Samstag, 30. Juli 2016

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Großbanken Das Spiel ist aus

Banken: Ende einer Ära
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DPA

Die Ära grenzenloser Profite geht für Großbanken zu Ende. Die Masters of the Universe finden sich am Boden wieder. Finanzhäuser, die überleben wollen, müssen ihre Geschäftsmodelle radikal ändern.

Der Schweizer Josef Ackermann (63), Vorstandschef der Deutschen Bank, bewahrt in fast jeder Situation die Contenance. Selbst abwegigste Fragen von Analysten beantwortet er in freundlichem Ton; auch den gröbsten Vorwurf auf Pressekonferenzen pariert er mit einem charmanten Lächeln.

In jüngster Zeit hat die polierte Oberfläche des mächtigsten deutschen Bankers allerdings einige Risse bekommen. Vor allem im Gespräch mit Berliner Politikern zeige sich der Konzernchef neuerdings erstaunlich uncharismatisch. Die Atmosphäre, die Ackermann und seine Entourage verbreiteten, sei hektisch, bisweilen sogar gereizt, berichten Teilnehmer. Als er im Oktober mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über die Frage diskutierte, ob und wie die Deutsche Bank mit Staatskapital ausgestattet werden könnte, habe Ackermann alle Verbindlichkeit verloren. Das Telefonat soll schroff geendet haben.

Das Nervenflattern hat Gründe. Das Geldgewerbe, jahrelang eine der am besten verdienenden Branchen der Welt, wird gestutzt, mancherorts gar geschleift. Insbesondere die internationalen Großbanken werden gezwungen, ihr Geschäftsgebaren radikal zu ändern:

  • Die Politik verschärft nach langem Zögern die Regularien des Bankgeschäfts. Vor allem das Kapitalmarktgeschäft, seit Jahren einer der größten Profitbringer, fällt damit für die meisten Geldkonzerne als Geldquelle weg.
  • Die Aktionäre, frustriert über die verheerende Wertentwicklung ihrer Bankaktien, drängen auf eine neue Machtverteilung. Statt wie bisher vor allem die eigenen Investmentprofis mit üppigen Boni zu verwöhnen, sollten die Bankmanager endlich den Börsenwert ihrer Konzerne steigern und einen höheren Teil ihrer Gewinne an ihre Anteilseigner ausschütten. Ansonsten drohen die Investoren bei den anstehenden Kapitalerhöhungen mit Totalverweigerung.
  • Die Kunden wenden sich ebenfalls ab. Topleute großer Industriekonzerne fordern die Hochfinanz ultimativ auf, ihre Geschäftspraktiken zu ändern.

Die Folgen für die Banken sind dramatisch. Ihre Geschäftsmodelle, die weitenteils auf nahezu unbegrenzt verfügbarem billigem Geld und auf laxen Regeln basierten, funktionieren plötzlich nicht mehr. Eine Branche muss erkennen, dass sie jahrelang über ihre Verhältnisse gelebt hat.

Ackermann & Co. bleibt nichts anderes übrig, als die Kosten in großem Stil zu reduzieren. Zehntausenden von Bankmitarbeitern droht die Entlassung.

Auch das bislang traumhafte Gehaltsniveau der Zunft der Investmentbanker - einer zahlenmäßig überschaubaren Gruppe von weltweit kaum mehr als 200.000 Beschäftigten - befindet sich im Sturzflug.

"Das nächste Jahrzehnt", gesteht der Vorstandschef einer der weltgrößten Banken in kleinem Kreis ein, "wird für uns extrem herausfordernd. Wir segeln mitten hinein in einen perfekten Sturm."

Dabei sah es lange Zeit so aus, als könne es der Geldbranche gelingen, die Pleite der New Yorker Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 und die folgende Finanzkrise schnell zu überwinden. Dank milliardenschwerer öffentlicher Hilfen und weitreichender Staatsgarantien schafften es viele Großbanken sogar, ihre Gewinne schon zwei Jahre später wieder annähernd auf das Rekordniveau des Jahres 2007 zu hieven.

Geldhäuser wie JP Morgan Chase, Bank of America Börsen-Chart zeigen oder Barclays konnten durch die Übernahme maroder Konkurrenten sogar noch an Gewicht zulegen. Die erklärte Absicht der Politik, die Risiken des Bankgewerbes zu verringern, blieb im Ansatz stecken.

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