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28.11.2011
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Burn-out-Kliniken
Mit der Ruhe kommt die Kraft

Von Michael O. R. Kröher

Burn-out-Kliniken: Hier finden Manager Hilfe
Fotos
Dirk Bruniecki

Mit neuen Therapiekonzepten versprechen exklusive Häuser ausgebrannten Führungskräften schnelle Heilung. Die Manager sollen wieder zu einer gesunden Balance zwischen Arbeit und Privatleben finden - und lernen, sich von den Unwägbarkeiten des Berufsalltags nicht an die Wand drücken zu lassen.

Bernau - Heinz Golling streckt den Arm aus. Seine Hand beschreibt einen Bogen über eines der prächtigsten Panoramen des Voralpenlands. "Das hier ist nicht einfach ein Ausblick", sagt der Psychosomatiker, "für uns ist es eine Therapievariable."

Golling hat seine Worte sorgfältig gewählt. Er ist einer von zwei Chefärzten der Klinik "Chiemseeblick", einer nagelneuen auf die Behandlung von Burn-out und Erschöpfungszuständen spezialisierten Institution in Bernau am Chiemsee. Die Aussicht, die seine rund 180 Patienten von den Balkonen ihrer Einzelzimmer, aus dem weitläufigen Park oder vom Bootssteg aus genießen, ist mehr als kulissenhafte Dreingabe. Sie ist ein variabler - und veritabler - Bestandteil der Behandlung.

Die Balustrade der Seeterrasse, ein Patient blinzelt in die Morgensonne. Er beschreibt den Effekt so: Morgens liegen oft Nebel "wie zarte Schleier" unterhalb der im Süden emporragenden Kampenwand. Vor Gewittern jagen Sonnenflecken oder Wolkenschatten über das kabbelige Binnenmeer im Norden. Und bei Föhn schimmert die Luft, als habe "eine Fee Goldstaub verstreut".

Zufrieden nickt der Chefarzt. Bewusste, sinnliche Wahrnehmung ist eine der Methoden, mit denen seine Schützlinge lernen sollen, sich nicht mehr nur als ausgebrannte Persönlichkeiten wahrzunehmen: "Wir pflegen hier Genuss und bayerische Lebensart", sagt Golling. "Fürs Darben, Entsagen und andere Ausdrucksformen von calvinistischem Verzichtsdenken ist hier kein Platz."

Das Ausgebranntsein nimmt epidemische Ausmaße an

Das vergangene Jahr hat der stämmige Hausherr mit dem Aufbau der kürzlich eröffneten Klinik verbracht. Ein architektonisches Juwel, ursprünglich errichtet in den 30er Jahren mit einer Grandezza, die sonst nur Luxushotels in den Hochgebirgen der Neuen Welt auszeichnet.

Jetzt ist Golling neugierig, was er und sein Team von Ärzten und Psychologen, Musik-, Bewegungs- und Kunsttherapeuten, von Gourmetköchen und engagierten Servicekräften aus dem Anwesen machen: Zwischenzeitlich als Erholungszentrum für US-Soldaten genutzt, soll die Klinik "Chiemseeblick" zur ersten Adresse im deutschen Sprachraum für Burn-out-Opfer und krankhaft erschöpfte Führungskräfte werden.

Ein Anspruch, der auf ein wachsendes Bedürfnis trifft. Das Ausgebranntsein nimmt epidemische Ausmaße an: Nach einer Erhebung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK hat sich die Zahl der Krankschreibungen wegen Erschöpfungssymptomen seit 2004 verneunfacht. Fast zehn Millionen Tage waren deutsche Erwerbstätige im vergangenen Jahr deshalb arbeitsunfähig.

Sicher: Nicht jedes Zipperlein ist so dramatisch, dass gleich eine stationäre Behandlung nötig wird. Doch die schweren Fälle, bei denen auch der Körper vollkommen ausgelaugt ist, nehmen erheblich zu in Zeiten von Smartphones, pausenloser Erreichbarkeit und der Verpflichtung, jederzeit und jeden Orts auf Veränderungen zu reagieren. Sich mal eben rasch "neu zu erfinden", sich anzupassen an eigene und externe Vorgaben. Schneller, höher, weiter, mehr.

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