Freitag, 15. Dezember 2017

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Family Office Geldverwalter für Freunde und Familie

Übersicht: Reiche und ihre Geldverwalter
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Armin Brosch

Abschied von der Bank: Immer mehr Reiche öffnen ihre Family Offices für Investoren von außen. Für wen es sich lohnt, den privaten Vermögensverwaltern sein Geld zu überlassen.

Maximilianstraße 45, München, im Juni 2012. Benedict Rodenstock (41) sitzt in einer Altbauetage, die er zum Büro seines Family Office namens Lucatis umgebaut hat. Während draußen die Kastanien blühen, bespricht der Spross des Optiker-Clans an einem schlichten Konferenztisch zusammen mit seinem geschäftsführenden Partner Bernd Schrüfer (39) sperrige Themen: die Finanzierung junger Technologiefirmen etwa oder die Auswahl von Fondsmanagern.

Statt im Büro zu sitzen, könnte er in diesem Moment durch eine Kunstgalerie schlendern; von seiner Mutter Inge, einer Sammlerin, hat er schließlich den Geschmack geerbt. Oder er könnte am Strand liegen in Monaco, wo Fürst Albert den durch das Studium in Bologna mit dem Dolce Vita vertrauten "Benedetto" einst in den Junior International Club berufen hat, einen Zirkel für den gehobenen Partynachwuchs.

Warum also tut Rodenstock sich die Arbeit eines Vermögensverwalters an? Jede Privatbank würde das gern für ihn übernehmen.

Der Münchener Unternehmer winkt ab. "Die Banker haben immer noch ihre Listen mit Produkten, die sie Kunden verkaufen müssen", sagt er. "In bankeigenen Zertifikaten oder geschlossenen Fonds können die sehr gut hohe Gebühren verstecken." Rodenstock kümmert sich lieber persönlich ums Geld, und zwar nicht nur um sein eigenes, sondern auch um das anderer Familien. Hat er mit seinen Millionen nicht genug zu tun?

Angebot für Vermögende, die den Banken nicht mehr trauen

"Wir haben viel Wissen über Fondsmanager für Aktien-, Anleihen- oder Hedgefondsstrategien aufgebaut", sagt Rodenstock. "Das Wissen bieten wir auch anderen an." Anderen Vermögenden, die den Banken ebenfalls nicht mehr trauen.

"Family and Friends" - nach diesem Ansatz managen inzwischen viele Reiche ihr Geld. Sie gründen Family Offices mit eigenen Angestellten. Um von Erfahreneren lernen und das Risiko besser verteilen zu können, tun sie sich mit Gleichgesinnten zusammen und investieren gemeinsam. Und viele dieser Vermögensverwaltungen öffnen sich inzwischen sogar für Investoren gewöhnlicherer Einkommensklassen.

Lohnt sich dieses Modell? Haben Family Offices tatsächlich Vorteile gegenüber Banken? Und wie viel Geld müssen Anleger eigentlich mitbringen?

Wie bei Rodenstock, so stehen oft gemeinsame Investitionen in einzelne Unternehmen am Anfang einer Zusammenarbeit. Mit seiner anderen Firma, der Venture-Capital-Gesellschaft Astutia, investiert er seit Jahren in Technologie-Start-ups. Ein Geschäft, in dem es ohnehin üblich ist, dass mehrere Investoren ihre Kräfte bündeln.

Inzwischen bietet Rodenstocks Multi-Family-Office Lucatis eine umfassende Vermögensverwaltung an, die viele verschiedene Anlageklassen umfasst. Doch die Investitionen in einzelne Firmen sind noch immer der Stolz des Hauses. "Das Portfolio aus 15 Unternehmensbeteiligungen ist bei uns der Renditetreiber", sagt Schrüfer.

© manager magazin 7/2012
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