Mittwoch, 14. November 2018

Olympia-Stadt für Manager London will erobert werden

Olympia-Stadt: Lars Windhorst erobert London
Graham Trott

London hat Geschäftsleuten viel zu bieten: zahllose Restaurants von Weltrang, edle Member Clubs und exklusive Galerien locken. Die britische Hauptstadt will erobert werden - nicht nur zu den Olympischen Spielen. Eine Anleitung des Wahl-Londoners Lars Windhorst.

London - Wer in dieser Stadt Stille sucht, muss weit laufen - oder sehr früh aufstehen. Ich tue beides. Montag bis Samstag klingelt der Wecker morgens um fünf, dann jogge ich eine Stunde durch den Hyde Park. Nur wenige Menschen sind zu dieser Zeit unterwegs, im Sommer begrüßen die Vögel den Tag, im Winter zaubert der Nebel Postkartenidylle zwischen die Bäume.

Meist laufe ich vorbei an Speakers' Corner und der Serpentine Bridge, wo ein Brunnen an Prinzessin Diana erinnert, bis zum Kensington Palace, am Wochenende auch gern bis zum Battersea Park. Die Stille, die Kühle und die Bewegung machen den Kopf frei. Und bilden einen schönen Kontrast zur Hektik, die schon zwei Stunden später überall in der City herrscht, wenn mein Arbeitstag im Büro beginnt.

London ist eine Stadt ohne Ruhe. Als Weltfinanzzentrum ist es alternativlos, an die 8000 Hedgefonds haben hier ihren Sitz. Ich möchte zeigen, dass das Leben an dem Finanzplatz der Welt nicht allein aus Gier und Geld besteht. Das Miteinander ist normaler, als viele glauben, dennoch inspirierend und spannend. Zur wirtschaftlichen Dynamik kommen der Verkehr, die Menschenmassen, die Vielfalt an Lebensstilen und Eindrücken. Sie schaffen eine Intensität, die mit keiner anderen europäischen Metropole vergleichbar ist.

Als ich vor drei Jahren meinen Hauptwohnsitz aus der deutschen in die britische Hauptstadt verlegte, war das ein Kulturschock. Im Vergleich mit London, wo schon das Reservieren eines Tischs im Restaurant zum Leistungssport wird, fühlt sich Berlin an wie Urlaub.

Stadt im ständigen Wandel

Die Themse-Metropole ist eine Stadt, die extrem fordert. Also wie geschaffen für Manager, Finanziers, Unternehmer und überhaupt für Menschen, die das Tempo und die Veränderung lieben und das auch von ihrer Umgebung erwarten. Trotz britischer "stiff upper lip", trotz all der traditionellen Rituale, vom Five o'Clock Tea bis zum disziplinierten Schlangestehen - der ständige Wandel gehört zum Gencode der Stadt wie die Tower Bridge.

Im Zuge der Olympischen Spiele, die hier am 27. Juli beginnen, ließ sich das schön beobachten. Überall wurde noch rasch gebaut, abgerissen, hochgezogen, verschönert. Der Verkehr, schon in normalen Zeiten mörderisch, wird Züge einer Naturkatastrophe annehmen: gigantisch und durch nichts aufzuhalten. Schon drohen die Start- und Landeslots für Privatjets an den Flughäfen knapp zu werden. Zu den 30 Millionen Touristen, die in Nicht-Olympia-Jahren die Stadt besuchen, dürften noch etliche dazukommen.

Die meisten werden sich auf den üblichen Pfaden bewegen: Big Ben, das Riesenrad London Eye, vielleicht ein paar Wettkämpfe anschauen, dann Kneipen in Soho und bei Harrod's mal schön einkaufen. Geschäftsleute dagegen sehen selten mehr als Heathrow, das Taxi und den Konferenzraum ihres Gesprächspartners.

Dabei hat London, die fordernde Stadt, gerade für Manager und Unternehmer so viel mehr zu bieten. Zahllose Restaurants von Weltrang für Business-Lunches, Galerien, Parks und Museen zum Abschalten, edle Member Clubs für diskrete Gespräche und furiose Partyplätze zum Feiern von Erfolgen. Die britische Hauptstadt ist eine Metropole, die erobert werden will.

© manager magazin 7/2012
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