Mittwoch, 24. Januar 2018

Managerpensionen Bestens versorgt

Pensionen: Manager mit abgeschlossener Vermögensbildung
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4. Teil: "Extrem heikel"

Juristisch bieten die großvolumigen Pensionszusagen ohnehin Angriffsfläche genug. Spätestens mit dem Ende des Mannesmann-Prozesses sind die Anforderungen für die Angemessenheit der Ruhestandsvergütungen von Konzernvorständen deutlich rigider geworden. Nach Meinung des Bundesgerichtshofs muss eine Firma unmittelbar Vorteile aus den Summen ziehen, die sie ihren Vorständen bezahlt. Aufsichtsräte, die ihren Topmanagern unangemessen hohe Pensionen gewähren, würden sich dem Vorwurf der Untreue aussetzen.

"Wenn man das Urteil ernst nimmt, sind viele der heute noch gängigen hohen Pensionszusagen extrem heikel", sagt etwa der Stuttgarter Arbeitsrechtler Stefan Nägele: "Es geht letztlich um Leute, die nichts mehr für das Unternehmen tun. Bei deren Altersvergütung müsste man deshalb auch stärker auf die Angemessenheit achten als bei anderen Gehaltsbestandteilen."

Strikter aber agieren die Aufsichtsgremien derzeit allenfalls bei Neubestellungen. An bestehende Verträge und lange existierende Pensionszusagen ihrer Topmanager hat sich bislang kaum ein Unternehmen herangetraut.

Mit dieser Frage aber werden sich die Kontrolleure spätestens bei dem nächsten Abschwung auseinandersetzen müssen. Sobald sich die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens wesentlich verschlechtert, müssen sich die Aufsichtsräte Gedanken darüber machen, ob sie die Pensionszusagen für ihre Führungsspitze auf ein angemesseneres Niveau kürzen. Und das kann auch Vorstände treffen, die sich schon längst in den Ruhestand verabschiedet haben.

Bis heute haben sich in den Konzernspitzen eine ganze Reihe von Privilegien gehalten, die für die Ebenen darunter unerreichbaren Luxus darstellen.

Munich Re: Mit 50 Jahren Anrecht auf Ruhegeld

Wer etwa als Henkel-Topmanager in Rente geht, bekommt erst einmal sechs Monate lang seine Grundvergütung in voller Höhe weiterbezahlt. Erst anschließend fließt die von der Größenordnung her spürbar kleinere Betriebsrente.

Beim weltweit größten Rückversicherer, Munich Re Börsen-Chart zeigen, haben Vorstände bereits mit 50 Anrecht auf ein vorgezogenes Ruhegeld, wenn nicht verlängert wird. Für die Topleute des Essener Stromriesen RWE gibt es die Firmenrente ab 55 sogar dann, wenn ihr Kontrakt vorzeitig aufgelöst wird.

Spitzenmanager der Deutschen Börse Börsen-Chart zeigen und der Deutschen Post können sich dagegen bei Erreichen der Altersgrenze entscheiden, ob sie sich ihre Pensionsansprüche als Rente oder auf einen Schlag auszahlen lassen. Für Börsenchef Reto Francioni (55) würde letztere Variante auch nicht zu verachtende steuerliche Vorteile bedeuten, wenn er sich anschließend endgültig in seine Schweizer Heimat verabschiedete.

Eine ganz besondere Variante des sanften Übergangs hat man sich bei Adidas Börsen-Chart zeigen einfallen lassen. Wenn Vormann Herbert Hainer (57) in den Ruhestand wechselt oder sein Vertrag nicht verlängert wird, muss er sich keineswegs nur mit seinem Fixum (derzeit 1,4 Millionen Euro) als Übergangsgeld abfinden. Stattdessen stehen ihm 125 Prozent seines zuletzt erreichten Performance-Bonus zu. Was nach heutigem Stand knapp 2,2 Millionen Euro wären.

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