Freitag, 23. Februar 2018

Acht Wachstumstreiber Die Billionen-Dollar-Chance

Knappe Rohstoffe, neue Netze, aufstrebende Mittelschicht: Acht Wachstumstreiber werden das globale Wachstum stimulieren. Es geht um knappe Ressourcen und den Export von Wissen. Ein Blick in die Märkte der Zukunft.

Grüne Effizienz, Sieg über Seuchen, Schönes für die Reichen: Deutsche Unternehmen sind im Wettkampf um die Zukunftsmärkte gut positioniert
Hans-Ulrich Osterwalder / Peter Schrader
Grüne Effizienz, Sieg über Seuchen, Schönes für die Reichen: Deutsche Unternehmen sind im Wettkampf um die Zukunftsmärkte gut positioniert
Tick, tick, tick - im Millisekundentakt picken 96 dünne Metallstifte Bakterienkulturen aus dem Nährmedium. Ist der Greifarm voll beladen, schwenkt er hinüber zu einer Trägerplatte, auf der Krankheitserreger sitzen. Ihnen injiziert der Roboter die in den Bakterien gezüchteten Antikörper, steril und durch eine Glashaube von der Umwelt isoliert.

Mit dem hochmodernen Laborgerät testen die Wissenschaftler der Morphosys AG, welche der rund 45 Milliarden menschlichen Immunstoffe aus ihrer Genbibliothek eine bestimmte Krankheit bekämpfen könnten. Für große Pharmakonzerne fahndet das Biotechunternehmen aus Martinsried bei München nach neuen Wirkstoffen gegen Krebs, Rheuma oder Osteoporose.

Derzeit erprobt der Medikamentenmulti Roche Börsen-Chart zeigen im klinischen Versuch eine von den deutschen Biotechnologen entwickelte Substanz: Gantenerumab, ein Mittel gegen Alzheimer. Die Zwischenergebnisse seien vielversprechend, sagt Morphosys-Finanzchef Jens Holstein. "Wenn der Wirkstoff tatsächlich den Ausbruch der Gehirnzerstörung verhindern kann, haben wir ein Multimilliardenmedikament." 2015 sollen die endgültigen Resultate der Studie vorliegen.

Gantenerumab ist nur eines von 78 Forschungsprogrammen, die derzeit in den Labors in dem ehemaligen Bauerndorf Martinsried am südwestlichen Rand von München laufen. Zwischen Obi und Outlet entsteht die Zukunft: Morphosys und andere Biotechfirmen entwickeln im oberbayerischen Bio-Valley neue Produkte für einen der größten Wachstumsmärkte überhaupt: die Gesundheitsversorgung der rapide alternden Bevölkerung in den reichen Ländern.

Therapien gegen Altersleiden sind eines von insgesamt acht Zukunftsfeldern, die in den kommenden Jahren entstehen. Das zeigt eine Studie der internationalen Unternehmensberatung Bain & Company exklusiv für manager magazin. Danach eröffnen sich rund um den Globus neue große Wachstumspotenziale: Auf überwältigende 27 Billionen Dollar beziffern die Bain-Experten bis zum Jahr 2020 das Volumen der neuen Märkte. Eine riesige Zahl - hinter der sich große Chancen verbergen.

Der Westen muss erfinderischer werden

Für die westlichen Länder ist die Erschließung dieser neuen Märkte womöglich die letzte Möglichkeit, sich aus der fatalen Abwärtsspirale von Finanz- und Wirtschaftskrisen zu retten. Die USA, Europa und Japan, die seit den 90er Jahren nur noch wenig Eigendynamik entwickelten, dafür aber gigantische Schulden anhäuften, könnten durch die neue Nachfrage wieder auf einen steileren Wachstumspfad einschwenken und damit ihre Probleme lindern. Allerdings nur unter einer Voraussetzung: Sie müssen erfinderischer werden.

Sich mit frischem Schwung aus Beinahestagnation und Schuldenfalle zu befreien wird nur gelingen, wo Unternehmer und Wissenschaftler jene Produkte entwickeln, die in Zukunft international begehrt sind. "Dieses enorme Wachstumspotenzial erschließt sich zu großen Teilen über Innovationen", sagt Rolf-Magnus Weddigen, Deutschland-Geschäftsführer von Bain.

An dieser Herausforderung drohen etliche reife Volkswirtschaften zu scheitern. So bewerten die Autoren der Studie etwa die derzeitige Lage Italiens und Japans äußerst kritisch - auch weil sie für die neuen Märkte schlecht gerüstet seien. Für Deutschland jedoch sind sie überaus optimistisch: "Die hiesigen Unternehmen sind Meister der Innovation und sollten auch in Zukunft vom globalen Wachstum profitieren können", sagt Weddigen. Und er prophezeit: Wer jetzt in die sich abzeichnenden strukturellen Trends investiere, werde von der Dynamik der Weltwirtschaft mitgezogen.

Die Bain-Experten haben ein umfangreiches Kompendium zusammengestellt. Für die "großen acht" der Wachstumsthemen - so der Titel der Studie - errechneten sie jeweils das Umsatzpotenzial für die Jahre bis 2020.

© manager magazin 3/2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH