Montag, 16. Juli 2018

Managerpensionen Bestens versorgt

Pensionen: Manager mit abgeschlossener Vermögensbildung
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Corbis

5. Teil: Pension, Dienstwagen, Chauffeur, Büro und Sekretärin

Bei Wolfgang Mayrhuber (64), bis Ende 2010 oberster Lufthanseat, heißt das Übergangsgeld zwar Kompensationsleistung für ein zweijähriges Wettbewerbsverbot, liefert aber identische Resultate. 600.000 Euro erhält Mayrhuber bis zu seinem 65. Geburtstag insgesamt. Anschließend überweist ihm der Konzern in zehn jährlichen Raten den Gegenwert seines Versorgungskontos, das Ende 2010 einen Stand von rund elf Millionen Euro erreicht hatte.

Und der zweite prominente Dax-Pensionär der vergangenen Monate, der langjährige ThyssenKrupp-Lenker Ekkehard Schulz (70), wird als einer der letzten die Altersinsignien der alten Deutschland AG in Anspruch nehmen. Zusätzlich zu seiner jährlichen Pension von 628.000 Euro stehen ihm noch fünf Jahre lang Dienstwagen samt Chauffeur, sowie Büro und Sekretärin zu.

Noch immer garantieren zwei Drittel aller Dax-Konzerne ihren Topleuten zwischen 50 und 70 Prozent ihres letzten Grundgehalts als Altersbezüge - lebenslänglich. "Das ist bei der noch immer steigenden Lebenserwartung ein im Grunde nicht mehr zu vertretendes Risiko", sagt Christoph Adams, Vergütungsexperte bei Kienbaum.

Zumindest für ihre Belegschaften wollen die Konzernherren diese potenzielle Verlustgefahr auch nicht mehr akzeptieren - unterhalb der Vorstandsebene fand der Systemwechsel hin zu den "defined contributions", also zur Garantie der eingezahlten Beträge, flächendeckend statt: Die finanziellen Folgen der demografischen Unsicherheit tragen die Mitarbeiter. "Für die Alteingesessenen auf der obersten Ebene aber gelten vielfach noch die alten Gesetze", sagt Boris Dzida, Arbeitsrechtler bei Freshfields Bruckhaus Deringer.

Turbokapitalistische Betriebsrenten der Neuzeit

Für neu bestellte Vorstände allerdings beginnen sich die verschärften Regelungen des Aktienrechts langsam bemerkbar zu machen. Die Nachwuchskräfte müssen sich von der Idee garantierter Altersbezüge und großzügiger Übergangsgelder verabschieden. So kann auch der neue Lufthansa-Chef Christoph Franz (51) nur noch mit 70.000 Euro jährlicher Entschädigung rechnen, wenn sein Vertrag mit 55 nicht mehr verlängert wird.

"Bei den jungen Vorständen hat das Interesse an Betriebspensionen auch spürbar nachgelassen", beobachtet Personalberater Hermann Sendele: "Sie konzentrieren sich eher auf den Aufbau ihrer eigenen Altersversorgung und deshalb zum Beispiel auf mit Aktien oder Aktienoptionen unterlegte langfristige Vergütungsbestandteile."

Die können in der Tat viel lukrativer sein als jede noch so hoch dotierte Pensionszusage. Springer-Chef Mathias Döpfner (48) etwa bekam von seiner Großaktionärin im Sommer 2006 ein Paket von 680.000 Aktien zu Sonderkonditionen angedient. 52,4 Millionen Euro bezahlte er damals an Friede Springer für die Papiere, deren Wert sich heute auf insgesamt mehr als 70 Millionen Euro beläuft. Macht innerhalb von fünf Jahren immerhin ein Plus von 18 Millionen Euro. Der einstige Post-Chef Klaus Zumwinkel brauchte für sein ähnlich dimensioniertes Alterskapital noch knapp 20 Jahre Ansparzeit.

Am Ende waren die Chauffeure, Gärtner und Sekretärinnen, die den Konzernfürsten früher zur Verbesserung der Lebensqualität im Alter auf Unternehmenskosten zur Verfügung standen, für die Aktionäre womöglich billiger als die turbokapitalistische Betriebsrente der Neuzeit.

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