Freitag, 16. November 2018

Kevin Costner im Gespräch mit Michael Otto Wie viel Mut braucht ein Mann?

Kevin Costner im Gespräch mit Michael Otto: Wie viel Mut braucht ein Mann?
dpa; dapd

Kultur trifft Kommerz: Versandhauspatriarch Michael Otto und Hollywood-Leitwolf Kevin Costner debattierten am Sylter Strand über Ängste, Glück und Niederlagen. Ein Gespräch unter außergewöhnlich erfolgreichen Männern über das, was Männer wirklich bewegt - und was sie antreibt.

mm: Wenn der Name Kevin Costner fällt, sieht man auf einer imaginären Leinwand den, "der mit dem Wolf tanzt", Ihren mit sieben Oscars gekrönten Film, auch gut 20 Jahre nach der Premiere noch der erfolgreichste Western aller Zeiten. Michael Otto dagegen produziert mit 123 Unternehmen in 20 Ländern über elf Milliarden Euro Umsatz, in seinem Reich geht also die Sonne nie unter. In der Arena der Superreichen nimmt er neben den Aldis Platz. Wie ist das, wenn Supermann auf Supermann trifft?

Costner: Was uns ausmacht, ist die Freiheit, dass wir uns nie durch die Augen des anderen sehen. Wir messen die Dinge immer an unseren eigenen Bedingungen, nicht an denen anderer. Ich bin auch in meinem Alter immer noch wahnsinnig glücklich darüber, dass ich in meinem Leben wirklich das gefunden habe, wofür mein Herz schlägt. In meinen Augen macht das meinen Erfolg aus. Als ich ein junger Mann war, fiel mir in dem Moment die allergrößte Last von meinen Schultern, als mir klar war: Ich muss nicht in die Fußstapfen meines Vaters treten, ich muss nicht tun, was die Gesellschaft von einem verlangt, nämlich: "Los, arbeite was Vernünftiges." Es ist doch niemand da draußen, der dir sagt: "Na komm schon, erzähl mal eine Geschichte."

Otto: Ihr Vater war der typische Middle-class-Amerikaner?

Costner: Durch und durch. Meine Familie kommt ursprünglich aus Oklahoma und erlebte den absoluten Zusammenbruch in der Folge der Wirtschaftskrise von 1930, in den Jahren des sogenannten Dust Bowl, als eine ganze Generation von Farmern Oklahoma verlassen musste. Sie kennen vielleicht das berühmte Buch von John Steinbeck, "Früchte des Zorns", das die Tragödie der Okies beschreibt. Mit leeren Taschen zogen sie nach Kalifornien, auf der Suche nach Arbeit und Zukunft. Das sind meine Wurzeln, und schon deshalb hätte ich im Leben nie damit gerechnet, einmal in dieser glücklichen Situation zu sein. Sie wahrscheinlich auch nicht, oder?

Otto: Fürwahr nicht. Wenn Sie auf mein Leben schauen, sehen Sie eine typisch deutsche Biografie. Ich bin 1943, zwei Jahre vor Kriegsende, im damaligen Westpreußen geboren, heute Polen. 1945 ist meine Familie geflohen und landete schließlich in Hamburg. Auch wir waren bitterarm, der Hunger gehörte zum Alltag. Als Junge musste ich mich mit allerhand Gelegenheitsjobs durchschlagen. Ich glaube, das war gut und wichtig für mich, es hat meine DNA geprägt, wenn Sie so wollen. Mich mit dem Erfolg anderer zu vergleichen, auf diese Idee käme ich nicht. Ich möchte die Dinge für mich richtig machen und meinen eigenen Weg finden.

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