Sonntag, 16. Dezember 2018

Designer Philipp Plein Animalisch teuer

Designer Philipp Plein: Bling-Bling ist sein Ding
Philipp Plein

Der Unternehmer und Gestalter Philipp Plein hat mit seinem Label einen rasanten Aufstieg hingelegt - per Guerilla-Marketing. Reiche Russen und bling-bling-süchtige Deutsche reißen ihm seine Krokojacken für 50.000 Euro aus der Hand. Dabei ist Plein selbst erstaunlich bodenständig.

Mailand - Auf der Innenhofterrasse zwischen den zwei Showrooms - schneeweiß möbliert, auf den Tischen weiße Porzellantotenschädel und weiße Rosen - geht es zu wie auf dem Jahrmarkt: Models stöckeln über die Holzplanken, dazwischen bewegen sich piratenhaft gestylte Kreative, tätowierte bullige Helfer, bieder gekleidete Einkäufer. Es sind noch 30 Stunden bis zur Mailänder Fashion-Show. Die Atmosphäre ist euphorisch aufgekratzt, das Motto wild animalisch: "Unleash the beast".

Der Mann, um den sich an diesem Ort alles dreht, enthüllt an einem der Tische das Erfolgsgeheimnis seines erstaunlichen Modehauses. Für ihn, sagt Philipp Plein, gehe es um Mode für Menschen, die das Außergewöhnliche lieben. Während Plein redet, eilt eine mandeläugige Masseurin herbei, um dem Besucher die Schultern zu lockern. Anschließend lässt der Modeschöpfer ein vom Hauskoch bereitetes Menü kredenzen. Derlei Gastfreundschaft sei einmalig in der Stadt, versichert Plein. Ein bisschen Dekadenz soll schon sein.

Der Jungunternehmer, gerade 34 geworden, trägt Dreitagebart, das dunkle Haar aufwärts gegelt, das weiße Hemd weit offen, eine graue Glencheck-Jacke mit dunklem Samtrevers darüber, rechts am Handgelenk ein dickes Klunker-Armband, links eine klotzige Audemars Piguet Royal Oak Offshore in Rotgold, auch sie optisch ein Kracher. Seine dunkelbraunen Augen glühen, seine Worte sprudeln wie in Trance.

Ein Märchenprinz der Mode. Oder, im Idiom der Boulevardpresse: "King of Bling". "Wo er ist", bemerkte indigniert das Fachblatt "Textilwirtschaft", "ist Jetset. Reiche und sonst noch irgendwie potente Männer. Frauen, die tief blicken lassen."

Ein Mann auf Expansionskurs

Mailand, Fashion-Metropole, mittendrin die Via Bigli. Vorn an der Ecke die Stores von Jil Sander, Burberry, Alexander McQueen, nebenan die Via Monte Napoleone: Armani, Gucci, Prada, Louis Vuitton. Philipp Plein hat sich mit seinem Showroom dazwischengequetscht, auf einem Geschäftsflur über einem stillen Atrium in einem der umgewandelten Patrizierhäuser. Soll heißen: Er hat es geschafft.

Und die Zahlen, die er präsentiert, zeigen: Hier hat einer einen Bilderbuchaufstieg hingelegt, kann vor Kraft kaum gehen, platzt aus allen Nähten. "Im Moment haben wir acht eigene Läden, Ende des Jahres sollen es 17 oder 20 sein", sagt Plein. Berlin, London, Baku, Marbella werden gerade eingerichtet, auch ein Zweitladen in Moskau; in Cannes, Kitzbühel, St. Tropez und Wien ist er schon mit Stores präsent. Ein Mann auf Expansionskurs: "In den kommenden drei, vier Jahren werden wir den dreistelligen Millionenumsatz knacken."

Die Zuversicht hat ihren Grund. Gerade ist im vergangenen November mit wilder Party ein Shop auf der Kö in Düsseldorf an den Start gegangen. Er präsentiert seine schrille Luxusmode: viel Fell, Python, Leder, Swarovski-Gestein und Federputz, geziert von den allgegenwärtigen Totenköpfen, Pleins Markenzeichen. Unter der gewohnt schrillen Begleitung aus der Society: Boris Becker und Verona Pooth, die Rapper Eve und Timati, der Schauspieler Adrien Brody ("Midnight in Paris") und die Karl-Lagerfeld-Muse Baptiste Giabiconi.

Der Aufwand scheint sich zu lohnen. Die Umsätze ließen sich gut an: "Im Dezember haben wir dort 340.000 Euro generiert, 15.000 Euro pro Quadratmeter", erzählt Plein begeistert. "In unserem Geschäft in Monte Carlo haben wir auf 90 Quadratmetern im vergangenen Jahr 2,8 Millionen Euro umgesetzt. Vor zwei Jahren hatten wir praktisch keine Kunden in Asien, jetzt machen wir sechs, sieben Millionen Euro allein in China." Und das sei nur das Retail-Geschäft, 20 Prozent, alles andere ist Wholesale in klassischen Modehäusern, Maendler, Harrod's, Jades.

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