Sonntag, 25. September 2016

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Geldanlage Massenflucht aus dem Euro

Geldanlage: Die Tipps der Experten
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David von Bassewitz für manager magazin

Das Krisenmanagement der Politiker hat viele Anleger enttäuscht. Der Exodus aus der Gemeinschaftswährung hat bereits begonnen. Experten zeigen, wie man sein Vermögen noch retten kann.

Die weiße Limousine lässt die vermummten Demonstranten hinter sich. Schwarz abgedunkeltes Panzerglas verschluckt die Parolen und das Klirren der zerberstenden Schaufensterscheiben. Der Fondsmanager und Milliardär im Rückraum des Wagens lehnt sich im Ledersessel zurück und nimmt noch einen Schluck Wodka auf Eis, während draußen auf der Straße die Krise tobt.

Mit dieser Sequenz beginnt der Film "Cosmopolis", in dem Starregisseur David Cronenberg die Geschichte des maßlosen Spekulanten Eric Packer erzählt. Auf den Kinoplakaten steht auch der Name eines echten Milliardärs und Fondsmanagers: Edouard Carmignac (65), der den Film finanziert hat. Der Franzose gehört zu den erfolgreichsten Investoren der vergangenen 20 Jahre. Und hier vermischen sich Fiktion und Realität.

Ähnlich wie Cronenbergs Held wettet derzeit auch Carmignac im großen Stil gegen eine Weltwährung. Im Film ist es der chinesische Yuan, im wirklichen Leben spekuliert der Finanzier gegen seine Heimatwährung, den Euro.

So ausgesucht höflich der Mann im persönlichen Umgang ist, so entzückt er sich gibt, wenn ihm jemand vorgestellt wird ("Ravi, ravi", sagt er dann mit leiser Stimme), so radikal und rabiat wird er, wenn es um den Fall der europäischen Währung geht.

An Krisengipfel, Rettungsschirme oder Stabilitätsmechanismen glaubt er ohnehin nicht mehr. Und wie wenig er von den Sanierungsversuchen der Politiker hält, hat er Anfang Juli Frankreichs neu gewähltem Präsidenten François Hollande geschrieben. Damit "Monsieur le Président" die Botschaft auch wirklich erreicht, hat er für seinen offenen Brief gleich ganzseitige Anzeigen in der "Financial Times" und in "Le Monde" gebucht.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Carmignac längst vom Euro verabschiedet. In den Monaten davor tilgte er die europäische Leitwährung bis auf einen überschaubaren Restwert aus seinem Portfolio. Lediglich 21 Prozent seines 22,7 Milliarden Euro schweren Mischfonds Carmignac Patrimoine stecken noch in Euro-Land-Assets. Der Großteil liegt in US-Dollar und japanischen Yen.

Police gegen die Folgen der Euro-Krise

Der Manager aus Paris hat seinen Fonds zum realen Gegenstück der gepanzerten Limousine aus dem Film umgebaut. Mit anderen Worten: Carmignac managt keinen Investmentfonds mehr, sondern verkauft eine Police gegen die Folgen der eskalierenden Euro-Krise.

Sicherheit vor dem Zusammenbruch einer Währung, die noch vor wenigen Jahren den Dollar als Weltreservewährung ersetzen sollte, ist an den Kapitalmärkten derzeit ein gefragtes Gut.

"Wir sehen eine breit angelegte Abwanderung aus dem Euro", sagt Mansoor Mohiuddin, Chefwährungsstratege der Schweizer Großbank UBS Börsen-Chart zeigen: "Das Vertrauen, dass die Regierungen die Krise in den Griff bekommen, ist erschüttert. Zentralbanken, Staatsfonds sowie US-Aktien- und Pensionsfonds lösen ihre Euro-Positionen auf und kaufen Dollar-Anleihen."

Rund 50 Milliarden Dollar haben US-Anleger allein zwischen Anfang Dezember und Ende Mai zurück in die Heimat geholt. Konzerne wie Shell Börsen-Chart zeigen kaufen US-Staatspapiere und horten ihr Geld auf Dollar-Konten. Auch der britische Pharmamulti GlaxoSmithKline Börsen-Chart zeigen zieht Bargeld aus dem Krisengebiet ab.

Mittelgroße Devisen wie der Kanadische oder der Australische Dollar, aber auch Kleinwährungen wie die Norwegische oder die Schwedische Krone haben kräftig zugelegt. Um eine weitere Aufwertung des Franken zu verhindern, kauft die Schweizer Nationalbank wie wild Euro. Ihre Devisenreserven türmen sich inzwischen auf gigantische 340 Milliarden Euro - oder drei Viertel des eidgenössischen Bruttoinlandsprodukts.

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