Samstag, 18. November 2017

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Mittelstand in Deutschland Jung, locker, erfinderisch

Innovation: Das Gesicht des deutschen Mittelstands
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Rüdiger Nehmzow

3. Teil: Matrix und Ghostbusters in 3-D

Imcube ist ein englisches Wortkonstrukt aus dem Begriff Image und der mathematischen Formel für Räumlichkeit. Die Patente für das Konversionsverfahren resultierten aus zwei Dissertationen, mit denen die Imcube-Gründer ihre Doktortitel in Elektrotechnik erhielten. Die Initiative "Deutschland - Land der Ideen" hat Imcube bereits 2009 ausgezeichnet. Die farbige Urkunde prangt weithin sichtbar an einer Wand in den gräulich-tristen Laborfluren der TU Berlin, wo das junge Unternehmen noch seinen Sitz hat.

In den nächsten Monaten steht der Umzug an. Die nächste Wachstumsstufe ist gezündet, neue Stellen sind bereits ausgeschrieben. Bis Ende des Jahres soll sich die Belegschaft verdreifachen - auf dann 25 Beschäftigte.

Das Imcube-Verfahren ermöglicht die Konversion von zweidimensional aufgenommenen Filmen in dreidimensionale Werke. Bis vor wenigen Jahren "war die 3-D-Konversion vor allem Handarbeit mit Bildbearbeitungsprogrammen", erläutert Geschäftsführer Knorr. "Für einen Spielfilm von 100 Minuten Länge brauchte man 35.000 Manntage." Selbst bei Niedriglöhnen, wie sie etwa in den indischen Postproduction-Studios bezahlt werden, ergab das Gesamtkosten von bis zu zehn Millionen Dollar.

Das halb automatische Imcube-Verfahren senkt diese Summe auf 50.000 bis 500.000 Dollar - je nach Qualitätsanspruch und Aufwand.

Matrix in 3-D

Imcube gehört zu jenen Hightech-Firmen, bei denen der 38-jährige Chef im Sommer schon mal als Einziger lange Hosen trägt: verwaschene Bluejeans, die etwas tiefer rutschen, weil ohne Gürtel getragen. Die übrigen Imcubeler lümmeln in kurzen Cargopants hinter ihren Monitoren, schlürfen mitgebrachte Kaltgetränke aus großen Pappbechern.

Die Atmosphäre ist locker. Abgetrennt nur durch einen schwarzen Vorhang, gehört eine Art Heimkino zu Imcubes Computerlabor. Hier gucken die Entwickler die neuesten 3-D-Produktionen auf einem riesigen Flachbildschirm. Besonders beliebt war unter den Programmierern zuletzt "Alice im Wunderland", weil der ausschließlich in 2-D gedreht und komplett in 3-D konvertiert wurde.

Schon freuen sich die Filmfans auf 3-D-Versionen von "Matrix" und "Ghostbusters", auf die konvertierten "Star Wars"- und "Indiana Jones"-Folgen, die im nächsten Jahr auf den Blu-ray-Markt kommen sollen. "Diese Blockbuster werden die 3-D-Projektion zum Standardverfahren machen", prophezeit Imcube-Mitgründer Knorr.

Für die dann entstehenden Milliardenmärkte planen seine chinesischen Kooperationspartner vier große Konversionsfabriken. Die sollen, wenn sich alles wie gewünscht entwickelt, die Imcube-Verfahren einsetzen - was dem Start-up schon in seinem fünften Geschäftsjahr Lizenzeinnahmen von vielen Dutzend Millionen Euro bescheren könnte.

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