Donnerstag, 13. Dezember 2018

Unternehmensberatung Wozu braucht man noch Berater?

Unternehmensberater: Die Reifeprüfung
Corbis

Die Kunden geben der Branche schlechtere Noten, zeigt ein exklusiver Test. Wofür also braucht man noch Berater? Die Consultants reagieren auf die Existenzfrage mit einer Ausweitung ihrer Geschäftsmodelle - und Abrechnungstricks.

Hamburg - Zwei Jahrzehnte gehört Claus Benkert (47) nun schon der weltgrößten Unternehmensberatung, McKinsey, an, plagt sich mit Klienten aus der Halbleiterbranche, müht sich mit der Bildungsreform Saudi-Arabiens. Der Physiker, der die traditionelle Kluft der Consultants trägt (dunkelgrauer Anzug, Krawatte, weißes Hemd), hat viel gesehen, viel verdient und noch mehr erlebt.

Und dann das.

Eigentlich wollte McKinsey seine innovative Kundenschule in einem Objekt auf der Münchener Theresienwiese, in Bierkrug-Wurfweite zum Oktoberfest, unterbringen. War im Prinzip alles unter Dach und Fach, vulgo ausverhandelt. Bis dann der bauernschlaue Vermieter sich Tiefgarage und Flurbenutzung extra bezahlen lassen wollte (Benkert: "Der wollte uns über den Tisch ziehen").

Anfang 2011 mussten die Consultants eine neue Bleibe suchen. Dass es doch zur Jahresmitte klappte, damit hatte kaum einer gerechnet: "Die Wetten standen gegen uns", sagt Benkert.

Nun sitzt er im ersten Obergeschoss des Airport Business Center, in einem Bürokomplex, dessen Hauptmieter der Kosmetikkonzern Avon ist. In der Gemeinde Hallbergmoos, fünf Taximinuten vom Münchener Flughafen entfernt. Dort, wo die Pizzeria "Da Tony" mit Sonderkonditionen ihr 40-jähriges Jubiläum feiert ("Angebot nur zum Liefern"). Dort, wo "Der Hallberger" ("verlässlich, heimatverbunden, kompetent") im 20. Jahrgang ausliegt.

Hier, im sogenannten Capability Center, trainiert McKinsey unter Benkerts Leitung auf 1000 Quadratmetern seit Juni seine Klienten - und fügt damit den vielfältigen Geschäften des Ratgebers eine ungewöhnliche Facette hinzu.

Über derlei Innovationen grübelt derzeit nicht nur McKinsey. Etliche Unternehmen erfinden sich neu - der Marktführer stürmt nur vornweg.

"Das Geschäftsmodell der klassischen Strategieberater stößt an seine Grenzen", sagt Wirtschaftsprofessor Dietmar Fink, seit Jahren ein profunder Kenner der Szene. McKinsey, Roland Berger & Co. müssten ihre Strukturen über kurz oder lang grundlegend verändern, so Fink, "sonst bekommen sie Probleme".

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