Dienstag, 22. Januar 2019

Carsten Maschmeyer Goldfinger - ein Mann will ganz nach oben

Maschmeyers Reich: Bestens vernetzt und milliardenschwer
DPA

Reich ist der AWD-Gründer längst, beste Kontakte hat er auch. Nun bastelt der einstige Starverkäufer der Finanzbranche an seiner zweiten Karriere - als Geschäftsmann und Investor.

Hamburg - Von außen betrachtet, ist das Bankhaus Berenberg an der Hamburger Binnenalster ein Musterbeispiel hanseatischer Zurückhaltung. In der spärlich möblierten Kassenhalle weisen Porträts einstiger Gesellschafter dezent auf die 421 Jahre währende Geschichte der ältesten deutschen Privatbank hin. Auch das Büro des heutigen Chefs Hans-Walter Peters (56) ist eher gediegen als prunkvoll ausgestattet.

Rund 150 Kilometer südlich, am Rande des Hannoveraner Stadtwalds, wird derlei Bescheidenheit weniger zelebriert. Ein endloser Zaun mit goldenen Spitzen und meterhohe Buchsbaumhecken verdecken die Sicht auf die 2000-Quadratmeter-Villa des früheren AWD-Chefs Carsten Maschmeyer (52).

Ein Anwesen, das mit seinem opulent ausgestatteten Weinkeller, seiner Privatdisco mit Glasboden und Nebelwerfern und dem in monatelanger Kleinarbeit von japanischen Baumeistern errichteten Teehaus in der weitläufigen Gartenanlage selbst Dax-Chefs beeindruckt ("ein Palazzo im Wortsinn").

Deutlicher könnte der Unterschied zwischen altem und neuem Reichtum kaum sein. Und doch sind die Verbindungen zwischen den vornehmen Hanseaten-Bankern und dem Hannoveraner Aufsteiger enger als bisher bekannt. Es ist Geld, was die beiden Welten zusammenhält.

Auf der Suche nach potenten Finanziers

Als sich Bankier Peters und seinem Kollegen Hendrik Riehmer (43) Anfang vergangenen Jahres die Chance auftat, den 25-prozentigen Anteil der NordLB an ihrem feinen Geldhaus zu übernehmen, brauchten die Berenberg-Chefs dringend potente Finanziers. Zwar hätten sich Peters und Riehmer die nötige Summe - mehr als 50 Millionen Euro - auch bei anderen Finanzinstituten leihen können. Das aber hätte womöglich die Aufsichtsbehörde BaFin auf den Plan gerufen, die beim Erwerb von Bankbeteiligungen besonderen Wert darauf legt, dass die Käufer finanziell solide sind.

Deshalb verfielen Peters und Riehmer auf Maschmeyer, mit dem die Berenberg-Chefs schon bei diversen Geschäften zusammengearbeitet hatten. Maschmeyer zögerte nicht lange. Mitglieder seiner Familie zeichneten gemeinsam mit weiteren Geldgebern die von den Bankiers begebenen Inhaberschuldverschreibungen - und stellten so die notwendigen Finanzmittel zur Verfügung.

Für Maschmeyer und seine Familie hat der Deal jede Menge Vorteile. Er wird gut verzinst und bietet zugleich hervorragende Sicherheiten. Außerdem kann Maschmeyer darauf bauen, dass sich Peters und Riehmer nach Kräften abstrampeln werden, um ihre Schulden wie vereinbart nach wenigen Jahren zu tilgen.

Vor allem aber, und das dürfte für den früheren Verkäufer von Versicherungen und Bausparverträgen ungleich wichtiger sein, verschafft ihm die Nähe zur alteingesessenen Hamburger Privatbank genau das, was er sucht: gesellschaftliches Renommee und Akzeptanz im Unternehmerlager. Carsten Maschmeyer, Milliardär, Duzfreund von Bundespräsident Christian Wulff (52) und Ex-Kanzler Gerhard Schröder (67), will anerkannt werden als einer von denen, die es geschafft haben. Das hat er in der Tat. Der Junge aus einfachsten Verhältnissen ist ganz oben angekommen in der Welt der Unternehmer und Investoren.

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