Freitag, 28. August 2015

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Führungswechsel Zeitenwende bei Beiersdorf

Auf Erfolg gebürstet: Stefan Heidenreich ist der künftige CEO des Nivea-Konzerns

Der künftige Vormann Stefan Heidenreich bringt mit, was dem Hamburger Kosmetikkonzern fehlt - Ehrgeiz, Dynamik und große Töne.

Hamburg - Das mächtige Kinn nach vorn gereckt, zeigt er Zähne. Aus den Mundwinkeln lugt hinter routiniert dargebotener Freundlichkeit ein tief empfundenes Selbstbewusstsein hervor. Das kurz geschorene Haupthaar verrät Zielstrebigkeit und Disziplin. Kein Zweifel, Stefan Heidenreich, der Mann, um den es hier geht, ist auf Erfolg gebürstet.

Dieser Ehrgeiz hat ihn weit getragen. Zu Reichtum - sein Vermögen dürfte im oberen zweistelligen Millionenbereich liegen. Und zu erhabenen Karrierehöhen - am 26. April wird Heidenreich, bisher Chef des Schweizer Mittelständlers Hero (Marmeladen, Babynahrung), zum Mr. Nivea aufsteigen, zur Nummer eins des Dax-Konzerns Beiersdorf Börsen-Chart zeigen.

Dort, auf dem zuletzt etwas erodierten Götterberg in der norddeutschen Tiefebene, konnten viele der 120 Topmanager den 49-Jährigen Neuzugang eine Woche vor Weihnachten erstmals in Augenschein nehmen. Sie sind in Hamburg für zwei Tage zum halbjährlichen Global Leadership Congress des Konzerns zusammengeströmt. Heidenreich tritt als Gast auf. Denn erst Anfang Januar 2012 rückt er offiziell bei Beiersdorf ein, zunächst für vier Monate als einfaches Vorstandsmitglied.

So groß die Neugier, so knapp fällt die Präsentation des Anwärters aus. Heidenreich, ohnehin kein Mann der üppigen, geschliffenen Rede, will respektvoll erscheinen, dem amtierenden Vormann Thomas-Bernd Quaas (59) nicht die Show stehlen. Da fügt er sich in die Beiersdorf-Kultur, die viel Wert auf zurückhaltende Umgangsformen legt.

Er wolle zunächst die Mannschaft in Gesprächen besser kennenlernen, gibt Heidenreich in bestem Englisch kund. Dabei werde er vor allem zuhören. "Eine Einarbeitungszeit bis zur Übernahme des Vorstandsvorsitzes sehe ich als Chance, die man nicht oft bekommt. Ich werde sie nutzen." Am zweiten Tag, nach Kleingruppenrunden, dann in den Pausen die ersten Einschätzungen: Das Spitzenpersonal ahnt, hier meint es jemand ernst.

Glanz der Marke Nivea ist verblasst

Tatsächlich ist Heidenreich bekannt dafür, gern im hohen Drehzahlbereich zu operieren. "Heidenreich ist ein Dynamiker", bestätigt Rick Fulghum, langjähriger Begleiter des Managers und Partner des Münchener Personalvermittlers Rickert & Fulghum. Er sei ein Freund des klaren Worts, berichten andere, komme gern ohne Umschweife zur Sache und habe keine Hemmung, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Vor Jahren, als er Vertriebschef beim inzwischen in Sky Börsen-Chart zeigen umbenannten Bezahlsender Premiere war, hätte ihn die Belegschaft wegen seiner nordisch herben Schnoddrigkeit gar fast rausgemobbt.

Damals war der gebürtige Kieler gerade mal Anfang 30. Inzwischen habe er sich entwickelt. "Er ist gereift, und aus dem jungen Heißsporn ist ein erfahrener Manager geworden", meint Fulghum.

In seinem Inneren allerdings regieren nach wie vor Sturm und Drang. Diese Eigenschaften treffen auf eine Organisation, die sich oft noch selbst genug ist. Bei Beiersdorf in Hamburg-Eimsbüttel schwört man auf eine Kantine, wo man sich an großen runden Tischen gemeinsam aus Schüsseln bedient. Man pflegt den leisen Ton. Und weh tat man sich lange schon gar nicht.

Bei dem allgemeinen Sich-lieb-haben ist den Beiersdorf-Leuten allerdings die wachsende Härte des Wettbewerbs etwas aus dem Blick geraten. Branchengiganten wie Procter & Gamble Börsen-Chart zeigen und L'Oréal treiben die Hamburger in die Enge, selbst die lange müden Henkelaner sind aufgewacht. All das drückt Absatz und Marge. Der Glanz der Marke Nivea ist verblasst.

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