Samstag, 17. November 2018

Apple Das Ende des Appsolutismus

Genial, arrogant, machtversessen: Wie Steve Jobs Apple führte
REUTERS

2. Teil: Kontrollwahn, Perfektionismus, Herablassung

Was es bedeutet, mit Apple Geschäfte zu machen, erfuhren früh die großen, ehemals ruhmreichen Konzerne der Musikindustrie wie EMI Börsen-Chart zeigen, Universal, Sony und Bertelsmann. Als Steve Jobs anbot, sie mit seiner Plattform iTunes vom Übel des kostenlosen Downloadens zu befreien, richteten sie sich auf Verhandlungen unter Gleichen ein. Sie würden Jobs die Musik für seine iPods besorgen und er ihnen Einnahmen verschaffen: ein fairer Deal. Doch sie irrten.

Als die Größen der Musikindustrie etwa unterschiedliche Preise für unterschiedliche Songs nehmen wollten (viel Geld für Superstars wie Madonna, wenig für unbekannte Bands), sagte Jobs schlicht Nein. "Wir zeigten ihm Marktforschungsstudien, wir argumentierten, aber das interessierte ihn alles nicht", sagt ein Topmanager, der häufig direkt mit ihm verhandelte. "Es ist ihm egal, ob sein Gesprächspartner mit dem Ergebnis klarkommt. Leben und leben lassen gibt es für ihn nicht."

Ähnliche Erfahrungen machte die Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen, Apples Exklusivpartner bei der Einführung des iPhones hierzulande. 1000 fast mannshohe Ständer in Form eines iPhones wollte Jobs eigens aus Cupertino nach Bonn schicken. Sie sollten 2007 in den Schaufenstern der T-Shops gut sichtbar Kunden für das neue Internethandy anlocken. iPhone-Attrappen herstellen, das können wir doch auch, dachte man sich im Vorstand der Telekom. Und schickte ein selbst gestaltetes Riesen-iPhone zur Begutachtung nach Kalifornien.

"This is not approved": Jobs verweigerte die Genehmigung persönlich.

Er störte sich an einer Einkerbung unten, die die pragmatischen Deutschen eingebaut hatten, damit man unter dem Ständer bei Nässe und Schnee ordentlich hätte putzen können. Erst nachdem die Bonner das Loch mit einer abnehmbaren Aluminiumplatte verdeckt hatten, erhielten sie schließlich die Erlaubnis, selbst iPhone-Attrappen zu bauen - für ihre eigenen Telekom-Läden, wohlgemerkt. "Er zögert nicht, dich wissen zu lassen, dass du dämlich bist", lautet nach der Erfahrung das Fazit bei der Telekom.

"Ihr Typen, ihr seid furchtbar"

Über ein Jahr lang musste die Telekom bei Jobs um die exklusive Vermarktung des iPhones in Deutschland buhlen - ohne dass auch nur ein deutscher Manager einen Prototyp des Geräts zu Gesicht bekommen hätte. Erst wenige Wochen bevor das erste Apple-Telefon in den USA auf den Markt kam, zog Jobs bei einer Besprechung mit einem Telekom-Vorstand ein iPhone aus der Hosentasche. Die Vertragsbedingungen diktierte allein Jobs: 30 Prozent vom gesamten Mobilfunkumsatz der iPhone-Kunden für Apple, die Werbung fürs iPhone habe die Deutsche Telekom zu zahlen. Ferner solle die Telekom doch bitte ihre T-Shops auf Vordermann bringen.

Am letzten Punkt wäre der Deal fast noch gescheitert: Nach dem Besuch eines T-Shops in London war Jobs nicht mehr zu halten: "Ihr Typen, ihr seid furchtbar. Ihr habt mich angelogen", beschimpfte er den Telekom-Vorstand angesichts der vielen Handyattrappen und Geräte mit leerer Batterie, die den Laden füllten. Die Bonner gelobten, nur echte, startbereite iPhones zu führen. Gewissheit, ob Apple tatsächlich die Telekom zum Zug kommen lassen würde, erhielten sie trotz allem nicht: Selbst drei Wochen vor der großen iPhone-Launch-Party der Telekom hatte Jobs noch kein definitives Go gegeben.

Immerhin, der Telekom erging es nicht ganz so schlimm wie Samsung Börsen-Chart zeigen. Den Koreanern half es nicht, dass sie einer der wichtigsten Chiplieferanten von Apple sind. Jobs verklagte sie wegen angeblicher Patentverletzungen beim Samsung-Rechner Galaxy.

Kontrollwahn, Perfektionismus, Herablassung - all das gehört zu Jobs wie der angebissene Apfel auf den Mac-Computern. Bereits in der zehnten Klasse soll er seiner damaligen Freundin erzählt haben, er würde mal Millionär. Mit 23 Jahren ist er es tatsächlich. Jobs hatte 1976 zusammen mit seinem Weggefährten Steve Wozniak in der Garage von Jobs' Adoptiveltern den ersten PC für den Massenmarkt entwickelt. Wozniak, der eigentliche Erfinder, blieb im Hintergrund. Jobs, der Verkäufer, stieg auf zum ersten Rockstar der IT-Welt.

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