Samstag, 18. November 2017

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Ferdinand Piëch Die Motorik der Macht

Der VW-Patriarch: 40 Jahre Ferdinand Piëch bei Volkswagen
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DPA

Der unerbittliche VW-Patriarch Ferdinand Piëch hat die Autobranche in seinem Sinne gestaltet. Nun sichert er sein Lebenswerk. Fünf Schlüsselerlebnisse zeigen, was hinter Piëchs Erfolgen steckt - und warum er sich (fast) immer durchsetzt.

Kein Platz für schwere Audis, kein Platz für wuchtige Phaetons: Volkswagen-Manager, die sich dem Büro von Ferdinand Piëch am ruhigen Franz-Hinterholzer-Kai in Salzburg nähern, gehen die letzten Meter am besten zu Fuß. Das fördert die Durchblutung und die automobile Demut. Beides kann im Umgang mit einem der größten Automanager aller Zeiten nicht schaden.

Von einem unscheinbaren Zweckbau an der Salzach aus steuert der 74-jährige Österreicher, formal im Range des Aufsichtsratsvorsitzenden, das Volkswagen-Imperium. 127 Milliarden Euro Umsatz, 435.000 Mitarbeiter, mehr als 7 Millionen verkaufte Autos im Jahr - das alles ist im Wesentlichen Piëchs Werk.

Er sitzt in einem kleinen Raum mit hellem Holz, der Schreibtisch hinter der Tür, ein Vitrinenschrank mit Automodellen und Erinnerungsplaketten, ein Ensemble aus Metallteilen am Boden. Reichten die acht Plätze am Besprechungstisch nicht aus, würden halt ein paar Ikea-Stühle dazugestellt, berichten jene, die darauf schon gesessen haben.

Car guy, low key: Ferdinand Piëch macht nicht viel Aufhebens um seine Person und seine Umgebung. Jetzt erst recht nicht, nachdem er das Ringen um Porsche gegen das alte Management und Teile seiner Familie gewonnen hat. Er meidet die Siegerpose, um nur keine Eifersüchteleien zu provozieren in einer Sippe, die dafür so viel Leidenschaft entwickelt wie für schnelle Sportwagen.

Reden mag er über seinen Triumph und wie es dazu gekommen ist jedenfalls nicht. Er muss sich auch gar nicht produzieren. Unumstritten ist er der Wirtschaftsführer, der die vergangenen 40 Jahre in Deutschland geprägt hat wie kein Zweiter, global höchstens erreicht von Legenden wie dem gerade verstorbenen Apple-Gründer Steve Jobs. Das findet auch eine hochkarätige Jury des manager magazins, die ihn zum wirkmächtigsten Manager dieser Epoche gewählt hat.

Der 40-Jahres-Mann

Piëch hat in dieser Zeit die verschiedensten Rollen ausgefüllt. Als Entwickler hat er Schlüsseltechnologien nach vorn gebracht, als Manager Unternehmen saniert (Audi/VW). Als Oberaufseher schließlich stellt er derzeit den größten Autokonzern der Welt zusammen. Gesellschafter und Eigentümer ist er obendrein; an dem neuen Gebilde hält er etliche Anteile (siehe Grafik links "Das Piech-Imperium") . Unzählige Kämpfe hat er bestritten, am Ende gewinnt regelmäßig nur einer, auch wenn es manchmal auf Anhieb nicht so aussieht und etwas länger dauert: eben jener Ferdinand Karl Piëch.

Er ist ein Extremist im Denken und im Umgang, ein Unikat; die Grenzen unternehmerischer Freiheit und guter Unternehmensführung sind für ihn mitunter dehnbar wie Dichtungsgummi. Er geht so sparsam mit Gesten und Worten um, als wäre er das personifizierte Ein-Liter-Auto. Auf Interviewfragen antwortet er schon mal mit einem affirmativen: "Hmmh". Bereits eine hochgezogene Augenbraue sorgt bei Untergebenen für feuchte Handflächen.

Warum setzt sich dieser Mann, trotz minimalen kommunikativen Aufwands, so oft durch? Sind es die Gene (Käfer-Erfinder Ferdinand Porsche war sein Großvater)? Ist es die Sozialisation, die harte Internatsschule? Oder hilft ihm schlicht die Schwäche seiner Gegner?

Schlüsselerlebnisse aus dem Leben eines Rastlosen geben Aufschluss über Ferdinand Piëchs Siegeswillen ("Ich bin nicht gern Zweiter"). Sie zeichnen das Bild eines Mannes, der die Entwicklungsgeschichte einer ganzen Industrie bestimmt hat - und längst noch nicht vorhat, damit aufzuhören.

© manager magazin 11/2011
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