Dennoch: Für Männer wie Ralf Bente (47) sind solche Konstellationen ein Problem. Mit MBA, diversen Auslandsstationen, Leitung einer Geschäftseinheit und zuletzt Personalchef eines großen Familienunternehmens wäre der Betriebswirt in weniger rosaroten Zeiten auf nahezu jeder Shortshort-List für Personalvorstandsbesetzungen im Dax zu finden. Eigentlich war dieser Schritt auch fest eingeplant. "Aber mittlerweile würde mir wohl nur noch eine Geschlechtsumwandlung helfen", sagt Bente bitter, der seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung sehen möchte.

Wer umgekehrt Monika Schulz-Strelow aufregen möchte, muss ihr nur mit solchen Geschichten kommen. Eine "Phantomdebatte" sei das, sagt die Präsidentin der Initiative FidAR ("Frauen in die Aufsichtsräte"): "Dass Frauen nun auch Chancen erhalten, in Führungspositionen aufzusteigen, verletzt scheinbar die Komfortzone jenseits der gläsernen Decke." Selbstverständlich wolle man nicht eine Diskriminierung durch eine andere ersetzen, doch mehr Konkurrenz sei doch gut: "Wer sich dem Wettbewerb um Aufstiegschancen stellt, muss auch lernen zurückzustecken", meint Schulz-Strelow mokant. "Das ist nun wirklich kein exklusiv männliches Problem."

Wahre Worte, und doch führt der Begriff "Phantomdebatte" in die Irre. Zwar gibt es bislang keine offiziellen Beschwerden, Personaler und Sprecherausschüsse stehen fest zu den rosaroten Konzernlinien. Kein Mäkeln, keine Kritik, nirgends. Parole: Niemand hat die Absicht, jemanden zu diskriminieren.

"Aber natürlich werden wir gefragt, ob Männer jetzt gar keine Aufstiegschancen mehr haben", sagt Horst-Uwe Groh, Personalchef bei Bayer. Wie die meisten Dax-Firmen haben die Leverkusener keine speziellen Maßnahmen gegen eine eventuelle Demotivation der Männer aufgelegt, deren diesbezügliche Sorgen werden jedoch in vielen Führungsgesprächen und Diskussionsrunden aufgegriffen: "Wir setzen auf Fakten und Transparenz, denn die ökonomische Notwendigkeit einer besseren Geschlechterbalance liegt auf der Hand."

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