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23.05.2012
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Vorstandsassistenten
Coach oder Kuli?

Von Klaus Werle

Döpfner, Grube, Anders: Elementare Lektionen auf dem Weg nach oben
Fotos
Dirk Bruniecki, PR

Wer den begehrten Job eines Vorstandsassistenten meistern will, muss fleißig sein, loyal und klug. Für einige ist es der Turbolift nach ganz oben - für viele jedoch nur ein undankbarer Knochenjob. Ein Bericht von der Karrierefront.

Gegen halb acht am Morgen horcht Herzogenaurach noch in die Stille, ruhig liegt der Adidas-Campus am Rande des Frankenstädtchens. Neben dem firmeneigenen Stadion hockt erwartungsvoll das neue Hauptquartier: drei Streifen auf Stelzen, viel Glas und kühn schwingende Brücken im Atrium, die an Schnürsenkel erinnern sollen.

An einem der Schnürsenkelenden im dritten Stock nutzt Erika Swan (32), blond, grünblaue Augen und natürlich in Adidas-Bluse, die Gunst der frühen Stunde. 15 Termine weist ihr Kalender für die kommenden zwei Tage auf, Meetings, Telefonkonferenzen, Besprechungen, eng getaktet, kaum Pausen. Für Präsentationen, Protokolle, E-Mails bleiben ihr nur die Randzeiten.

Um zehn steht ein "Strategy Champions Alignment Call" mit Führungskräften in aller Welt an. Besprochen werden die Fortschritte auf der "Route 2015", der Ende 2010 verabschiedeten Gesamtstrategie des Sportartiklers. Swan hat die fernmündliche Konferenz vorbereitet; am Ende muss sie die Resultate für ihren Chef zusammenfassen. "Mein Job ist es, Glenn den Rücken freizuhalten, damit er über alles informiert ist, aber nur mit wichtigen Entscheidungen behelligt wird."

Glenn Bennett: Vorstand Global Operations (GOP), als Chief Operating Officer zuständig für Einkauf, Produktionsplanung und Logistik von Adidas Chart zeigen. 3000 Mitarbeiter, 35 Standorte, 450 Millionen Produkte, zu 95 Prozent hergestellt von unabhängigen Vertragslieferanten. Ein Koordinationsalbtraum. Oder, wie Bennett sagen würde: eine sehr schöne Herausforderung.

Winterkorn, Großmann, Grube, Döpfner: Vom Assistenten zum Chef

Swan: Seit einem Dreivierteljahr Bennetts Assistentin und somit Inhaberin einer Position, welche die Fantasie talentierter Young Professionals ins Kraut schießen lässt wie kaum eine zweite. "Keine andere Stellung bietet Berufsanfängern einen derart tiefen und umfassenden Einblick in ein Unternehmen aus der Perspektive des Topmanagements", wie Christoph Gottschalk von der Personalberatung Russell Reynolds sagt.

Mit gebetsmühlenhafter Routine wird die Position als Sprungbrett und Turbo für den Aufstieg gelobt. Martin Winterkorn, Jürgen Großmann, Rüdiger Grube, Mathias Döpfner - wie Sterne blitzen am Karrierefirmament die Namen derer, die es vom Assistenten des Vorstands zum Vorsitz desselben geschafft haben.

Doch die Position kann je nach Unternehmen, Bereich und - vor allem - dem jeweiligen Chef extrem unterschiedlich ausfallen. Vorstandsassistenten können zum geachteten Sparringspartner avancieren wie bei René Obermann, der sich mit seinen Assistenten "von Nutzer zu Nutzer" über Web-Trends austauscht - oder als gehobener Privatsekretär versauern wie unter dem Ex-Vorsteher einer Frankfurter Großbank, der sich gern morgens den Friseur ins Büro bestellte, abgeholt vom Assistenten.

Sie konnten schon immer steil nach oben schießen, wie die Ex-Eon-Granden Hans Michael Gaul, Ulrich Hartmann und Henrich Wilckens, die alle durch die Assistentenschleiferschule des legendären Rudolf von Bennigsen-Foerder gegangen waren. Oder enden wie Ex-VW-Mann Klaus-Joachim Gebauer, Kurzzeitvorstandsassistent und Personalmanager für sehr spezielle Spezialaufträge ("Gebauer, wo bleiben die Weiber?"), Kündigung und Gerichtsverfahren inklusive.

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Geliehene Macht

  • Anforderungen
    Bestnoten, oft Promotion oder MBA, sicherer Auftritt, Führungserfahrung (Vereine, Universität, Schule). Berufserfahrung (drei bis fünf Jahre) ist oft Bedingung.
  • Aufgaben
    Alles, was das Sekretariat nicht kann und wozu der Vorstand keine Lust hat, also Sitzungen und Auftritte des Chefs vor- und nachbereiten, Protokolle, Reden, Präsentationen schreiben. Das Gehalt liegt zwischen 50.000 und 85.000 Euro für Einsteiger und Berufsanfänger; mit Berufserfahrung auch deutlich über 100.000. Wichtig für den weiteren Aufstieg: sich mit eigenen Projekten profilieren.
  • Anschlussjob
    Nach einer Zeit von zwei bis drei Jahren sollte eine operative Funk tion folgen, am besten mit Personalverantwortung.

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