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16.10.2012
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Finanzbranche
Ende einer Epoche

Von Thomas Katzensteiner und Ulric Papendick

Großbanken: Die Regierung macht ernst
Fotos
DPA

Für die Geldkonzerne gehen 20 Jahre Macht und Herrlichkeit zu Ende. Ihnen droht die Zerschlagung, der ganzen Branche die Schrumpfung. Was bleibt am Ende vom Finanzgewerbe übrig?

Der Anruf in der Konzernzentrale des weltgrößten Rückversicherers kam nicht ganz unerwartet. Jürgen Fitschen (63) war am Apparat; der Co-Chef der Deutschen Bank bat um ein Gespräch mit Münchener-Rück-Vormann Nikolaus von Bomhard (56).

Kurz zuvor hatte von Bomhard, ein normalerweise um Zurückhaltung bemühter Versicherungsmanager, eine bemerkenswerte Aussage gemacht. Er sei für die Aufspaltung von Universalbanken, hatte von Bomhard gesagt. Investmentbanking und klassisches Kreditgeschäft sollten voneinander getrennt werden, um das Geldgewerbe wieder sicherer zu machen.

Wen er damit meinte, hatte der Münchener-Rück-Chef nicht erwähnen müssen. Es war ohnehin klar. Weltweit gibt es nur zwei Handvoll großer Universalbanken, die alle Dienstleistungen aus einer Hand anbieten. Eine davon ist die Deutsche Bank Chart zeigen.

Fitschen, seit wenigen Wochen an der Spitze des Instituts, war alarmiert. Angriffe linker Politiker war er gewöhnt; die harsche Kritik eines amtierenden Topmanagers und ausgewiesenen Kenners des Finanzwesens hingegen war neu.

Ob er das denn tatsächlich so gemeint habe, wollte Fitschen wissen. Die Antwort fiel eher kühl aus. Auch die Deutsche Bank, teilte von Bomhard seinem Gesprächspartner mit, möge doch bitte erst einmal nachweisen, dass ihre umfangreichen Handelsaktivitäten keine Zockerei seien, sondern einen sinnvollen Beitrag für die Kunden und die Gesellschaft darstellten. Anderenfalls bleibe er bei seiner Meinung.

Der Druck auf die Hochfinanz nimmt zu

Der Münchener Assekuranzchef ist nicht der einzige Topmanager, der sich entsetzt von der Hochfinanz abwendet. Die Entfremdung zwischen dem Geldgewerbe und dem Rest der Wirtschaft hat eine neue Ebene erreicht. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück zieht mit der Forderung in den Wahlkampf, Kundengeschäft und Investmentbanking strikt zu trennen. Auch die EU-Expertengruppe um den finnischen Zentralbank-Präsidenten Erkki Liikanen empfiehlt eine Aufspaltung.

Die Manipulationen am Referenzzins Libor, Basis für Finanzgeschäfte im Gegenwert von mehr als 500 Billionen Dollar, haben die Stimmung endgültig kippen lassen. "Mit der Libor-Krise ist vielleicht der letzte Rest Vertrauen verlorengegangen", sagt Linde-Chef Wolfgang Reitzle (63) im Interview mit manager magazin.

Nun stellen nicht mehr nur SPD-Granden wie Peer Steinbrück und Sigmar Gabriel die Existenzberechtigung der Megainstitute infrage. Selbst Branchengrößen wie Sandy Weill (75), einst Schöpfer des US-Finanzgiganten Citigroup, fordern ein Umdenken.

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Trennen und schützen

  • Großbritannien
    Die Briten haben bereits beschlossen, dass sich ihre Großbanken von Teilen des Geschäfts trennen müssen. Nach den Vorschlägen einer vom Ökonomen John Vickers geleiteten Expertengruppe sollen die Geldinstitute auf der Insel um ihr Filialgeschäft künftig einen "Ringfence" ziehen. Die Einheiten innerhalb dieses Schutzzauns sollen wirtschaftlich und rechtlich vom Rest der Bank unabhängig sein; riskante Finanzgeschäfte wie der Handel mit Derivaten oder die Vergabe von Großkrediten sind ihnen weitgehend untersagt.
  • USA
    Auch in den Vereinigten Staaten ist die Umstrukturierung des Geldgeschäfts bereits gesetzlich verankert. Nach den Vorschlägen des früheren Notenbank-Chefs Paul Volcker soll es den US-Banken in Zukunft untersagt werden, Wertpapierhandel auf eigene Rechnung zu betreiben sowie größere Anteile an Beteiligungsgesellschaften und Hedgefonds zu halten. Über die Umsetzung der Regeln, vor allem über die Abgrenzung des "Eigenhandels", wird in den USA seit Längerem intensiv debattiert.
  • Schweiz
    Bei den Eidgenossen ist die Diskrepanz zwischen Bilanzvolumen der Großbanken und wirtschaftlicher Leistung besonders prekär (siehe Grafik "Too big to bail"). Wohl auch deshalb haben die Schweizer ihren Geldinstituten strenge Kapitalregeln auferlegt. Das sogenannte "Swiss finish" verlangt von den Banken, eine Eigenkapitalquote von 19 Prozent der Risikoaktiva vorzuhalten - weltweit ein Spitzenwert.
  • Europäische Union
    Die EU hat mit einer Reihe von Initiativen auf die Finanzkrise reagiert. Dazu zählen die Mifid-Direktive zur Verbesserung des Anlegerschutzes und die "Capital Requirements Directive" (CRD 4), die die Eigenkapital- und Liquiditätsausstattung der Banken verbessern soll. Im Oktober will EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier eine weitere Initiative vorlegen, die sich mit der Struktur des Geldgewerbes beschäftigen soll. Dazu hat Barnier eine Expertengruppe beauftragt, die derzeit prüft, inwieweit die Vorschläge von Vickers, Volcker & Co. auf EU-Ebene übernommen werden können. Erwartet wird eine Empfehlung, die auf eine weitgehende Zerteilung großer Geldhäuser hinausläuft.


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