Sonntag, 21. Oktober 2018

Managerpensionen Bestens versorgt

Pensionen: Manager mit abgeschlossener Vermögensbildung
Corbis

3. Teil: "Pensions- und Abfindungszusagen an der Grenze zur Sittenwidrigkeit"

Würde sich die Bank von heute auf morgen einvernehmlich von Ackermann trennen, stünde ihm für die ersten sechs Monate ein Übergangsgeld von 2.852.000 Euro zu. Anschließend darf er 24 Monate lang mit 75 Prozent seiner letzten Barvergütung (Grundgehalt und Zielbonus) rechnen. Macht insgesamt über 5.000.000 Euro. Nicht zu vergessen eine Übergangshilfe von 352.800 Euro pro Jahr, die noch aus einer alten Pensionszusage stammt.

Mitunter gehen heute aber auch ganz einfache Vorstände kurz vor der Pensionsgrenze mit zweistelligen Millionenbeträgen nach Hause. Zygmund Mierdorf (59) etwa, bis vor etwas mehr als einem Jahr Personal-, IT- und Einkaufschef des Düsseldorfer Handelsriesen Metro. Bereits unter Hans-Joachim Körber (65), dem Vorgänger des heutigen Konzernchefs Eckhard Cordes (60), war der Multifunktionsmanager nicht mehr wohlgelitten. Nach Körbers Abgang im Sommer 2007 feierte Mierdorf dennoch ein überraschendes und mit einem neuen Fünfjahreskontrakt ausstaffiertes Comeback. Der späte Karriereschub aber währte nur kurz. Cordes kam mit Mierdorf genauso wenig zurecht wie zuvor Körber - weshalb der Mann im März 2010 endgültig verabschiedet wurde.

Mierdorf wird es verschmerzen können. Das Salär für die verbleibende Dauer seines Vertrags (immerhin noch vier Jahre) bekam er genauso auf einen Schlag ausgezahlt wie seine Firmenpension. Macht in Summe exakt 13.007.000 Euro. Und wenn das verbliebene Metro-Management einen vernünftigen Job macht, wird in ein paar Jahren noch einmal ein Nachschlag von 2.544.000 Euro fällig. So viel hat der Konzern jedenfalls in der Bilanz zurückgestellt - als Ausgleich für die erfolgsbezogenen Vergütungsbestandteile, die Mierdorf wegen seiner Frühpensionierung entgangen sind.

Fälle wie diese sind bei Weitem nicht nur in der Dax-Liga anzutreffen. Der Vorstand eines norddeutschen Mess- und Regeltechnikunternehmens etwa wurde mit Anfang 50 in den vorzeitigen Ruhestand geschickt, weil sich die pingeligen Aufsichtsgremien des Mittelständlers über die 20 Jahre jüngere Lebensgefährtin des Managers empörten.

Aufsichtsräte führen eigene Argumentation ins Absurde

Seitdem kassiert der Mann als Übergangslösung eine Art Vorpension von seinem alten Arbeitgeber - in Höhe seines letzten Fixgehalts. Diesen Zustand kann er im Zweifel bis zu seinem 60. Geburtstag aufrechterhalten; ab diesem Zeitpunkt hat er dann Anspruch auf seine reguläre Firmenpension. Die Ex-Frau des Ex-Managers ist die Einzige, die mit dem Frührentneridyll nicht einverstanden ist. Sie will nun vor Gericht klären, ob es sich bei der Übergangsentschädigung tatsächlich um Altersbezüge handelt (dann stünde ihr die Hälfte zu).

"Mit derartigen Rundum-sorglos-Paketen führen viele Aufsichtsräte ihre eigene Argumentation ins Absurde, mit der sie in der Vergangenheit stets die enormen Steigerungen der Vorstandsgehälter verteidigt haben", sagt Managementprofessor Joachim Schwalbach: "Wer Millionengehälter als Absicherung gegen das gestiegene Risiko des Jobverlusts im Topmanagement zahlt, darf anschließend weder Übergangsgelder noch Abfindungen in Form von Vorruhestandsgehältern abnicken."

Tatsächlich wird oft gezahlt, was gefordert wird, nur damit der Traumkandidat am Ende auch wirklich anheuert. Das soll selbst bei Unternehmen vorkommen, bei denen der Staat das Sagen hat.

Als die Aufsichtsräte der ins Schlingern geratenen Hypo Real Estate Börsen-Chart zeigen im Spätsommer 2008 unbedingt den damaligen Deutschbanker Axel Wieandt (44) als Retter verpflichten wollten, konnten sie ihm nicht mehr als 500.000 Euro Gage bieten. Das karge Gehalt ließ sich der kühle Rechner mit einer opulenten Pensionszusage kompensieren. Nach nur 18 Monaten im Amt hat er nun im Alter Anspruch auf ein Ruhestandssalär von knapp 240.000 Euro im Jahr.

Oft resultieren die goldenen Renten der Topmanager aus einer eklatanten Schwäche der Kontrollgremien. Bei Stada etwa ist das Machtverhältnis zwischen Aufsichtsrats- und Konzernchef klar zugunsten des CEOs geregelt. Chefkontrolleur Martin Abend, ein rühriger Dresdner Rechtsanwalt, hat Retzlaff, der das Unternehmen seit 1994 wie ein kleines Fürstentum regiert, im Zweifel wenig entgegenzusetzen.

"Bei so einer Konstellation sind Pensions- und Abfindungszusagen an der Grenze zur Sittenwidrigkeit auch keine Überraschung", urteilt Christian Strenger, Aufsichtsrat bei der Deutschen Bank Investmentgesellschaft DWS und Mitglied der Corporate-Governance-Kommission.

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