Sonntag, 19. November 2017

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Compliance Terror der Tugend

Selters statt Sekt: Fünf Tipps für eine gute Compliance
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Oliver Sperl

3. Teil: II. Die Ängstlichen

Kaum jemand spürt die allgegenwärtige Sorge in den obersten Konzernetagen so deutlich wie die Fußballvereine. Sie vermieten extrateure Logen, verkaufen VIP-Karten, erzielen damit bis zu 50 Prozent ihrer Ticketerlöse.

Doch wie lange noch? Der Lkw-Hersteller MAN lud zum attraktivsten Spiel des Jahres, dem Champions-League-Finale in der Münchener Allianz-Arena, nicht einen einzigen externen Gast in seine Loge. Die Uefa hatte pro Karte 3650 Euro verlangt. Zu viel, urteilten die Compliance-Wächter.

Die Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen, obwohl Sponsoring-Partner der deutschen Nationalmannschaft, kündigte an, bei der Europameisterschaft im Juni ähnlich vorsichtig vorzugehen. Die Bonner werden ebenfalls keine externen Gäste einladen. Auch in der Preisklasse darunter haben die Klubs inzwischen ernsthafte Probleme: Nicht nur die Einladenden haben Angst. Vor allem die Eingeladenen trauen sich nicht mehr in die Logen.

Wenn Uli Hoeneß Edmund Stoiber um Hilfe ruft

So ernst ist die Lage, dass FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß (60) den ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (70) eingeschaltet hat: Fußballfan Stoiber soll sich in Berlin für verbindliche Einladungsregeln, noch besser gar für eine Änderung des Strafrechts einsetzen.

Die neue Tugendoffensive beschränkt sich indes längst nicht mehr auf die Privatwirtschaft. Auch im öffentlichen Bereich setzt sich eine strikte Null-Toleranz-Strategie durch. In immer mehr Bundesländern und Kommunen dürfen die Beschäftigten gar nichts annehmen. Wer etwa mit einem Behördenmitarbeiter der Gemeinde Potsdam-Mittelmark etwas zu erörtern hat, tut gut daran, dem amtlichen Gesprächspartner weder Kaffee noch Cola zu spendieren. Das wäre bereits ein Compliance-Verstoß.

Den Mitarbeitern der städtischen Müllabfuhr eine Schachtel Plätzchen zu Weihnachten schenken? Auch keine gute Idee - jedenfalls in Hamburg.

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