Samstag, 18. November 2017

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Ungewöhnliche Marathons: Gute Ziele für gute Läufer
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AFP

42,195 Kilometer Qual und Lust. Viele Manager sind vom Marathon fasziniert. Der Ex-Banker und heutige Lauftrainer Andreas Butz unterstützt Führungskräfte beim Faible für die Langstrecke. Er sagt: Wer körperlich fit wird, kommt auch beruflich richtig auf Trab. 

Peking - Ein sonniger Samstagvormittag im Sommer. Pünktlich zur verabredeten Stunde stehen sich am Eingang eines pagodenreichen Parkgeländes im Nordosten von Pekings Zentrum zwei drahtige Herren gegenüber, beide mit blondem Haar über hoher Stirn, beide in T-Shirt und schwarzen Läufershorts.

Karl-Thomas Neumann, CEO der Volkswagen Group China, und Andreas Butz, Lauftrainer mit mehr als 90-facher Marathonübung, haben sich zum gemeinsamen Traben verabredet. Der VW-Obere hat überdies einen gut 20-köpfigen Trupp des firmeneigenen Runners Club dabei, den er sechs Monate zuvor gegründet hat, darunter zwei Assistenten, sogar einen Praktikanten. Ein paar Dehnübungen vorweg, dann geht es in lockerem Lauf für eine Stunde auf den Kurs. Die Chinesen im Park, die sich ihre freie Zeit lieber mit tändelndem Ballspiel und allerlei Tanzvorführungen vertreiben, staunen nicht schlecht über die schweißtreibende Mühsal der Langnasen aus Deutschland.

Neumann, erfährt Butz, ist begeisterter Langstreckenläufer und hat die Marathondistanz von 42 195 Metern seit 2002 bereits in Hamburg, Berlin, Frankfurt, Prag, Kopenhagen, Macao, Hongkong und New York absolviert.

"Ich laufe vor allem, um mich zu entspannen", bekennt der promovierte Elektrotechniker. "Der Rhythmus über eine längere Strecke lässt mich wunderbar abschalten, aber auch entspannt über berufliche Fragen nachdenken. Schon häufig habe ich Lösungsansätze beim Laufen gefunden."

Laufen zahlt sich auch im Job aus

Butz kann derlei bestens nachvollziehen, hat er doch einst selbst als Manager eine steile Karriere gemacht. Bis den gelernten Banker der Wirbel der New Economy physisch aus der Bahn warf. Nach zwei Hörstürzen binnen eines Jahres nahm er eine Auszeit - und entdeckte das Laufen als neue Berufung.

Mittlerweile hat sich Butz als Lauftrainer und Buchautor etabliert. Seine Fitnesslehre ist einleuchtend: Laufen kann (fast) jeder, und das (fast) überall, wer sich viel bewegt und geeignet ernährt, schafft sich entscheidende Wettbewerbsvorteile. Und Butz kann eindrucksvolle Trainingserfolge vorweisen. Etwa bei übergewichtigen Managern, die er, wo sie zuvor träge und unfroh dahinlebten, mithilfe eines individuell angepassten Trainingsplans binnen eines halben Jahres auf Trab gebracht hat. Auf dem Laufkurs und in ihrer Karriere.

Denn auch im Job, ist Butz überzeugt, zeigt das Lauftraining Wirkung. Und so ist er für ein neues Werk unterwegs, das im Frühjahr erscheinen soll. In dem er am Beispiel leibhaftig laufender Manager wie Karl-Thomas Neumann demonstrieren will, wie hilfreich die Ausdauerbewegung für Wohlergehen und Karriere sein kann. Arbeitstitel des geplanten Laufwerks: "Schwitzen für Erfolg".

In der Tat ist die hohe Affinität zwischen Management und Marathon, Ausdauerlauf und Berufserfolg auffällig. Deutlich stach dies in einer Erhebung am Rande des Frankfurt Marathons ins Auge. Dort hatten vor drei Jahren knapp 4000 Läufer an einer Studie des Geldhauses Dresdner Kleinwort teilgenommen, "die einen direkten Zusammenhang zwischen beruflicher Karriere und persönlichen Bestzeiten im Marathon belegt".

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