Dienstag, 7. Juli 2015

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Finanzbranche Ende einer Epoche

Großbanken: Die Regierung macht ernst
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DPA

Für die Geldkonzerne gehen 20 Jahre Macht und Herrlichkeit zu Ende. Ihnen droht die Zerschlagung, der ganzen Branche die Schrumpfung. Was bleibt am Ende vom Finanzgewerbe übrig?

Der Anruf in der Konzernzentrale des weltgrößten Rückversicherers kam nicht ganz unerwartet. Jürgen Fitschen (63) war am Apparat; der Co-Chef der Deutschen Bank bat um ein Gespräch mit Münchener-Rück-Vormann Nikolaus von Bomhard (56).

Kurz zuvor hatte von Bomhard, ein normalerweise um Zurückhaltung bemühter Versicherungsmanager, eine bemerkenswerte Aussage gemacht. Er sei für die Aufspaltung von Universalbanken, hatte von Bomhard gesagt. Investmentbanking und klassisches Kreditgeschäft sollten voneinander getrennt werden, um das Geldgewerbe wieder sicherer zu machen.

Wen er damit meinte, hatte der Münchener-Rück-Chef nicht erwähnen müssen. Es war ohnehin klar. Weltweit gibt es nur zwei Handvoll großer Universalbanken, die alle Dienstleistungen aus einer Hand anbieten. Eine davon ist die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen.

Fitschen, seit wenigen Wochen an der Spitze des Instituts, war alarmiert. Angriffe linker Politiker war er gewöhnt; die harsche Kritik eines amtierenden Topmanagers und ausgewiesenen Kenners des Finanzwesens hingegen war neu.

Ob er das denn tatsächlich so gemeint habe, wollte Fitschen wissen. Die Antwort fiel eher kühl aus. Auch die Deutsche Bank, teilte von Bomhard seinem Gesprächspartner mit, möge doch bitte erst einmal nachweisen, dass ihre umfangreichen Handelsaktivitäten keine Zockerei seien, sondern einen sinnvollen Beitrag für die Kunden und die Gesellschaft darstellten. Anderenfalls bleibe er bei seiner Meinung.

Der Druck auf die Hochfinanz nimmt zu

Der Münchener Assekuranzchef ist nicht der einzige Topmanager, der sich entsetzt von der Hochfinanz abwendet. Die Entfremdung zwischen dem Geldgewerbe und dem Rest der Wirtschaft hat eine neue Ebene erreicht. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück zieht mit der Forderung in den Wahlkampf, Kundengeschäft und Investmentbanking strikt zu trennen. Auch die EU-Expertengruppe um den finnischen Zentralbank-Präsidenten Erkki Liikanen empfiehlt eine Aufspaltung.

Die Manipulationen am Referenzzins Libor, Basis für Finanzgeschäfte im Gegenwert von mehr als 500 Billionen Dollar, haben die Stimmung endgültig kippen lassen. "Mit der Libor-Krise ist vielleicht der letzte Rest Vertrauen verlorengegangen", sagt Linde-Chef Wolfgang Reitzle (63) im Interview mit manager magazin.

Nun stellen nicht mehr nur SPD-Granden wie Peer Steinbrück und Sigmar Gabriel die Existenzberechtigung der Megainstitute infrage. Selbst Branchengrößen wie Sandy Weill (75), einst Schöpfer des US-Finanzgiganten Citigroup, fordern ein Umdenken.

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