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10.09.2012
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Rüstungsindustrie
Deutsche Waffenschmieden unter Beschuss

Von Ursula Schwarzer

Deutsche Waffenhersteller: Wer noch Geld für Rüstung ausgibt
Fotos
DPA

Die Kritik an Exportgeschäften wächst: Deutsche Waffenproduzenten wie Krauss-Maffei, Rheinmetall oder Diehl kämpfen gegen Anfeindungen auf dem heimischen Markt und sinkende Umsätze im Ausland.

Mit 70 Stundenkilometern donnert der Leopard 2 über ein holpriges Testgelände am nördlichen Rand von München. Zwei mitfahrende Gäste stehen im Turmaufbau des Kampfpanzers, der peitschende Fahrtwind zerzaust ihr Haar und treibt ihnen Tränen in die Augen. Aus Angst, bei der wilden Hatz das Gleichgewicht zu verlieren, krallen sie sich mit beiden Händen an der Luke fest.

Aber die Anspannung weicht schnell. Trotz 20 Zentimeter hoher Bodenwellen vibriert das 1500 PS starke Ungetüm nur ganz leicht. Und was noch erstaunlicher ist: Seine gut fünf Meter lange Kanone bewegt sich überhaupt nicht. Hätte man ein Wasserglas auf dem Rohr befestigt, würde kein Tropfen überschwappen.

Der Leo beeindruckt nicht nur die beiden Besucher - er gilt weltweit als Ausweis deutscher Ingenieurkunst. Ein eingebautes Lasersystem verortet zehn Kilometer entfernte Objekte auf zehn Meter genau; selbst wenn das martialische Gefährt rollt und sich das Angriffsziel bewegt, bleibt das Bild für den Schützen stabil. Der 60 Tonnen schwere Koloss bewältigt Steigungen von bis zu 60 Grad, er dreht sich in zehn Sekunden um die eigene Achse, und er kann vier Meter tief unter Wasser fahren.

Kein anderer Hersteller baut so robuste Panzer wie die Leo-Fabrikanten Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und Rheinmetall Chart zeigen. Sie sind der internationalen Konkurrenz technologisch voraus - ebenso wie ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) mit seinen durch Brennstoffzellen angetriebenen U-Booten, Heckler & Koch mit dem Schnellfeuergewehr G36 oder Diehl mit Lenkflugkörpern.

Exporte eingebrochen - Blick nach Asien und auf den Mittleren Osten

Die zerstörerische Qualität deutscher Kriegswaffen ist unübertroffen - und doch ringt die erfolgsverwöhnte Branche mit Problemen. Die Umsätze fallen, die Gewinne schrumpfen. Mancherorts werden die Belegschaften ausgedünnt, Sparprogramme diktieren den Alltag. Mit einiger Zeitverzögerung trifft die Staatsschuldenkrise nun auch die in langen Zyklen planende Rüstungsindustrie.

Der Hauptkunde Bundeswehr kappte zwischen 2010 und 2012 seine Investitionen um 3,1 Prozent. Drastischer ist die Situation bei den Exporten, von denen die deutschen Firmen zu 70 Prozent abhängen. Weil wichtige Abnehmer wie Griechenland, Spanien und Italien ihre Budgets radikal kürzen (müssen), sind die Aufträge eingebrochen: Die Ausfuhrgenehmigungen des Bundes sanken 2010 auf 5,5 Milliarden Euro - ein Minus von 34 Prozent im Vergleich zu 2008.

Notgedrungen muss die Zunft umsteuern. Sie braucht zusätzliche Auftraggeber, etwa in Asien oder dem Mittleren und Nahen Osten, wo die Militärausgaben noch steigen. Genau diese Regionen haben aber auch die globalen Konkurrenten im Auge. "Der Verdrängungswettbewerb wird spürbar härter", sagt KMW-Chef Frank Haun. Zugleich müssen die deutschen Hersteller mehr Geld in innovative Produkte stecken, da der Bund - im Gegensatz zu früher - kaum noch bereit ist, die Entwicklungskosten vorzustrecken

"Unsere Industrie", so Georg Wilhelm Adamowitsch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, "steckt mitten in einer Zäsur."

Es ist nicht das erste Mal, dass die Waffenspezialisten in Turbulenzen geraten. Nach dem Ende des Kalten Krieges sahen sie sich mit gewaltigen Überkapazitäten konfrontiert. Die Nato und der damalige Ostblock hatten unüberschaubare Arsenale von schwerem Kampfgerät aufgebaut, das nach dem Fall der Mauer aussortiert wurde. So besaß die Bundeswehr einst über 2000 Leopard-Panzer, künftig sollen es nur noch 225 sein.

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