Freitag, 31. März 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Rüstungsindustrie Deutsche Waffenschmieden unter Beschuss

Deutsche Waffenhersteller: Wer noch Geld für Rüstung ausgibt
Fotos
DPA

3. Teil: Drohnen und Kommunikationssysteme für asymmetrische Kriegsführung

Dass die Wehrtechniksparte massiv an Umsatz eingebüßt hat, kann das Unternehmen aushalten, schließlich laufen andere Bereiche wie die Messtechnik oder die Flugzeugausstattung hervorragend. Sorge hingegen bereitet Diehl-Defence-Geschäftsführer Claus Günther der drohende Verlust an Kompetenz. "Wenn die Kürzungen des Bundes dazu führen, dass wir technologisch zurückfallen, können wir am Weltmarkt nicht mehr mithalten", warnt Günther.

Noch plant Verteidigungsminister Thomas de Maizière recht moderate Budgetabschläge. Sein Etat soll von heute 31,9 Milliarden bis 2015 auf 30,4 Milliarden Euro sinken.

Gleichwohl mutet de Maizière den Firmen einiges zu. Er will vertraglich festgeschriebene Bestellungen nachträglich in erheblichem Umfang beschneiden: Statt 177 Eurofighter möchte er nur noch 140 Stück abnehmen, die Zahl der auszuliefernden Tiger-Kampfhubschrauber soll sich halbieren und so weiter und so fort. Die Liste ist lang.

Die Aktion ergibt Sinn, denn viele der Gerätschaften, die vor Jahren in Auftrag gegeben wurden, taugen nicht für asymmetrische Kriegsführung. In der Auseinandersetzung mit kleinen und wendigen Gefechtseinheiten, die meist aus dem Hinterhalt angreifen, benötigen Soldaten keine Kampfpanzer und Fluggeschwader, sondern Drohnen und elektronische Aufklärungs- und Kommunikationssysteme. Diese modernen Waffen will der Verteidigungsminister mit den frei werdenden Geldern aus den revidierten Beschaffungskontrakten bezahlen.

Ungewisse Zukunft für Rheinmetall, KMW, Cassidian und Diehl

Die Nachverhandlungen sind allerdings ein schwieriges Unterfangen angesichts der zahllosen Verträge zwischen den Systemhäusern und ihren Unterlieferanten. Einen Erfolg kann de Maizière zumindest schon verbuchen. Er hat sich mit KMW und Rheinmetall geeinigt, anstelle der 405 georderten Puma-Schützenpanzer lediglich 350 zu kaufen. Allein für Rheinmetall Börsen-Chart zeigen bedeutet das eine Einbuße von 148 Millionen Euro.

Eigentlich wären Rheinmetall und KMW prädestiniert für einen Zusammenschluss. Seit vielen Jahren kooperieren sie in Joint Ventures; neben dem Puma und dem Leopard bauen sie gemeinsam den gepanzerten Transporter Boxer und das Patrouillenfahrzeug AMPV. Der Schwerpunkt von KMW liegt dabei auf der Panzertechnologie, Rheinmetall kümmert sich um die Bewaffnung.

KMW-Chef Haun aber schließt "eine Fusion aus". Offenkundig will er nicht den Juniorpartner spielen, schließlich ist der börsennotierte Rheinmetall-Konzern mit 4,5 Milliarden Euro Umsatz (gut die Hälfte davon entfällt auf die Autosparte) fast fünfmal so groß wie die im Familienbesitz befindliche KMW.

Rheinmetall und KMW, Cassidian und Diehl - sie alle haben eine höchst ungewisse Zukunft vor sich. In jedem Unternehmen suchen die Führungsmannschaften nach Ideen, um das Wachstum anzukurbeln. Klaus Eberhardt, Vorstandsvorsitzender von Rheinmetall, will unter anderem Firmen zukaufen. Andere Unternehmen bauen das Wartungs- und Instandhaltungsgeschäft aus.

Nachrichtenticker

© manager magazin 8/2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH