Mittwoch, 29. März 2017

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Ferdinand Piëch Die Motorik der Macht

Der VW-Patriarch: 40 Jahre Ferdinand Piëch bei Volkswagen
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6. Teil: Kapitel V: Der Erblasser

Er will den nächsten VW-Konzernchef aussuchen und sein Lebenswerk sichern - jetzt müssen die zwölf Kinder mitspielen.

Das persönliche Ziel eines Vertreters der Generation Ü70 liegt nahe: Es gilt, die Hinterlassenschaft zu ordnen. Als Milliardär, Patriarch und VW-Legende hat Piëch so einiges weiterzureichen.

Viele glauben, dass der Koloss Volkswagen nicht mehr steuerbar ist, wenn das dominante Duo Piëch/Winterkorn abtritt. Damit seinem Lebenswerk auch nach dieser Ära nicht viel passiert, ist Piëch dabei, die Schlüsselpositionen mit Leuten seines Vertrauens zu besetzen. Der nächste VW-Chef, daran besteht für Piëch-Watcher kein Zweifel, soll ein Techniker sein. Piëch fürchtet, dass das Topmanagement zu weit weg ist von den Alltagsproblemen. Ein Ingenieur besitzt diese Nähe qua Ausbildung und Intuition - so wie er eben.

Typisch für Piëch: Er denkt auch in dieser Frage einen Schritt voraus. Finanzer und Kaufleute holen schwache Entwickler an ihre Seite, um sich fortlaufenden Ärger zu ersparen. Und ein mäßiger Entwickler in der Spitze ist für den VW-Granden in etwa so erstrebenswert wie eine Rückrufaktion für Doppelkupplungsgetriebe.

Sein Vermächtnis beschränkt sich indes nicht nur aufs Personelle. Er möchte Volkswagen auch gesellschaftsrechtlich absichern. Sprich: Der Autogigant soll auch in ferner Zukunft nach dem bisherigen Muster geführt werden können, im engen Schulterschluss mit den Werktätigen.

"Ich kann nicht etwas Gewonnenes feiern"

Und das könnte so funktionieren: Piëch überträgt seine VW-Anteile auf seine beiden österreichischen Privatstiftungen, um sie dem Zugriff seiner zwölf Kinder zu entziehen. Die entsprechenden Verträge mit den Nachkommen stehen offenbar kurz vor einem erfolgreichen Abschluss. Ein Verkauf der Beteiligung ist dann laut Satzung so gut wie unmöglich. Nach Piëchs Tod wacht Ehefrau Ursula zunächst über das Erbe.

Werden Porsche und VW verschmolzen, halten die Stifter rund 3 Prozent der künftigen Volkswagen-Anteile. Kommt Plan B zum Zuge (VW übernimmt Porsche), sind es etwa 7 Prozent. Dann reicht es zusammen mit den Mitarbeiteraktien von VW zu exakt 10 Prozent, was nach traditioneller Gesellschafter-Arithmetik einem Aufsichtsratssitz entspricht.

Plan B wäre mithin für den Stiftungskonstrukteur von beträchtlichem Reiz. Im Verein mit der Arbeitnehmerbank hätte er auf ewig die Stimmenmehrheit. Das System Piëch - den Begriff hört er nicht gern - als Perpetuum regnum.

Bis es so weit ist, gibt es noch reichlich zu tun für Ferdinand Piëch. Er wird es mit der ihm eigenen Verbissenheit angehen.

Von Erfolgen lässt er sich nicht lange ablenken: "Der Kampf um das Gewinnen macht Spaß, aber ich kann nicht etwas Gewonnenes feiern." Wenn er gesiegt hat, reibt er sich kurz die Hände und macht einfach weiter: die nächste Schlacht, das nächste Ziel.

Fest geht die Volkswagen-Gemeinde davon aus, dass er nach der Hauptversammlung im Mai 2012 für eine weitere Amtsperiode den Aufsichtsratsvorsitz übernimmt, falls die Gesundheit mitmacht. Die Stimmen der Arbeitnehmer wären ihm sicher, die des Landes Niedersachsen wohl auch.

Aber er möchte einstimmig gewählt werden. Und dazu braucht er die Billigung seiner ihm nicht immer zugeneigten Verwandten.

Die Geschichte lehrt: Er wird sie am Ende bekommen.

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