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29.02.2012
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Quelle-Erbin schlägt zurück
Die späte Rache der Madeleine Schickedanz

Von Sören Jensen

Im Visier der Justiz: Schickedanz gegen Sal. Oppenheim
Fotos
DPA

4. Teil: Ein geheimnisvoller Ablaufplan und ein ungenannter Hauptaktionär

Mitte 2001 wollte Madeleine Schickedanz ihren Aktienanteil von 25 auf 30 Prozent erhöhen. Für die Aufstockung brauchte sie einen Kredit. Die Zeit drängte, denn ab 2002 würde ein Großaktionär verpflichtet sein, beim Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle ein Übernahmeangebot abzugeben. Das hätte Frau Schickedanz nicht finanzieren können. Ein Bekannter stellte den Kontakt zu Sal. Oppenheim her. Die Bank lieh der Schickedanz-Firma Grisfonta 120 Millionen Euro zum Aktienkauf.

Die nunmehr bestehende Kundenbeziehung zu Madeleine Schickedanz weckte wohl weitergehende Fantasien. Nach Vermutung der Anwälte hätten Esch, Krockow & Co. den Entschluss gefasst, sich über die Kreditnehmerin beherrschenden Einfluss auf KarstadtQuelle zu verschaffen und sich so lukrative Geschäftschancen zu eröffnen.

Aus dem August 2001 liegt ein "Ablaufplan" vor, der nach dem darauf befindlichen Diktatzeichen Esch und seinen leitenden Angestellten Dirk Froese (59) als Autoren ausweist. Froese allerdings bestreitet, an der Erstellung des Vermerks beteiligt gewesen zu sein. Zwar sei er sich mit Esch nach wie vor in sämtlichen Punkten der Geschäftsführung einig. In den fraglichen Vermerk sei sein Namenskürzel jedoch lediglich "routinemäßig" eingesetzt worden.

Wie auch immer, diesem Ablaufplan zufolge sollte eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) mithilfe eines "Sicherungsgebers" 10 bis 12 Prozent "einer deutschen Aktiengesellschaft" kaufen. Bei Veräußerung der Aktien würde der Sicherungsgeber 55 bis 65 Prozent des Gewinns erhalten, die GbR den Rest.

"Der Hauptaktionär" werde binnen 12 bis 18 Monaten einen 10-jährigen Gesamtvermögensverwaltungsvertrag (GVV-Vertrag) mit einer Oppenheim-Esch-Firma abschließen. Unklar bleibt, ob tatsächlich KarstadtQuelle und Frau Schickedanz gemeint waren. Die kannte zu diesem Zeitpunkt weder Esch noch suchte sie einen Vermögensverwalter.

Protokoll außerhalb der Tagesordnung

Einen ersten Kontakt stellte Urban her. Er sprach im August 2001 Frau Schickedanz' Ehemann Leo Herl an. "Ich muss Sie mit einem interessanten Mann bekannt machen", soll Urban zu Herl gesagt haben. Die beiden fuhren zu Eschs Hauptquartier nach Troisdorf. Dort trafen sie auch Oppenheim-Chef Krockow.

Konkretisiert wurde das Projekt KarstadtQuelle in einer Oppenheim-Gesellschafterversammlung vom 12. Februar 2002. Esch war ebenfalls anwesend. Ausweislich eines "Protokolls außerhalb der Tagesordnung" waren nun drei GbR vorgesehen, die jeweils für bis zu 250 Millionen Euro höchstens 4,9 Prozent KarstadtQuelle-Aktien kaufen sollten. Gemeinsam mit Schickedanz würden diese GbR über die Mehrheit verfügen.

Der Handelskonzern - so wird im Protokoll niedergelegt - solle sich verpflichten, Grundstücke zur Bebauung oder Sanierung an Oppenheim-Esch-Firmen zu verkaufen und langfristige Mietverträge für diese Immobilien abzuschließen.

Als Ziel wird auch genannt: "Frau Madeleine Schickedanz verpflichtet sich, über das gesamte private Vermögen einen GVV-Vertrag mit einer Laufzeit von zehn Jahren zu unterzeichnen." Mit der Betroffenen selbst hatten nach ihrer Darstellung bis dahin allerdings weder Esch noch die Bankoberen gesprochen.

Die schriftlich fixierte Absicht war einerseits, Fonds-Investments für Oppenheim-Kunden zu schaffen - verbunden mit erheblichem Gewinnpotenzial für die Initiatoren. Andererseits könne man Einblick in die Weiterentwicklung von KarstadtQuelle gewinnen.

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