Chinamanager magazin RSS  - China

Alle Artikel und Hintergründe


02.02.2012
Twitter GooglePlus Facebook

Konjunktur
China braucht radikalen Kurswechsel

Von Wolfgang Hirn

Folgen für Deutschland: Was passiert, wenn China schwächelt?
Fotos
AFP

Exportschwäche, Immobilienblase - mit China ist auch der letzte Motor der Weltwirtschaft ins Stottern gekommen. Nur ein radikaler Kurswechsel kann das Reich der Mitte vor der Krise bewahren. Für Deutschland steht viel auf dem Spiel.

Wuhan, eine Sieben-Millionen-Metropole mitten in China: An einer der Haupteinkaufsstraßen stehen in Zehn-Meter-Abständen junge Männer und Frauen und drücken den Passanten bunte Prospekte aus Hochglanzpapier in die Hand. Es sind keine Reklamezettel der umliegenden Kaufhäuser. Nein, sie sollen zum Kauf von Wohnungen animieren, in Apartmentblocks mit so pompösen Namen wie "Evergrande City" oder "Livable Cannes".

Angela Merkel dürfte während ihres dreitägigen Besuchs in China die gestiegene Unsicherheit spüren. Nicht nur wegen des für Herbst geplanten Generationswechsels an der Spitze der Kommunistischen Partei. Bereits jetzt hat sich das Bild auf der Straße geändert: Überall in China werden derzeit massenhaft Immobilien auf den Markt geworfen.

In Peking stehen die Makler sogar selbst auf der Straße und bieten marktschreierisch Wohnungen feil. Deutliche Zeichen einer Blase. Der stürmische Immobilienboom der vergangenen Jahre, als die Preise stiegen und stiegen, ist vorbei. In Shanghai geben große Entwickler wie Vanke oder Longfor derzeit Preisnachlässe von bis zu 30 Prozent.

Diejenigen, die zu hohen Preisen gekauft haben, fühlen sich über den Tisch gezogen. Vor allem in Shanghai stürmen immer wieder mal frustrierte Wohnungsbesitzer die Büros von Immobilienmaklern. Viele Wohnungen stehen leer. Neue Apartments werden kaum noch gebaut.

Schwächelt der Wohnungsbau, wankt der Wirtschaftsriese China

Die Baubranche ist in der Bredouille. Nicht nur die großen und kleinen Developer haben Probleme, sondern der gesamte wohnungswirtschaftliche Komplex - vom Zementmischer bis zum Bauunternehmer. Und dieser Sektor macht in China rund 10 Prozent der volkswirtschaftlichen Leistung aus. Schwächelt der Wohnungsbau, wankt auch der Wirtschaftsriese China.

Die schwelende Immobilienkrise ist nur eine von diversen Verspannungen, die Chinas Wirtschaft derzeit quälen. Der Exportsektor leidet, weil die Turbulenzen in Europa und den USA natürlich auch den Exportweltmeister China treffen. Dazu kommen weitere, hausgemachte Schwierigkeiten: ein undurchschaubarer grauer Kreditmarkt, der eine Bankenkrise auslösen könnte, und die extremen sozialen Ungleichgewichte.

China steht an einem Wendepunkt. Alle Experten sind sich einig, dass sich das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP), derzeit bei 9 Prozent, abschwächen wird. Die Frage ist nur, wie stark. Auf 7 oder gar 5 Prozent?

Die Antwort wird gravierende Folgen für die Weltwirtschaft haben, denn China ist deren letzte große Lokomotive. Rund ein Viertel steuert das Land derzeit zum globalen Wachstum bei. Verlangsamt sie sich, verstärkt sich der weltwirtschaftliche Abschwung.

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • deli.cio.us
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live


Welche Folgen Chinas Schwäche für Deutschland haben kann

  • Abhängig
    Was passiert, wenn China schwächelt? Exklusiv für manager magazin hat das Institut Kiel Economics diese Frage beantwortet. Die Experten gingen von einem 5-prozentigen Rückgang der Industrieproduktion aus; Vorbild für dieses Szenario ist die Rezession 2009. In der Folge würde der deutsche Export zurückgehen und das BIP über mehrere Jahre um bis zu 0,7 Prozentpunkte niedriger ausfallen. Ein herber Rückschlag in einer Phase ohnehin schwachen Wachstums. Keine andere westliche Volkswirtschaft ist nach Berechnung von Kiel Economics so eng mit China verflochten wie die deutsche.
  • Verbunden
    Chinas eigener Export wiederum hängt von der Kauflust westlicher Konsumenten ab. Entsprechend heftig wirkt sich die Dauerkrise in Europa und den USA auf die chinesische Industrie aus.
  • Verhalten
    Chinas Binnenwirtschaft kann noch nicht für Entlastung sorgen. Der Investitionsboom - rund 40 Prozent des BIP fließen in Maschinen, Anlagen und Infrastruktur - schwächt sich ab, weil Überkapazitäten entstehen. Entsprechend ruhen die Hoffnungen auf den chinesischen Konsumenten. Doch die geben sich knauserig: Die Sparquote liegt inzwischen bei sagenhaften 50 Prozent der Einkommen.

Das neue manager magazin

Heft 5/2014
Der große Kehraus
Führungschaos, Managementfehler, Preiskrieg - verliert der Discounter den Zweikampf mit Aldi?










Service
manager-magazin-AbonnementAbo-Service
Ihr persönliches DepotDepot
Twitter-FeedsTwitter-Feeds
manager magazin mobilmm mobil
Partnerangebote
Seminarmarkt: Tanken Sie Karrierewissen Seminarmarkt:
Tanken Sie Karrierewissen
GehaltsCheck: Verdienen Sie genug? GehaltsCheck:
Verdienen Sie genug?
Handytarife: Finden Sie den passenden Tarif Handytarife:
Finden Sie den passenden Tarif