Donnerstag, 29. September 2016

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Apple Das Ende des Appsolutismus

Genial, arrogant, machtversessen: Wie Steve Jobs Apple führte
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REUTERS

Rüde Geschäftsmethoden: Apple, die erfolgreichste Firma der vergangenen Jahre, hat offenbar ihren Zenit überschritten.

Hamburg - Es war Herbst, als Joel Podolny verschwand. Am 1. November 2008 legte der Dekan der betriebswirtschaftlichen Fakultät der Yale University überraschend seinen Posten nieder. Seitdem: keine wissenschaftlichen Veröffentlichungen mehr, keine Kongressauftritte, keine Interviews.

Podolny war in den Orden des Apfels eingetreten. Zunächst hieß es, der Spitzenforscher solle eine Apple University aufbauen, eine interne Fortbildungsstätte des Computerkonzerns. Inzwischen findet Podolny sich im Apple-Organigramm als Vice President Human Resources wieder.

Doch seine wahre Aufgabe, berichten Insider, sei die eines Evangelisten: Gemeinsam mit einem Team weiterer Wissenschaftler fasst Podolny das geschäftliche Vermächtnis des schwer kranken Gründers Steve Jobs (56) in einer Serie von Fallstudien zusammen: warum Jobs die gesamte Fertigung des iPhones an einen einzigen Hersteller in China vergab. Wie Jobs beschloss, eigene Apple-Stores zu eröffnen - und was die Nachwelt daraus lernen kann. Gleichnis für Gleichnis entstehe da ein gewaltiges "Book of Jobs", witzeln Apple-Beobachter.

Book of Job, so heißt auf Englisch das biblische Buch Hiob. Und in der Tat, es muss schon die Bibel herhalten, will man Vergleichbares finden zu jenem Epos, das uns Steve Jobs in den vergangenen 35 Jahren beschert hat. Alles steckt drin in der Geschichte vom wertvollsten Computerkonzern der Welt und seinem Gründer: Vertreibung aus dem gelobten Land und Rückkehr dorthin, Aufstieg und Fall und erneuter Aufstieg, Loyalität und Verrat und viele ergebene Jünger.

Doch anders als in der Bibel sind die letzten Kapitel des "Book of Jobs" noch nicht geschrieben: Wie geht es weiter mit dem - nach dem Ölgiganten Exxon - zweitwertvollsten Konzern der Welt?

Das Votum der Analysten in den letzten zwölf Monaten fällt eindeutig aus: 48 von 53 Apple-Analysten raten zum Kauf, die übrigen 5 immerhin zum Halten. All diese Experten glauben daran, dass Apple Börsen-Chart zeigen weiterhin die Massen mit revolutionären Elektrokleingeräten wie iPhone oder iPad beglücken wird. Noch nicht einmal die labile Gesundheit des Firmengründers kann die Börse nachhaltig schrecken. Steve Jobs hat bereits eine Bauchspeicheldrüsenkrebs-Erkrankung und eine Lebertransplantation überstanden und musste im Januar 2011 aus gesundheitlichen Gründen die Führung der Firma schon zum dritten Mal in die Hände von Timothy Cook legen, seinem langjährigen Chief Operating Officer. Niemand weiß, ob Jobs je an die Konzernspitze zurückkehren wird.

Zu den wenigen, die nicht an ein Happy End im "Book of Jobs" glauben, zählt Tim O'Reilly. "Über kurz oder lang wird Apple in die Rolle eines Nischenanbieters zurückkehren", sagt der kalifornische Verleger, der sich als Internetprophet einen Namen gemacht hat.

Es spricht in der Tat manches dafür, dass Apples Höhenflug seinem Ende entgegengeht. Mehr noch: dass ausgerechnet jene Faktoren, die in der Vergangenheit Apples Erfolg ausmachten, allmählich zur Belastung werden:

  • Das rasante Umsatzwachstum der vergangenen Jahre bewirkt, dass Produkte wie das iPhone nicht mehr als Luxus-, sondern als Massenware wahrgenommen werden. Will Apple im bisherigen Tempo weiter wachsen, kann der Konzern neue Kunden nur durch niedrigere Preise locken.
  • Durch seine Größe und Marktmacht gerät Apple immer häufiger ins Visier von Kartellbehörden, Politikern und kritischer Öffentlichkeit: Apple droht das neue Microsoft Börsen-Chart zeigen zu werden.
  • Der Erfolg hat bei Apple zu einer selbstgerechten Unternehmenskultur geführt. Kunden werden bevormundet. Echte, gleichberechtigte Geschäftspartnerschaften kennt Apple nicht. Jetzt regt sich erstmals Widerstand.

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