Freitag, 3. Juli 2015

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Quelle-Erbin schlägt zurück Die späte Rache der Madeleine Schickedanz

Im Visier der Justiz: Schickedanz gegen Sal. Oppenheim
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DPA

9. Teil: Das Schlussdrama im Privatjet - "wenigstens ein Kopfkissen soll mir bleiben"

Pollakowski war es auch, der am Folgetag mit dem Esch-Adlatus Froese vor dem Notar Alexander Bell eine Vielzahl von Urkunden unterschrieb. Sie enthielten Abtretungserklärungen, Grundschuldbestellungen und Unterwerfungen unter die sofortige Vollstreckung.

Im Ergebnis wurde Frau Schickedanz' Privatvermögen zur Absicherung der Oppenheim-Kredite eingesetzt. Damit die Urkunden rechtsgültig wurden, mussten Frau Schickedanz und ihr Ehemann sie nachträglich genehmigen. "Ob das Mädchen wohl auch weiß, was sie da alles zu unterschreiben hat?", soll der Notar zu Pollakowski gesagt haben.

Am selben Tag soll Esch Frau Schickedanz und deren Ehemann Leo Herl nachdrücklich gebeten haben, am nächsten Morgen nach Köln zu kommen. Was nun angeblich folgte, wird im Klageentwurf unter der plakativen Überschrift "Die Erpressung im Flugzeug" geschildert.

Langes Warten im Privatjet auf dem Vorfeld von Köln-Bonn

Das Ehepaar wurde am 17. Oktober um 7.30 Uhr in Nürnberg mit einem Jet der Esch und Krockow gehörenden Challenge Air abgeholt und zum Flughafen Köln-Bonn gebracht. Der Pilot parkte die Maschine auf dem Vorfeld.

Nach zwei Stunden stiegen Esch und Notar Bell zu. Der Jurist legte dem Ehepaar die Urkunden vor - was diese bedeuteten, wollen Schickedanz und Herl nicht gewusst haben, was wenigstens bei dem geschäftlich erfahrenen Herl seltsam erscheint.

Dem Zögern von Frau Schickedanz sei Esch mit den Worten begegnet: "Wenn du das jetzt nicht sofort unterschreibst, bist du pleite." Sie bat ihren Vermögensverwalter, dass ihr "wenigstens ein eigenes Kopfkissen" bliebe. Esch habe ihr geantwortet: "Ein eigenes Kopfkissen besitzt du schon lange nicht mehr." Die Zitate bestreitet Esch. Er habe die Eheleute auch nicht zu den Unterschriften genötigt. Im Vordergrund habe das Interesse von Frau Schickedanz gestanden, dass ihr Kredit nicht gekündigt wurde.

Nach drei Stunden und etlichen Signaturen wurde das Ehepaar, ohne das Flugzeug verlassen zu haben, nach Nürnberg zurückgeflogen. Der heute nicht mehr amtierende Notar will sich zu den Geschehnissen nicht äußern, er beruft sich auf seine Verschwiegenheitspflicht.

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