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14.09.2011
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Managerpensionen
Bestens versorgt

Von Dietmar Palan und Klaus Werle

Pensionen: Manager mit abgeschlossener Vermögensbildung
Fotos
Corbis

Voluminöse Aktienpakete, großzügige Übergangsgelder und üppige Firmenrenten - Deutschlands Topmanager sind unverschämt gut versorgt. Während viele auf die Vorstandsgehälter starren, haben die Pensionszusagen schwindelerregende Höhen erreicht.

Es gibt kaum Spektakuläres, mit dem Hartmut Retzlaff (57) jemals auffällig geworden wäre. Der Chef des hessischen Pharmamittelständlers Stada meldet mal steigende (vorvergangenes Jahr), mal fallende Gewinne (vergangenes Jahr). Auch der Kurs seiner Aktie steht ungefähr da, wo er schon vor fünf Jahren war. Allein gelegentlich aufflammende Übernahmegerüchte verleihen dem Papier der M-Dax-Firma einen gewissen, aber nie allzu lange vorhaltenden Nachrichtenwert.

Wirklich spektakulär an Hartmut Retzlaff ist sein Arbeitsvertrag. Wenn der Stada-Chef sich mit 65 verabschiedet, hat er Anspruch auf eine Firmenrente, die sich nicht wesentlich von seinem bisherigen Grundgehalt von 1,4 Millionen Euro unterscheiden dürfte.

Knapp 22,6 Millionen Euro hat der Generikahersteller bislang für die Rente des Vorstandsprimus in der Bilanz zurückgestellt, 941.000 Euro allein im vergangenen Jahr (siehe auch Tabelle"Goldener Schnitt"). Eine Summe, die sich auf fast 27 Millionen Euro erhöht haben wird, wenn Retzlaffs Kontrakt Ende August 2016 ausläuft und Stada Chart zeigen weiter im bisherigen Tempo für die Rente des Vorstandschefs spart. Damit wird er locker am einstigen Post-Chef Klaus Zumwinkel (67) vorbeiziehen, der sich Anfang 2009 Pensionsansprüche in Höhe von 20 Millionen Euro auf einen Schlag auszahlen ließ - und damit für einen Eklat sorgte.

Noch spektakulärer sieht die Rechnung aus, wenn Stada tatsächlich aufgekauft wird. In diesem Fall kann Retzlaff eine in seinem bisherigen Kontrakt verankerte Change-of-Control-Klausel ziehen und sich mit einer Abfindung in Höhe des Fünffachen seines Bruttojahreseinkommens (derzeit also insgesamt 12,5 Millionen Euro) per sofort in den Ruhestand verabschieden.

Diese Rente ist uneingeschränkt sicher

Und als ob das nicht schon genug wäre, steht ihm noch das komplette Gehalt für die Restlaufzeit seines Vertrags zu. Würde Stada also im September 2011 übernommen und die Klausel, was von Stada nicht dementiert wird, auch in Retzlaffs neuem Vertrag stehen, kann er noch einmal 12,5 Millionen fordern. Womit er bei insgesamt 25 Millionen wäre - oder der Hälfte der sagenhaften Abfindung, die Wendelin Wiedeking (58) bei seinem Abgang von Porsche kassiert hat.

So bombastisch gestaltet sich sicherlich nicht jede Pensions- und Abfindungsvereinbarung. Zahlreiche Unternehmen haben ihre Pensionssysteme in den vergangenen Jahren von festen Rentenzusagen ("defined benefit") auf Systeme umgestellt, die den Führungskräften "nur" noch bestimmte Beträge garantieren, die auf ihre Altersvorsorgekonten fließen ("defined contribution").

"Konzerne minimieren damit das finanzielle Risiko, das durch die Kombination aus höherer Lebenserwartung und häufigerem Wechsel in Toppositionen entstanden ist", sagt Jens Maßmann, Vergütungsexperte bei der Unternehmensberatung Ernst & Young: "Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob ein Unternehmen wie früher 20 Jahre lang ein und denselben CEO hat, dem es bis 75 eine Pension zahlen muss. Oder ob es wie heute üblich den Chefposten öfter neu besetzt und dann mehrere Ex-Manager bis 85 versorgen muss. Für diesen Fall sind die neuen Systeme deutlich komfortabler."

Die neuen Regeln gelten vor allem für Führungskräfte, die in jüngster Zeit in Vorstands- oder Geschäftsführerpositionen aufgerückt sind - und auch da längst nicht für alle. Wer aber schon länger dabei ist, für den steht fest: Deutschlands Topmanager sind die einzige gesellschaftliche Gruppe, für die Norbert Blüms Versprechen von der sicheren Rente noch uneingeschränkt gilt. Die Konzerne tun nahezu alles, um ihre Vorstände vor der Altersarmut zu bewahren.

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Rentierliche Rente
Worauf Manager achten sollten

  • Unverfallbarkeit
    Laut Gesetz muss die Zusage zur Altersversorgung fünf Jahre bestanden haben, bevor sie unverfallbar ist. Davon abweichend kann man vertraglich jedoch die Unverfallbarkeit ab dem ersten Tag festschreiben lassen.
    Achtung: Eine solche Zusage wäre in den ersten fünf Jahren nicht insolvenzgeschützt.
  • Anspruchshöhe
    Günstiger als eine feste Bemessungsgröße ist ein prozentualer Anteil am Fixgehalt; üblich ist eine Steigerung dieses Anteils bei längerer Betriebszugehörigkeit.
    Achtung: Der Anspruch besteht prinzipiell nur für die Zeit, die der Manager auch tatsächlich im Unternehmen gearbeitet hat (m/n-tel-Regel). Wer das vermeiden will, sollte den Vertrag so verhandeln, dass die volle Summe unabhängig von der Betriebszugehörigkeit gezahlt wird.
  • Rückdeckungsversicherung
    Sie ist sinnvoll, um die betriebliche Altersvorsorge für den Insolvenzfall zu schützen, denn der Pensionssicherungsverein springt nur bis zu einem bestimmten Betrag ein und schließt Topmanager unter bestimmten Voraussetzungen aus.
    Achtung: Die Ansprüche aus dieser Police müssen an den Manager verpfändet werden, sonst ist die Versicherung im Insolvenzfall nutzlos.
  • Übergangsgeld
    Für den Fall der Beendigung des Arbeitsverhältnisses vor regulärem Rentenbeginn können Manager Übergangsgelder bis zum Erreichen des Pensionsalters verhandeln.
    Achtung: Übergangsgeld hat in der Regel keinen Versorgungscharakter und ist nicht durch das Gesetz zur betrieblichen Altersversorgung geschützt.

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Diese Rente ist sicher

Die Pensionsrückstellungen der am höchsten dotierten Dax-Chefs

Manager/Unternehmen Pensionsrückst.
1 Dieter Zetsche/Daimler 22.706.000
2 Martin Winterkorn/VW 17.857.000
3 Werner Wenning/Bayer1 14.675.000
4 Jürgen Hambrecht/BASF 14.555.000
5 Wulf Bernotat/Eon2 13.581.000
6 Josef Ackermann/Dt. Bank 13.236.000
7 Peter Löscher/Siemens 11.444.000
8 Wolfgang Mayrhuber/Lufthansa3 11.300.000
9 Wolfgang Reitzle/Linde 9.585.000
10 Johannes Teyssen/Eon 8.590.000

1Vorstandsvorsitzender (VV) bis 30.9.2010
2VV bis 30.4.2010
3VV bis 31.12.2010
Stand: 31.12.2010
Quelle: Geschäftsberichte







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