Dienstag, 28. Juli 2015

Alle Artikel und Hintergründe

Managerpensionen Bestens versorgt

Pensionen: Manager mit abgeschlossener Vermögensbildung
Fotos
Corbis

Voluminöse Aktienpakete, großzügige Übergangsgelder und üppige Firmenrenten - Deutschlands Topmanager sind unverschämt gut versorgt. Während viele auf die Vorstandsgehälter starren, haben die Pensionszusagen schwindelerregende Höhen erreicht.

Es gibt kaum Spektakuläres, mit dem Hartmut Retzlaff (57) jemals auffällig geworden wäre. Der Chef des hessischen Pharmamittelständlers Stada meldet mal steigende (vorvergangenes Jahr), mal fallende Gewinne (vergangenes Jahr). Auch der Kurs seiner Aktie steht ungefähr da, wo er schon vor fünf Jahren war. Allein gelegentlich aufflammende Übernahmegerüchte verleihen dem Papier der M-Dax-Firma einen gewissen, aber nie allzu lange vorhaltenden Nachrichtenwert.

Wirklich spektakulär an Hartmut Retzlaff ist sein Arbeitsvertrag. Wenn der Stada-Chef sich mit 65 verabschiedet, hat er Anspruch auf eine Firmenrente, die sich nicht wesentlich von seinem bisherigen Grundgehalt von 1,4 Millionen Euro unterscheiden dürfte.

Knapp 22,6 Millionen Euro hat der Generikahersteller bislang für die Rente des Vorstandsprimus in der Bilanz zurückgestellt, 941.000 Euro allein im vergangenen Jahr (siehe auch Tabelle"Goldener Schnitt"). Eine Summe, die sich auf fast 27 Millionen Euro erhöht haben wird, wenn Retzlaffs Kontrakt Ende August 2016 ausläuft und Stada Börsen-Chart zeigen weiter im bisherigen Tempo für die Rente des Vorstandschefs spart. Damit wird er locker am einstigen Post-Chef Klaus Zumwinkel (67) vorbeiziehen, der sich Anfang 2009 Pensionsansprüche in Höhe von 20 Millionen Euro auf einen Schlag auszahlen ließ - und damit für einen Eklat sorgte.

Noch spektakulärer sieht die Rechnung aus, wenn Stada tatsächlich aufgekauft wird. In diesem Fall kann Retzlaff eine in seinem bisherigen Kontrakt verankerte Change-of-Control-Klausel ziehen und sich mit einer Abfindung in Höhe des Fünffachen seines Bruttojahreseinkommens (derzeit also insgesamt 12,5 Millionen Euro) per sofort in den Ruhestand verabschieden.

Diese Rente ist uneingeschränkt sicher

Und als ob das nicht schon genug wäre, steht ihm noch das komplette Gehalt für die Restlaufzeit seines Vertrags zu. Würde Stada also im September 2011 übernommen und die Klausel, was von Stada nicht dementiert wird, auch in Retzlaffs neuem Vertrag stehen, kann er noch einmal 12,5 Millionen fordern. Womit er bei insgesamt 25 Millionen wäre - oder der Hälfte der sagenhaften Abfindung, die Wendelin Wiedeking (58) bei seinem Abgang von Porsche kassiert hat.

So bombastisch gestaltet sich sicherlich nicht jede Pensions- und Abfindungsvereinbarung. Zahlreiche Unternehmen haben ihre Pensionssysteme in den vergangenen Jahren von festen Rentenzusagen ("defined benefit") auf Systeme umgestellt, die den Führungskräften "nur" noch bestimmte Beträge garantieren, die auf ihre Altersvorsorgekonten fließen ("defined contribution").

"Konzerne minimieren damit das finanzielle Risiko, das durch die Kombination aus höherer Lebenserwartung und häufigerem Wechsel in Toppositionen entstanden ist", sagt Jens Maßmann, Vergütungsexperte bei der Unternehmensberatung Ernst & Young: "Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob ein Unternehmen wie früher 20 Jahre lang ein und denselben CEO hat, dem es bis 75 eine Pension zahlen muss. Oder ob es wie heute üblich den Chefposten öfter neu besetzt und dann mehrere Ex-Manager bis 85 versorgen muss. Für diesen Fall sind die neuen Systeme deutlich komfortabler."

Die neuen Regeln gelten vor allem für Führungskräfte, die in jüngster Zeit in Vorstands- oder Geschäftsführerpositionen aufgerückt sind - und auch da längst nicht für alle. Wer aber schon länger dabei ist, für den steht fest: Deutschlands Topmanager sind die einzige gesellschaftliche Gruppe, für die Norbert Blüms Versprechen von der sicheren Rente noch uneingeschränkt gilt. Die Konzerne tun nahezu alles, um ihre Vorstände vor der Altersarmut zu bewahren.

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 8/2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH