Mittwoch, 8. Juli 2015

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Quelle-Erbin schlägt zurück Die späte Rache der Madeleine Schickedanz

Im Visier der Justiz: Schickedanz gegen Sal. Oppenheim
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DPA

10. Teil: Schrecken ohne Ende für die neue Eigentümerin Deutsche Bank

Nach der Insolvenz von Arcandor focht Frau Schickedanz sämtliche Erklärungen an, auch die Darlehensverträge. Ihre Anwälte argumentieren, es bestehe keine Pflicht zur Rückzahlung, da es sich um Scheingeschäfte gehandelt habe. Bereits getilgte Beträge seien zu erstatten.

Alles in allem hätten die Vermögensverwalter in eklatanter Weise ihre Pflicht verletzt. Sie hätten Frau Schickedanz über ihre wahren Absichten getäuscht und überdies den Grundsatz der Risikostreuung missachtet. Durch die Investition in KarstadtQuelle-Aktien sei ein gewaltiges Klumpenrisiko entstanden.

Und das, obwohl Madeleine Schickedanz angeblich stets betont habe, dass es ihr nicht um große Erträge, sondern um den Kapitalerhalt gehe. "Ich will in Ruhe alt werden", habe sie stets zu Esch gesagt. Ihr müsse in jedem Fall ein Vermögen von 500 Millionen Euro bleiben. Heute hat sie weit weniger, und Oppenheim sowie die Bürgen fordern von ihr die Rückzahlung dreistelliger Millionendarlehen.

Obendrein hätten Esch & Co. ihr im März 2006 verschwiegen, dass es ein Angebot zum Kauf ihres KarstadtQuelle-Pakets gegeben habe. Esch hatte eine solche Offerte 2011 im SPIEGEL-Interview erwähnt. Er habe Frau Schickedanz mehrfach den Verkauf empfohlen, sie habe aber abgelehnt.

Stimmt nicht, entgegnen die Anwälte, sie habe von dem Angebot gar nicht erfahren. Esch und die Bankiers hätten den Verkauf vereitelt, weil dieser ihre eigenen Pläne "konterkariert" hätte.

Ein nicht ganz schlüssiger Vorwurf, denn das Gros der begehrenswerten Konzernimmobilien war ja bereits verkauft. Es kursiert auch die Darstellung, Frau Schickedanz sei von Konzernchef Middelhoff über die Offerte informiert gewesen. Wie auch immer: Auf Basis des damaligen Aktienkurses fordern die Juristen 946 Millionen Euro Schadenersatz.

Sal. Oppenheim weist pauschal alle Vorwürfe zurück, die Darstellung sei "nicht nachvollziehbar". Zu Details könne man wegen des Bankgeheimnisses nichts sagen. Die Schickedanz-Anwälte haben sich gegenüber Sal. Oppenheim zum Schweigen verpflichtet, solange verhandelt wird.

Weitgehende Zugeständnisse der Bankiers scheinen allerdings unwahrscheinlich. Andere enttäuschte Kunden würden Forderungen nachschieben - ein Schrecken ohne Ende für die neue Eigentümerin Deutsche Bank.

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