Donnerstag, 16. August 2018

Flugchef Mehdorn in Nöten Air Berlin bleibt in Turbulenzen

Übersicht: Air Berlins teure Freunde
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DPA

Nach Jahren wilder Expansion ist Deutschlands zweitgrößte Airline finanziell ausgezehrt. Notchef Hartmut Mehdorn setzt auf einen Investor, der Air Berlin retten soll. Dabei steuert er selbst geradewegs in die Irre.

Hamburg - Es war ein Reise-Marathon zum Jahresende, und so weit kommen normale Passagiere von Air Berlin nur selten. Heute Dubai, morgen New York - Hartmut Mehdorn (69) steuerte in den Wochen vor Weihnachten in reger Folge Ziele jenseits der Mallorca-Distanz an. Die Mission des Air-Berlin-Kapitäns war stets die gleiche: Verbündete gewinnen, die Air Berlin, die schwer angeschlagene Nummer zwei der deutschen Luftfahrt, vor dem Absturz bewahren.

In New York konferierte er mit Funktionären des Airline-Verbunds Oneworld. Im März 2012 will Air Berlin der Allianz beitreten. Inmitten von Aero-Klassikern wie British Airways Börsen-Chart zeigen oder Qantas Börsen-Chart zeigen hofft Mehdorn auf neuen Halt für seine Flotte.

In Dubai trafen er und sein Finanzmann Ulf Hüttmeyer (38) mit James Hogan (55) zusammen, dem Chef der Golf-Airline Etihad. Die hat zwar wenig Erfolg vorzuweisen, dafür umso mehr Geld. Die Regenten von Abu Dhabi päppeln Etihad großzügig - und künftig auch Air Berlin. Tatsächlich kam ein Pakt zustande: Etihad erwarb durch eine Kapitalerhöhung einen Anteil von 29,2 Prozent.

Eine Blitzsanierung durch Retter aus dem Morgenland? Wohl kaum. Eher ein Zeichen der Verzweiflung. Für mickrige 73 Millionen Euro frisches Kapital geben die Alteigner fast 30 Prozent ihres Unternehmens her. Die geplanten Gemeinschaftsflüge mit Etihad sollen den Berlinern gut 35 Millionen Euro im Jahr einbringen. Das klingt nach viel, ist für die lebensbedrohlich erkrankte Airline aber nicht mehr als ein Tübchen Salbe.

Das neue Bündnis verschafft Air Berlin Börsen-Chart zeigen ein wenig Luft. Doch den entscheidenden Beitrag zum Überleben, da ist sich die Fachwelt einig, muss die Airline selbst leisten. Und hier bleibt vor allem eine Frage offen, die ein Manager einer internationalen Fluglinie so formuliert: "Wie schafft es Air Berlin, aus eigener Kraft Geld zu verdienen?"

Oder anders gefragt: Ist Air Berlin überhaupt noch zu retten?

Denn vom eigentlichen Ziel kommerziellen Strebens ist Air Berlin auch unter Mehdorn weit entfernt. Die Airline schreibt hohe Verluste. Und sie besitzt offenbar kein Konzept, das in absehbarer Zeit zu ändern.

© manager magazin 1/2012
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