Donnerstag, 30. März 2017

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Start-ups Gründerparadies Deutschland

Start-ups: Wie Gründer sich durchsetzen
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Steffen Roth; Corbis

2. Teil: "Die Start-up-Szene in Deutschland hat sich stark professionalisiert"

Schließlich hat es sich in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft spätestens angesichts der Finanzkrise herumgesprochen, dass der Erfolg der heimischen Industrie vor allem auf deren Innovationskraft beruht. Und da überraschende Ideen nur selten in straff organisierten Großunternehmen gedeihen - auch weil deren alternde Belegschaften gern das Erreichte bewahren -, haben die Entscheider den unschätzbaren Wert junger Firmen erkannt.

"Diese Innovatoren sind die eigentlichen Treiber der Gesellschaft", sagt Susanne Klatten, die den Inkubator UnternehmerTUM an der Technischen Universität München seit Jahren mit Millionen sponsert. Die Über-Unternehmerin (BMW Börsen-Chart zeigen, Altana Börsen-Chart zeigen) findet immer mehr Nachahmer für ihr Engagement. Weil Tech-Start-ups wie ein Jungbrunnen für die etablierte Industrie wirken, werden sie inzwischen von Konzernherren, staatlichen Institutionen und erfolgreichen Unternehmern systematisch gefördert - immer in der Hoffnung, von deren Neuerungen selbst profitieren zu können.

Zum Beispiel Karl-Erivan W. Haub: Dessen Tengelmann-Gruppe hat sich bereits an rund 20 Online-Gründungen beteiligt. "Wir lernen völlig neue Geschäftsmodelle kennen und wollen möglichst breit an den Erfolgschancen im Web-Geschäft partizipieren", beschreibt der geschäftsführende Gesellschafter seine Motivation zur Schaffung einer Venture-Abteilung in der Handelsgruppe.

Ob BASF Börsen-Chart zeigen, Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen, Siemens Börsen-Chart zeigen, SAP Börsen-Chart zeigen oder RWE Börsen-Chart zeigen - quer durch die Branchen engagieren sich Konzerne mit Risikokapital. Hightech-Gründerfonds und spezielle öffentliche Geldgeber wie Go-Bio, Go-inno und die Fördergesellschaften der Bundesländer haben ihre Aktivitäten ausgebaut. Das deutsche Venture Capital Panel verzeichnete selbst im Euro-Krisenjahr 2011 einen Anstieg der heimischen Hightech-Finanzierungen um 3 Prozent.

Kapital ist reichlich vorhanden

Trotz Schuldenmalaise: Freie Mittel für Neues sind vorhanden, auch wenn die deutsche Gesetzgebung Risikokapital eher behindert denn fördert. Anders aber als in den hysterischen Dotcom-Jahren der Jahrtausendwende überschütten Investoren die frischen Ideen nicht mehr in blinder Euphorie mit Geld. Großzügig geben sie sich bei der Unterstützung mit Know-how, Kontakten und praktischen Hilfen. Von "Schicken Sie uns hier Ihren Businessplan"-Fenstern auf der Website über voll ausgestattete Büros bis zur Vermittlung von Führungskräften reichen die Offerten von Venture-Firmen und Förderinstituten.

Das Rundum-sorglos-Paket müssen sich Neu-Entrepreneure des Jahrgangs 2012 allerdings hart verdienen. Nie stellten die Aufbauhelfer so hohe Anforderungen an ihre Schützlinge wie heute. Mit diffusen Fantastereien, wie ein neues Angebot Umsätze und Gewinne erzielen soll, kommen die Gründer nicht mehr durch: Neben einer überzeugenden Geschäftsidee mit klarer Umsatz- und Gewinnperspektive müssen sie konkrete Prognosen vorlegen, ihre Fortschritte ständig an Meilensteinen nachweisen, ihre Konzepte permanent dem Markt anpassen und dabei äußerst sparsam haushalten.

"Die Start-up-Szene in Deutschland hat sich stark professionalisiert", sagt Christian Thaler-Wolski, Investmentmanager der Venture-Capital-Firma Wellington Partners. "Heute trifft ein funktionierendes Ökosystem aus öffentlich-rechtlichem Anschub und privaten Risikokapitalgebern, Business Angels und Inkubatoren auf realistische und hart arbeitende Jungunternehmer."

Eine Gründer-Infrastruktur ist entstanden, die viele Spieler anzieht. Gewiefte Unternehmer wie Henrich Blase etwa. "Gründerförderung ist sehr wichtig und macht viel Spaß", sagt CEO des Vergleichsportals Check24. "Wir Gründer von Check24 wollten unsere Erfahrung unbedingt an andere weitergeben." Im März eröffnete er mit seinem Vorstandskollegen Jan Dzulko den M Cube. Um Start-ups den Anfang zu erleichtern und die Gewinnchancen bei der Suche nach dem nächsten Facebook Börsen-Chart zeigen zu nutzen.

In dem Inkubator sollen aus Ideen Prototypen reifen - wie "im geschützten Uterus" (Dzulko). Ein Jahr Zeit, zwischen 50.000 und 250.000 Euro Startkapital, ein perfekt ausgestattetes Hightechbüro samt Putzservice, Kaffeeautomat und Zugang zu Buchhaltung, Fachjuristen, Personalern und Marketingexperten stehen den Gründern dort zur Verfügung - gegen eine Beteiligung in dieser "Seed" genannten Frühphase von 15 bis 50 Prozent an der neuen Firma. Vor allem das Wissen und das Netzwerk der Initiatoren soll den Jungunternehmern helfen, tödliche Anfängerfehler zu vermeiden und ihre Entwicklung zu beschleunigen.

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